Thüringen
Im Bundesländervergleich belegt Thüringen nach Brandenburg den zweiten Platz und ist gleichzeitig Sieger im Bereich „Aufsteiger“. Mit dem 2. Platz in der Gesamtwertung ist Thüringen im Vergleich zum vorhergehenden Ranking erheblich aufgestiegen - 2008 hatte es Platz zehn erreicht.
Auszeichnung „Leitstern 2010“: Thüringen führt – gleichauf mit Bayern – bei den dynamischen Erfolgsfaktoren, d.h. bei der Zunahme der Anteile Erneuerbarer Energien an der Energiebereitstellung sowie bei der Zunahme der installierten Leistung in einzelnen Sparten. Da Thüringen auch in der Gesamtwertung am meisten zugelegt hat – von Platz zehn auf Platz zwei – erhält es den „Leitstern 2010“ in der Kategorie „Aufsteiger“.
Thüringen hat im Vergleich zum Bundesländervergleich 2008 vor allem bei den energiepolitischen Maßnahmen und Zielen zugelegt (1A). Mit ambitionierten Zielen (30 % Erneuerbare Energien bis 2020) und seiner aktuellen Klima- und Energiestrategie ist das Bundesland in diesem Bereich vom vorletzten Rang auf Platz 4 geklettert. In Thüringen erreichen die Erneuerbaren Energien außerdem bereits hohe Anteile an der Strom- und Wärmeversorgung (2A), hier erzielt das Bundesland sogar den ersten Platz.
Allgemeine Landesinformationen:
Thüringen ist gemessen an der Fläche das kleinste der neuen Bundesländer - von Berlin abgesehen. Gemessen an der Zahl der Einwohner und der Höhe des Bruttoinlandsprodukts ist es vor Mecklenburg-Vorpommern das zweitkleinste Land in Ostdeutschland.
Die Energieversorgung beruht stark auf Erdgas. Die eigene Stromerzeugung ist relativ gering, die Stromimporte machen 14 Prozent des Primärenergieverbrauchs aus.
- Flash ist Pflicht!
Die Bundesländer-Vergleichsstudie 2010 bescheinigt Thüringen folgende Stärken:
- Energiepolitische Programmatik und Ausbauziele: Hier gehört Thüringen zur Spitzengruppe der Bundesländer (Platz 2 und 3). Bei den konkreten Maßnahmen liegt das Bundesland allerdings im Mittelfeld (z.B. bei Förderprogrammen und Informationsangeboten) oder sogar am unteren Ende des Rankings, z.B. bei rechtlichen Vorgaben im Wärmebereich und bei der Vorbildfunktion, wie der Versorgung landeseigener Gebäude mit Ökostrom, Holzheizungen oder Solaranlagen.
- Landespolitik: Die Branchenverbände bewerten die Landespolitik für Erneuerbare Energien allgemein positiv (Platz 2). Spezifisch guten Bewertungen zur Solarenergie (Rang 1)
- gemeinsam mit Baden-Württemberg, Berlin, Bremen und Saarland) und zur Bioenergie (Rang 1 gemeinsam mit Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz) steht allerdings eine schlechte Bewertung zur Windenergie gegenüber (letzter Platz mit 5 weiteren Ländern).
- Nutzung Erneuerbarer Energien (1A): Thüringen belegt hier den ersten Platz bezogen auf sein Potenzial und seine Zubaudynamik (2008: Rang 3). Vorn liegt das Bundesland beim Anteil und beim Zubau Erneuerbarer Energien in Bezug auf den Endenergieverbrauch (Rang 1) ebenso wie in Bezug auf den Primärenergieverbrauch und die Nettostromerzeugung (je Rang 2). Das liegt auch zum Teil am vergleichsweise niedrigen Energieverbrauch pro Einwohner.
- Bioenergie: Beim Ausbaustand und der Zunahme der Bioenergienutzung weist Thüringen ebenfalls Erfolge auf, z.B. bei der Stromerzeugung aus Biogas (Rang 1) und aus Biomasse (Rang 5) sowie bei der Entwicklung der Biomasseleistung in den vergangenen Jahren.
- Wirtschaftspolitik: Thüringen setzt wirtschaftspolitisch auf Erneuerbare Energien, was sich in guten Platzierungen bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung bezogen auf das BIP (Rang 4) und beim Anteil der Studiengänge widerspiegelt (Rang 6).
