Mit wenig Geld und viel Geschick die Energiewende schaffen

Mit wenig Geld und viel Geschick die Energiewende schaffen

Die „Energie-Kommune“ Hattersheim setzt auf Ökostrom, Infrastruktur und das Baugesetz

Berlin, 31. Januar 2012. Die hessische Stadt Hattersheim ist für ihr Engagement als „Energie-Kommune“ des Monats Januar 2012 ausgezeichnet worden. Mit diesem Titel würdigt die Agentur für Erneuerbare Energien vorbildliche kommunale Energieprojekte und stellt sie auf dem Infoportal www.kommunal-erneuerbar.de ausführlich vor.

„Die finanzielle Ausstattung der Stadt setzt unserem Handlungsspielraum enge Grenzen. Daher mussten wir andere Wege finden, um die Energiewende vor Ort zu schaffen.“ Karin Schnick, Erste Stadträtin und Umweltdezernentin der südhessischen Stadt Hattersheim, steckte beim Thema Ausbau der Erneuerbaren Energien nicht den Kopf in den Sand. Dabei sind auch die Potenziale der Sechsundzwanzigtausendeinwohnerstadt am Main begrenzt und schwer zu erschließen: „Wir befinden uns hier in dicht besiedeltem Raum. Die Flächen für Windenergie oder Energiepflanzenanbau sind bei uns einfach nicht vorhanden.“

Um trotzdem etwas für den regionalen Ausbau zu tun, begann die Kommune die Energieinfrastruktur zu rekommunalisieren und wechselte zu einem Ökostrom-Anbieter für die Versorgung der kommunalen Liegenschaften. Außerdem setzt die Stadt baugesetzliche Vorschriften ein, um Projekte der Erneuerbaren Energien zu fördern.

Schon früh erkannten die Hattersheimer, dass eine dezentrale Versorgung auch mit Erneuerbaren Energien, über Strom- und Nahwärmenetze möglich ist, die aus kleinen Blockheizkraftwerken gespeist werden. Als die Stadt im Zuge der Liberalisierung des Strommarkts anfing, die energetischen Versorgungsnetze der Stadt zu rekommunalisieren, stieß dies beim zuständigen Energieversorger Süwag, einer Tochter der RWE, auf Widerstand. „Aus dem Streit hat sich aber mittlerweile ein richtig gutes Arbeitsverhältnis entwickelt“, resümiert Stadträtin Schnick. Derzeit sind 600 Wohneinheiten an das Areal- und das Nahwärmenetz angeschlossen.

Ein Anfang war gemacht, aber das Ziel noch nicht erreicht. „Gerade bei einem angespannten Haushalt muss man als Kommune kreativ mit Vorschriften umgehen, um die Energiewende vor Ort möglich zu machen“, erklärt Stadträtin Schnick mit spürbarer Begeisterung. „Über den Bebauungsplan üben wir sanften Druck auf große, gewerbliche Bauvorhaben aus.“ Der Bebauungsplan der Stadt Hattersheim schreibt die Dachbegrünung nach dem Baugesetzbuch vor und bietet gleichzeitig die Ausnahmeregelung, dass auf eine Dachbegrünung zugunsten der Errichtung von Photovoltaikanlagen verzichtet werden kann.

Um nicht nur das Gewerbe beim Ausbau der Erneuerbaren einzubeziehen, sondern auch auf das Potenzial der Hattersheimer Bürger zu setzen, bietet die Stadt Beteiligungsmöglichkeiten an Solarprojekten auf kommunalen Dächern. Das entlastet außerdem die Stadtkasse, denn die Stadt profitiert von den eingesparten Investitionskosten und den Pachteinnahmen durch die Vermietung der Dachflächen. Durch die bisher errichteten Anlagen werden jährlich 120 Megawattstunden Strom bereitgestellt. Damit werden schon knapp 13 Prozent des Stromverbrauchs der städtischen Liegenschaften vor Ort produziert.

„Das Beispiel Hattersheim zeigt, dass es beim Engagement für die Energiewende vor Ort nicht nur auf den Füllstand der Stadtkasse und einfach zu erschließende Flächen ankommt“, meint Philipp Vohrer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energie. „Auch Ballungsräume können durch intelligente Infrastrukturmaßnahmen und Vorgaben im Bebauungsplan Projekte vor Ort realisieren“, so Vohrer mit Blick auf das Beispiel Hattersheim.

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Kontakt:
Agentur für Erneuerbare Energien
Reinhardtstr. 18
10117 Berlin
Benjamin Dannemann
Tel.: 030-200535-47
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Mail: b.dannemann@unendlich-viel-energie.de