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Biomassestandort Schleswig-Holstein

Neben der Windenergie ist die Energiegewinnung durch Biomasse das zweite große Standbein der Erneuerbaren-Energien-Branche in Schleswig-Holstein. Dank einer kontinuierlichen Verfügung von Wasser und fruchtbaren Böden zählt die Gegend zu den ertragreichsten Gebieten der Erde.

Biomasseheizkraftwerk Flensburg

Ein weiterer Schritt zum Energiestandort wurde Ende Oktober 2008 in Flensburg getan. Der Wirtschaftsminister Schleswig-Holsteins, Dr. Werner Marnette, weihte eines der bundesweit größten Biomasseheizkraftwerke ein, im dem ausschließlich aus Abfällen der städtischen Landschaftspflege Strom und Wärme erzeugt werden. In einem Joint-Venture haben die Flensburger Stadtwerke GmbH, eine 100-prozentige Tochter der Stadt Flensburg und die Glückstädter Novus Energy GmbH das 24 Millionen Euro teure Projekt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Brunsbütteler Total Bitumenwerk verwirklicht. Die Nachbarschaft ist nicht zufällig gewählt. Total bezieht Prozessdampf aus dem Kraftwerk und der Strom wird ins Netz eingespeist. Zehn Arbeitsplätze sind neu entstanden. Die Anlage, die durch die Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen kohlendioxid-neutral ist, hat eine Leistung von 18 Megawatt thermischer Leistung und 7,5 Megawatt elektrischer Leistung. Die Anlagenleistung ist ausreichend für die Beheizung von über 7.000 Haushalten und gleichzeitiger elektrischer Versorgung von gut 13.000 Haushalten.

Kompetenzzentrum Biomassenutzung

Regionale Wirtschaft und Forschung arbeiten in Schleswig-Holstein eng an neuen Lösungen für eine nachhaltige und effiziente Nutzung der Biomasse. Besonders der Wissenstransfer steht im Vordergrund der Zusammenarbeit. So können theoretische Fragestellungen praxisnah bearbeitet werden. Gebündelt sind die Forschungsanstrengungen im Kompetenzzentrum Biomassenutzung. Gefördert von der Landesregierung ist das Kompetenzzentrum ein Zusammenschluss von fünf Hochschulen in Schleswig-Holstein, das in erster Linie an besseren Verfahrens- und Anwendungsmöglichkeiten forscht. „Wie können wir die Nahrungsmittelproduktion und die Energiegewinnung im Bereich der Biomasse in Einklang bringen? Das ist die große Frage“, stellt der Sprecher des Kompetenzzentrum Biomassenutzung, Prof. Dr. Urban Hellmuth, fest. Dafür werden in den Bereichen der Umweltfolgeschäden, Verbesserungen von Biomasseanlagen und Pflanzenzucht geforscht. Und dass international gesehen die Forschung noch in der Pionierphase steckt, daran lässt Prof. Dr. Urban Hellmuth keinen Zweifel: „Verglichen mit der Autoindustrie befinden wir uns erst in den 1920er Jahren, also erst in den Anfängen der Entwicklung. Zurzeit ist noch alles Basisarbeit.“ Um weiterhin auf dem Weltmarkt der Konkurrenz immer einen Schritt voraus zu sein, hat für Prof. Dr. Urban Hellmuth die Forschung im Bereich der Biomassenutzung eine besondere Bedeutung: „Wenn wir weiter die führende Technologiekompetenz weltweit behalten wollen, müssen wir weiter forschen.“ Das ist die Grundvoraussetzung für eine leistungsstarke Industrie und einen zukunftsfähigen Standort.