- Beschäftigte und Infrastruktur: Von den rund 50.000 Unternehmen in Thüringen gehören 627 Unternehmen zur Branche der Erneuerbaren Energien (Rang 6). Darunter sind zahlreiche Solarfirmen, was sich in der Zahl der Photovoltaik-Arbeitsplätze widerspiegelt (2007: 2375). Gemessen an allen Beschäftigten liegt Thüringen hier nach Sachsen-Anhalt auf dem 2. Platz. Auch bei Stellenanzeigen (Rang 5) und Bioethanol-Tankstellen (Rang 2) verzeichnet das Bundesland Erfolge.
Sonderauswertung dynamische Erfolgsfaktoren: Für die Bewertung der Bundesländer ist nicht nur der Status Quo entscheidend. Auch die Entwicklung der vergangenen Jahre zählt. Schließlich ist die Geschwindigkeit des Ausbaus Erneuerbarer Energie ein entscheidender Faktor, um rechtzeitig dem Klimawandel zu begegnen und um sich als Standort Frühstartervorteile zu sichern. Ein langsamer Umbau der Energieversorgung hingegen verschleppt die Probleme der Importabhängigkeit, der Verknappung von Ressourcen und letztlich des Preisanstiegs fossiler Energien. Deshalb wurden dynamische Indikatoren gesondert ausgewertet und mit einer Preiskategorie versehen. Sie zeigen, wie sich der Anteil Erneuerbarer
Energien an der Energiebereitstellung und die installierte Leistung einzelner Sparten entwickelt haben. Bei dieser Sonderauswertung liegt Thüringen gleichauf mit Bayern auf dem ersten Platz. Da Thüringen zudem in der Gesamtwertung vom zehnten auf den zweiten Platz geklettert ist, wird es mit dem „Leitstern 2010“ in der Kategorie „Aufsteiger“ ausgezeichnet.
Im Bundesländervergleich liegt Thüringen in folgenden Punkten hinten:
- Unzureichende Förderprogramme: Ungeachtet der politischen Zielsetzungen schneidet Thüringen bei konkreten Fördermaßnahmen mittelmäßig ab (z.B. Förderprogramme und Informationsangebote je Rang 11) bzw. liegt auf hinteren Plätzen (z.B. Vorbildfunktion des Landes – Rang 12, Landesenergieagentur – Rang 14, ordnungsrechtliche Vorgaben im Wärmebereich – Schlusslicht gemeinsam mit 6 anderen Ländern).
- Windenergie vernachlässigt: Bei der Verbändebewertung der Landespolitik im Windbereich liegt Thüringen gemeinsam mit Berlin, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen auf dem letzten Platz. Kritisiert werden hier unter anderem restriktive Ausweisungen in der Regionalplanung sowie hinderliche Höhenbegrenzungen und Abstandsregelungen. Beim Ausbau der Windenergie liegt Thüringen auf mittleren Rängen: bei der Stromerzeugung bezogen auf das Windpotenzial erreicht es Platz 11, beim relativen Zubau zwischen 2005 und 2009 Platz 9.
Fazit der Forscher (DIW / ZSW):
„Die Position von Thüringen im Bundesländervergleich hat sich vor allem deshalb erheblich verbessert, weil dort Erneuerbare Energien rasch hohe Verbrauchs- bzw. Erzeugungsanteile erreicht haben. Es bestehen in Thüringen allerdings in allen Sparten noch große Potenziale für eine verstärkte Nutzung Erneuerbarer Energien. Dies gilt nicht zuletzt auch für eine stärkere Windenergienutzung. Als Hemmnisse werden hier genannt: Höhenbegrenzungen durch Änderungen des Landesentwicklungsplans von 2009, fehlender Vorrang für EE im Landesentwicklungsplan, zu anspruchsvolle arten- und naturschutzrechtliche Abstandsempfehlungen, Überbewertung des Denkmalschutzes, veraltete Planungsinstrumente in der Regionalplanung, zu geringe Ausweisung von Vorrangflächen und Streichung bestehender Vorranggebiete in Regionalplanentwürfen.
Neben der Prüfung und Verminderung solcher Hemmnisse sollten in Thüringen auch weitere Maßnahmen zur Nutzung Erneuerbarer Energien verstärkt werden, damit die ambitionierten Ziele für 2020 erreicht werden können. Darüber hinaus könnte sich die Landesregierung noch verstärkt im Bereich Forschung und Bildung engagieren und den wirtschaftlichen Wandel in Thüringen als Produktionsstandort für EE-Branchen beschleunigen.“





