Verursacht Biogas Monokulturen?
Von Monokulturen wird gesprochen, wenn mehrere Jahre hintereinander auf einer Ackerfläche stets dieselbe Pflanze angebaut wird. Es gibt keinen Wechsel der Fruchtfolge, d.h. zeitlich fehlt die Abwechslung. Die Befürchtung zunehmender Monokulturen wird vor allem gegenüber Mais geäußert, der für Biogasanlagen angebaut wird. Dieser breite sich auf immer mehr Äckern aus, d.h. räumlich fehle die Abwechslung.
Werden Energiepflanzen für die Biogasproduktion genutzt, dominiert eindeutig der Mais. Von den rund 650.000 ha Anbaufläche für Biogas im Jahr 2010 waren rund 500.000 ha Mais. Der Maisanbau für Biogasanlagen ist zuletzt zwar deutlich gestiegen, doch dominiert weiterhin der Maisanbau für Futtermittel.
Nicht Monokulturen, sondern viele Wege führen zum Biogas.
Eine Biogasanlage kann vieles „verdauen“: Sowohl aus Energiepflanzen (z.B. Mais, Getreide, Chinaschilf), aus Ernterückständen (z.B. Rübenblätter), tierischen Exkrementen (z.B. Gülle, Mist), Nebenprodukten der Lebensmittelproduktion (z.B. Kartoffelschalen) oder organischen Abfällen (z.B. Klärschlamm) kann Biogas gewonnen werden. Je wichtiger die energetische Nutzung von Biomasse wird, desto stärker wird auch die Nutzungspalette ausgeweitet werden.
Im Vergleich zur Nahrungsmittelproduktion steht die Züchtung von Energiepflanzen gerade am Anfang. Diese neue und notwendige Entwicklung wurde durch den früheren Bonus für Nachwachsende Rohstoffe im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) initiiert. Die Vergütungsstruktur im EEG 2012 reizt den Einsatz von bestimmten Energiepflanzen gezielt an. Alternativen zum Mais, die ökologisch sinnvoller sind und die Fruchtfolgen bereichern können, sollen mittels höherer Vergütungen je erzeugter Kilowattstunde Strom stärker gefördert werden. Die Nutzung von Mais und Getreidekorn ist dagegen durch einen Deckel von maximal 60 Prozent der eingesetzten Biomasse eingeschränkt.
Durch neue Erkenntnisse und technologische Entwicklungen werden ständig die Anbaumethoden und die Sorten verbessert. Daher sind noch enorme Ertragssteigerungen möglich, die mit konventionellen Mitteln ohne Gentechnik erreicht werden können. Eine große Chance auf Ertragssteigerung besteht in der Nutzung und Weiterentwicklung geeigneter Pflanzensorten und Pflanzenarten aus dem großen Pool genetischer Ressourcen.
Ökologisch optimierte Energiepflanzenanbausysteme, die auf Ertragssteigerungen für die Biogaserzeugung zielen, werden derzeit erforscht. So hat der bundesweite Forschungsverbund EVA („Entwicklung und Vergleich von standortangepassten Anbausystemen für Energiepflanzen“) (http://www.eva-verbund.de) seit 2005 für die unterschiedlichen Ackerbauregionen Deutschlands Empfehlungen für einen ökologisch verträglichen Anbau entwickelt. Dabei stellte sich heraus, dass Steigerungen der Biogaserträge mit regional angepassten Anbaukonzepten und abwechslungsreichen Fruchtfolgen zu erzielen sind. Dass Wildkräuter für die Biogaserzeugung vergleichbar hohe Erträge wie Mais erzielen können, zeigt das Projekt „Energie aus Wildpflanzen“ (http://www.lwg.bayern.de/presse/2010/38500/index.php) in Bayern. Eine Steigerung der Artenvielfalt beim Energiepflanzenanbau strebt das Projekt „Farbe ins Feld“ (http://www.farbe-ins-feld.de) des Fachverband Biogas an, unterstützt u.a. von Umweltverbänden.
