Baden-Württemberg:
In der Untersuchung „Best Practice für den Ausbau ErneuerbarerEnergien“ belegt Baden-Württemberg den ersten Platz in der Kategorie „Erneuerbare Wärme“. Das Land ist bei der Förderung von Heizungsanlagen auf Basis von Holz sowie Solar- und Erdwärme ambitionierter Vorreiter.
Angesichts hervorragender natürlicher und wirtschaftlicher Voraussetzungen wie hohe Sonneneinstrahlung, hoher Anteil an forst- und landwirtschaftlichen Flächen, Vielzahl für Wasserkraft nutzbare Gewässer, guter geothermischer Beschaffenheit und Windverhältnisse, kann die Nutzung Erneuerbarer Energien in Baden-Württemberg noch wesentlich ausgebaut werden.
Interview mit der baden-württembergischen Umweltministerin Tanja Gönner

- Baden-Württembergs Umweltministerin Tanja Gönner (CDU)
„Bei Neubauvorhaben sind erneuerbare Energien Standard geworden“
Frau Gönner, Baden-Württemberg hat den "Leitstern 2008" in der Kategorie Wärme gewonnen. Worauf führen Sie diesen Erfolg zurück?
Gönner: Erst mal freuen wir uns natürlich, dass wir mit dem Preis ausgezeichnet werden, weil damit einmal mehr bestätigt wird, dass wir einen erfolgreichen Weg eingeschlagen haben. Der Sektor der Wärmeversorgung ist bislang nur unzureichend für den Klimaschutz mobilisiert. Die bestehenden Förderanreize alleine haben nicht die notwendige Dynamik ausgelöst. Es ist uns in Baden-Württemberg gelungen, davon zu überzeugen, dass wir zusätzliche Impulse brauchen. Der mit dem Erneuerbare-Wärme-Gesetz verfolgte ergebnisorientierte und technologieoffene Ansatz fand nicht nur innerhalb der Regierungskoalition die notwendige Zustimmung, sondern wurde im Landtag auch von der Grünen-Opposition unterstützt.

- Späne aus dem Sägewerk werden zu Holzpellets veredelt.
„Wir rechnen mit besonders spitzem Bleistift“
Das Rattern der meterhohen Maschinen ist ohrenbetäubend. Christian Wangler muss fast schreien, um sich Gehör zu verschaffen. „Hier veredeln wir unsere Sägenebenpodukte und unsere Abwärme“, sagt der Betriebsleiter der Dold Holzwerke im badischen Buchenbach, und deutet mit einer halbkreisförmigen Handbewegung auf die hallenfüllende Anlage ringsum. Aus naturbelassenen Sägespänen, die bei der Produktion von Brettern und Balken in der Sägerei reichlich anfallen, wird hier ein zukunftsträchtiger, hochwertiger Brennstoff gewonnen: Holzpellets.
„So können wir den gesamten Baumstamm komplett verwerten“, beschreibt Wangler das integrierte Energie- und Nutzungskonzept bei Dold. „Unser Kerngeschäft ist das Sägeholz. Rinde und Verschnitt werden zu Holzhackschnitzeln verarbeitet. Diese gehen zum Teil in die Zellstoffindustrie, zum Teil aber auch in unser eigenes Heizkraftwerk.“ Damit decken die traditionsreichen Holzwerke ihren eigenen Energiebedarf und speisen darüber hinaus noch Strom ins öffentliche Netz ein. 1,2 Megawatt Leistung bringt das umweltfreundliche Kraftwerk – und vermeidet dank seines klimaneutralen Brennstoffs die Emission von rund 17.000 Tonnen CO2 pro Jahr. „Die Sägespäne aber“, ruft Wangler neben einem etwa 20 Meter langen und sechs Meter breiten, dröhnenden Kasten, „werden hier in unserer Bandtrockenanlage mit der Abwärme aus dem Kraftwerk getrocknet, dann gemahlen und in zwei Pelletieranlagen zu Pellets gepresst. Und zwar in Premiumqualität, die sogar den DINplus-Standard übertrifft.“ Gut 30.000 Tonnen erstklassige Holzpellets aus dem Schwarzwald werden so pro Jahr erzeugt – und finden reißenden Absatz. Christian Wangler ist zufrieden: „Der Markt entwickelt sich, wir verzeichnen einen deutlichen Zuwachs.“
Interview mit Christiane Wodtke, geschäftsführende Gesellschafterin wodtke GmbH, Tübingen

- Pionierin der Pelletsbranche: Christiane Wodtke
„Deutliches Süd-Nord-Gefälle im deutschen Wärmemarkt“
Frau Wodtke, Baden-Württemberg hat den "Leitstern 2008" in der Kategorie Wärme gewonnen. Zu Recht?
Wodtke: Natürlich zu Recht. Baden-Württemberg hat in Sachen Erneuerbare Wärme eine bundesweite Vorreiterrolle eingenommen. Die baden-württembergische Politik trägt das Thema Umweltschutz voran, auch unter dem Gesichtspunkt, dass Ökologie und Ökonomie zusammen gehören. Aber auch die baden-württembergische Unternehmerschaft hat ihre Chancen rechtzeitig erkannt.




