Sind Biokraftstoffe klimaschädlich?

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Biomasse aus nachhaltigem Anbau ist CO2-neutral und trägt zur Reduzierung der klimaschädlichen Emissionen bei, indem Erdöl, Erdgas und Kohle ersetzt werden. Bioenergie leistet damit schon heute im Vergleich zu anderen Erneuerbaren Energien in Deutschland den größten Beitrag zum Klimaschutz.

Die Nutzung von Biomasse im Strom-, Wärme- und Kraftstoffbereich hat 2007 in Deutschland den Ausstoß von insgesamt 54,6 Mio. t CO2 vermieden, darunter Biokraftstoffe mit einem Anteil von 15 Mio. t CO2. Ohne einen weiteren massiven Ausbau der Bioenergie werden die Ziele zur CO2-Reduktion – ob auf bundesdeutscher oder internationaler Ebene – nicht erreicht werden können.

Das bei der Verbrennung von Biokraftstoffen freigesetzte CO2 entspricht der
Menge, die die Pflanze während ihres Wachstums aufgenommen hat. Nachwachsende Biomasse absorbiert wiederum die freigesetzte Menge CO2. Es handelt sich somit um einen geschlossenen CO2-Kreislauf. Biomasse ist damit eine CO2-neutrale Energiequelle. Ersetzt Biomasse darüber hinaus fossile Energieträger im Strom-, Wärme- oder Kraftstoffbereich, reduziert sie dadurch den Ausstoß klimaschädigender Treibhausgase. Stammt Biomasse jedoch aus nicht nachhaltigem Anbau, d.h. wächst nicht in entsprechender Menge Biomasse nach, bleibt auch die CO2-Bilanz nicht mehr neutral. 

Das bei der Verbrennung von Biomasse freigesetzte CO2 entspricht der Menge, die die Pflanze während ihres Wachstums aufgenommen hat. Nachwachsende Biomasse absorbiert wiederum die freigesetzte Menge CO2. Es handelt sich somit um einen geschlossenen CO2-Kreislauf.

 

Einflussfaktoren von Klimabilanzen

Zwar ist Biomasse damit grundsätzlich eine CO2-neutrale Energiequelle. Je nach Herkunft, Anbau- und Produktionsverfahren können die CO2-Bilanzen von Energieträgern wie Biogas oder Biokraftstoffen jedoch auch äußerst unterschiedlich ausfallen. Zu berücksichtigen sind z.B. die jeweiligen Erträge, der Düngemitteleinsatz, der Transport, der Energieeinsatz für Umwandlungsschritte wie die Biokraftstoffproduktion und der jeweilige Ersatz fossiler Energieträger. Daher variiert die Bandbreite der Emissionen sowohl zwischen den bzw. auch innerhalb der einzelnen Arten von Biokraftstoffen teilweise ganz erheblich.

Während z.B. der Ausstoß von Lachgas durch Dünger sowie der Verbrauch fossilen Diesels z.B. beim Pflügen mit einem Traktor die CO2-Bilanz belasten, kann die Verwertung von Nebenprodukten, die bei der Produktion von Biokraftstoffen anfallen und energetisch weiterverwertet werden (z.B. Rapsschrot, Schlempe, Prozesswärme), der CO2-Bilanz wieder gutgeschrieben werden.

Stammt Biomasse jedoch aus nicht nachhaltigem Anbau, d.h. es wächst nicht in entsprechender Menge Biomasse nach, und durch den Anbau und die Umwandlungsschritte werden große Mengen CO2 emittiert, verschlechtert sich auch die CO2-Bilanz entsprechend.

Rapsöl, Biodiesel aus Raps, Bioethanol und Biogas verursachen wesentlich weniger Treibhausgasemissionen als fossile Kraftstoffe. Mit diesen Biokraftstoffen können – je nach Technologie und eingesetzter Biomasse – ein Drittel bis über 100 % der Emissionen fossiler Kraftstoffe eingespart werden

Wichtig bei der Beurteilung von CO2-Bilanzen der Biokraftstoffe ist insbesondere die Verwertung der so genannten Koppel- oder Nebenprodukte, d.h. Reststoffe, die bei der Produktion von Biokraftstoffen anfallen und energetisch weiterverwertet werden können.

Dazu gehören z.B.

- Glycerin (vorrangig als Rohstoff für die chemische Industrie und/oder Biogaserzeugung),

- Rapsschrot (Futtermittel),

- Schlempe (Futtermittel, Biogaserzeugung) und

- Stroh (Futtermittel, Biogaserzeugung, Brennstoff).

Wird die Verwertung von Koppelprodukten der Biokraftstoffproduktion nicht berücksichtigt, können die CO2-Einsparungen teilweise sehr stark auseinanderfallen. Bioethanol spart z.B. pro Hektar Anbaufläche jährlich rund 10 t CO2-Äquivalent ein, wenn Reststoffe wie die anfallende Schlempe energetisch mitgenutzt werden. Das aus der Schlempe gewonnene Biogas ersetzt fossile Energieträger im Strom- und Wärmebereich. Dadurch werden CO2-Emissionen reduziert, was wiederum in der CO2-Bilanz des Bioethanol gutgeschrieben werden darf. Wird auf die Reststoffnutzung verzichtet bzw. wird diese nicht in der CO2-Bilanz berücksichtigt, reduziert Bioethanol alleine rund 2 t CO2-Äquivalent pro Hektar und Jahr.
 

Palmöl: Nicht nachhaltig - aber auch kein Biokraftstoff

Ein entscheidender Faktor für die Klimabilanz von Biokraftstoffen ist die Frage der Landnutzungsänderung. Wenn eigens für den Anbau von Biomasse z.B. Urwaldflächen gerodet oder Moore trockengelegt werden, ist die CO2-Bilanz zwangsläufig über Jahrzehnte negativ. Durch die Umwandlung von Primärregenwald in Palmölplantagen werden z.B. rund 365 t CO2 pro Hektar und Jahr freigesetzt, da eine Palmölplantage nach der Brandrodung auch wesentlich weniger Kohlenstoff speichern kann als ein Naturwald.

Palmöl spielt allerdings auf dem deutschen Biokraftstoffmarkt keine Rolle: Bei niedrigen Temperaturen wird Biodiesel aus Palmöl fest und scheidet als Kraftstoff in Mittel- und Nordeuropa aus. Palmöl entspricht nicht den technischen Normen für Biodiesel. Die Arbeitsgemeinschaft Qualitätsmanagement Biodiesel (AGQM) hat seit Beginn ihrer unangekündigten Proben bei deutschen Biodieselproduzenten 2004 kein Palmöl gefunden.

 

Quellen

 

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: Erneuerbare Energien in Zahlen. Berlin 2008.

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: Entwurf der Biomasse-Nachhaltigkeitsverordnung, Dezember 2007.

Centrum für Energietechnologie Brandenburg (CEBra): Bioenergie am Scheideweg. Tagungsband. Cottbus 2007.

Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe: Biokraftstoffe – eine vergleichende Analyse. Gülzow 2006.

Institut für Energetik und Umwelt: Kosten und Ökobilanzen von Biokraftstoffen. Leipzig 2007.

Jensen, Dierk: Power mit Palmöl? In: Neue Energie, 4/2007, S. 53-55.