Diese Projekte, Forschungs- und Entwicklungsarbeiten bedürfen allerdings weiterer Unterstützung, um eine echte Breitenwirkung in der landwirtschaftlichen Anbaupraxis zu entfalten.
Ökologische Vorteile des Energiepflanzenanbaus
Im Vergleich zu Nahrungsmittelpflanzen werden beim Anbau von Energiepflanzen bereits weniger Pflanzenschutz- und mineralische Düngemittel benötigt. Die Nutzung von Biogas bietet viele ökologisch wichtige Vorteile, wie zum Beispiel ein gutes Energie-Input-Output-Verhältnis, hohe spezifische Energieausbeute pro Fläche und einen weitgehend geschlossenen Nährstoff-Kreislauf.
Auf den Anbau von Energiepflanzen für Biogas wirken sich auch Vorgaben der EU aus („Cross Compliance“). Zum Beispiel verhindern diese schon heute indirekt über ihre Anforderungen an Humusbilanzen einen zu hohen Anteil von Mais in der Fruchtfolge sowie direkt über die Fruchtfolgerestriktionen. Darüber hinaus müssen Vorgaben zur Bodenerhaltung beim Pflanzenschutz und der Nitratrichtlinie berücksichtigt werden. Nach deutschen Vorgaben müssen im Rahmen der „Guten fachlichen Praxis“ (GfP) eine Reihe von Bestimmungen aus dem landwirtschaftlichen Fachrecht eingehalten werden, so z.B. das Pflanzenschutzgesetz, das Bundesbodenschutzgesetz und die Düngeverordnung.
Die aufgeführten rechtlichen Bestimmungen und die notwendige Fruchtfolge verbieten den dauerhaften Anbau derselben Kulturpflanzensorte. Bereits aus eigenem ökonomischem und ökologischem Interesse heraus würde ein Landwirt sein kostbarstes Gut – einen ertragsstarken Boden – nicht durch unsachgemäße Bewirtschaftung gefährden.
Auch aus Betreiber- bzw. Abnehmersicht wäre eine Eingrenzung der Rohstoffbasis auf nur eine Energiepflanzenart ökonomisch wenig sinnvoll, würden doch Verknappungen und Preissteigerungen den wirtschaftlichen Betrieb einer Biokraftstoff- bzw. Biogasanlage dann umso stärker gefährden.
Energiepflanzen leisten einen wichtigen Beitrag zu Sicherung und Stärkung von Biodiversität.
Eine Vielfalt von Pflanzen kann für die Biogaserzeugung genutzt werden. Neben Mais können viele andere Getreidearten, wie Roggen, Hirse und Sudangras als Energiepflanzen für die Biogaserzeugung angebaut werden. Attraktiv kann z.B. auch der Anbau der Durchwachsenen Silphie sein.
Neue Anbaukonzepte wie z.B. mit mehreren Ernten pro Jahr, Mischkulturen und ein extensiver Anbau von Energiepflanzen können somit auch einen Beitrag zur Förderung der Biodiversität leisten. Bisher kaum genutzte, in Vergessenheit geratene Ölpflanzen werden z.B. für die energetische Nutzung wieder attraktiv.
Besonders Mischfruchtanbau, Kurzumtriebsplantagen mit schnell wachsenden Baumarten sowie Agroforstsysteme bieten interessante Perspektiven für ein Zusammenspiel von Landwirtschaft und Naturschutz.
FNR: Energie pflanzen! (http://www.energie-pflanzen.info/)
Fachverband Biogas: Farbe ins Feld (http://www.farbe-ins-feld.de)
Forschungsverbund EVA (http://www.eva-verbund.de)
Netzwerk „Lebensraum Brache“: Energie aus Wildpflanzen (http://www.lebensraum-brache.de/Projekte/Biogas/index.php)
