deutsch | english
Länderprofile > Brandenburg 

Feldheim in Brandenburg - Ein Dorf macht sich unabhängig.

Wenn alles klappt, ist dieser Winter in Feldheim der letzte mit Heizöl. „Wir machen hier einen Schritt nach dem anderen“ sagt Andreas Backofen. Der Ingenieur ist zuständig für das Projekt „energieautarke Gemeinde Feldheim“. „Am Ende wollen wir das Dorf komplett mit Strom und Wärme aus Erneuerbaren Energien versorgen. Die Energiepreise werden dann vor Ort gemacht und die Bürger können mitreden“. Sein Unternehmen, die Energiequelle GmbH, will Feldheim in den nächsten Jahren unabhängig von Kohle, Öl und Gas machen. Als erstes ist die Heizung dran. Ab nächstem Jahr soll die Wärme für das Dorf aus der neuen Biogasanlage kommen. Sie ging im Oktober in Betrieb und soll neben den Einfamilienhäusern auch die Schweinemast versorgen. Der Clou: die Gülle aus der Schweinemast wird gleich wieder in die Biogasanlage gekippt, hinzu kommen Rindergülle und Mais von umliegenden Landwirten. Bei großer Kälte springt ein Holzhackschnitzel-Kraftwerk ein. Für die Beteiligung von 3000 Euro erhält jedes Haus einen Anschluss an das neue Nahwärmenetz. „Wir haben 39 von 40 Familien überzeugt, sich an der Betreibergemeinschaft zu beteiligen“ freut sich Backofen. „Es gib nur eine Ausnahme: ein Neubau mit Erdwärmesonde“ fügt er hinzu. „Was können wir da sagen? Die sind ja schon autark.“ Im Moment laufen die Vorbereitungen für die Verlegung der Nahwärmeleitungen, ab März nächsten Jahres könnten die Erdarbeiten beginnen.

Der nächste Schritt soll der Aufbau eines eigenen Stromnetzes sein. „Das ist ungleich aufwändiger – aber unser Ziel ist es, in Feldheim und darüber hinaus unseren eigenen Strom anzubieten“ sagt Herr Raschemann, Geschäftsführer der Energiequelle GmbH. Sein Unternehmen hat vor zehn Jahren mit der Projektierung von Windparks angefangen. Mehr als 440 Windenergieanlagen hat es bisher weltweit errichtet. Kürzlich wurde das Geschäftsfeld um Solarenergie und Biogas erweitert. Seit Anfang Oktober entsteht auf einem ehemaligen Militärgelände ein Solarpark der Energiequelle mit 96 Photovoltaik-Anlagen. Jedes der Solarkraftwerke hat mit 60 Quadratmetern die Grundfläche einer Zweizimmer-Wohnung. Die Module werden von einer Stahlkonstruktion mit integriertem Motor getragen. Damit bringt sich jede Anlage automatisch in den optimalen Winkel zur Sonne.

Seit Anfang Jahres stellt das Unternehmen die Photovoltaikgestelle selbst her. „Es gibt zwar schon eine Reihe Nachführsysteme auf dem Markt, die sind aber oft schwer zu warten und nicht stabil genug, mindestens 20 Betriebsjahren zu trotzen. Deshalb haben wir beschlossen, unsere eigenen EQ-Mover zu produzieren“ erläutert Raschemann diese Entscheidung. Die Fabrik steht in Feldheim und wird mit dem Strom der firmeneigenen Windenergieanlagen versorgt.

Michael Knape ist stolz auf Feldheim. Er ist Bürgermeister des brandenburgischen Städtchens Treuenbrietzen, zu dem der Ort gehört. Die Stadt hat die militärische Konversionsfläche für den neuen Solarpark zur Verfügung gestellt und für das Projekt „Bäume weggeräumt“, wie Knape es nennt. „Wir haben die Chancen erkannt, die hinter den Erneuerbaren Energien stehen. Wir haben aber auch immer auf den wirtschaftlichen Hintergrund geachtet – es soll sich schließlich rechnen für alle Beteiligten.“ Wenn Herr Knape „wir“ sagt, dann spricht er ganz selbstverständlich von der Stadt und von der Energiequelle. Das Unternehmen hat ein drittes wirtschaftliches Standbein für die Region geschaffen. Neben dem Metallverarbeitungswerk der Kohl-AG und dem Johanniter-Krankenhaus sorgen die Erneuerbaren Energien für Arbeitsplätze und für Aufträge an lokale Handwerker und Bauunternehmen. Die Idee für die „energieautarke Gemeinde“ entstand 2005, da haben sich Bürgermeister und der Geschäftsführer der Energiequelle GmbH zum ersten Mal zusammen gesetzt, um über mögliche Projekte zu sprechen. Jetzt suchen sie gemeinsam nach Fördermöglichkeiten. „Wir hoffen auf eine Unterstützung von 45 Prozent der Investitionen für das Nahwärmenetz – das ist immer noch Neuland“ sagt Knape. Er kann sich gut vorstellen, langfristig auch die Südstadt von Treuenbrietzen in das Wärme- und Stromnetz zu integrieren, der Energiebedarf der Häuser und Gewerbestandorte wurde bereits ermittelt. Ein Schulungsbereich soll hinzu kommen und Feldheim zu einem Energiekompetenzzentrum machen. „Aber wir bringen erst eine Sache zu Ende und fangen dann das Nächste an“, sagt Bürgermeister Knape. Unabhängigkeit erreicht man nur Schritt für Schritt.

Text und Fotos: Undine Ziller