Mehr Energiesicherheit: Erneuerbare Energien reduzieren Importrisiko

Mehr Energiesicherheit: Erneuerbare Energien reduzieren Importrisiko

Berlin, 8. März 2011. Etwa die Hälfte der deutschen Erdölimporte stammt aus krisenanfälligen Staaten. Ob Russland, Nigeria oder aktuell Libyen – internationale Vergleichsstudien bescheinigen diesen Ländern politische Konflikte, Korruption und Unfreiheit. Der „Political Instability Index“ des britischen Wochenmagazins „The Economist“ hat beispielsweise das Krisenpotenzial in 165 Staaten untersucht. In zehn der zwanzig weltweit führenden Erdölexporteure wird das Risiko sozialer und politischer Unruhen als hoch bis sehr hoch eingestuft. Dass selbst Länder, die der Index als stabil kennzeichnet plötzlich zur Krisenregion werden können, zeigt das Beispiel Libyen.

Auch in den Rankings der Nichtregierungsorganisationen Transparency International und Freedom House belegen viele Zulieferländer Deutschlands hintere Plätze. Neun der fünfzehn wichtigsten Bezugsländer gelten als unfrei, d.h. sie verweigern freie Wahlen, Meinungsfreiheit und politische Rechte. Hinzu kommen hohe Werte bei Korruption und Intransparenz. Eine aktuelle Untersuchung der Agentur für Erneuerbare Energien fasst Risiken der Energieversorgung zusammen und zeigt, welchen Beitrag Erneuerbare Energien zur Energiesicherheit leisten.

“Der drohende Bürgerkrieg in Libyen und die Umwälzungen in der arabischen Welt müssen uns darin bestärken, die dezentralen Erneuerbaren Energien weiter auszubauen,“ sagt Prof. Dr. Friedbert Pflüger, Direktor des European Centre for Energy and Resource Security am King's College London anlässlich der Vorstellung der Studie. „Und dazu gehört es auch, den Beitrag der Biokraftstoffe nachhaltig zu erhöhen – also ohne negative Rückwirkungen auf die Nahrungsmittelversorgung“, so Pflüger mit Blick auf die aktuelle Debatte um den Kraftstoff E10. Im Ganzen ginge es, so Pflüger, um eine "Quadriga der Energiepolitik" aus Versorgungssicherheit, Klimaverträglichkeit, Wettbewerbsfähigkeit und Akzeptanz in der Bevölkerung.

Derzeit werden 97 Prozent des deutschen Erdölverbrauchs importiert. Der Anteil Erneuerbarer Energien am gesamten Strom-, Wärme- und Kraftstoffverbrauch liegt aktuell bei etwa 10,5 Prozent. Im vergangenen Jahr haben sie nach Berechnungen des Bundesverbands Erneuerbare Energie Importe von rund 7,5 Mio. Tonnen Erdöl, 12 Mrd. Kubikmeter Erdgas und 20 Mio. Tonnen Steinkohle vermieden.

 

Tabelle: Woher stammen die deutschen Erdölimporte?

Land

Anteil am deutschen Erdöl-import %

Anteil am weltweiten Erdölexport  %

Politische Instabilität

7 = hoch

1 = niedrig

Gewährung politscher Freiheiten

 

Korruptionsindex

1 = hoch

10 = niedrig 

 

Russland

36,3

12,1

6,5

unfrei

2,1

Großbritannien

14

2,2

4,6

frei

7,6

Norwegen

9,5

4,6

1,2

frei

8,6

Kasachstan

8,7

3,3

4,8

unfrei

2,9

Libyen

7,8

2,9

4,3

unfrei

2,2

Nigeria

4,2

5,3

7,0

teilweise frei

2,4

Aserbaidschan

4

2,0

5,2

unfrei

2,4

Syrien

2,9

k.A.

5,8

unfrei

2,5

Dänemark

2,1

k.A.

2,2

frei

9,3

Iran

1,6

5,5

6,2

unfrei

2,2

Venezuela

1,3

3,9

7,3

teilweise frei

2,0

Algerien

1,1

1,8

6,6

unfrei

2,9

Ägypten

1,1

k.A.

5,4

unfrei

3,1

Saudi-Arabien

0,8

15,3

6,1

unfrei

4,7

Brasilien

0,8

1,0

5,4

frei

3,7

Quelle

BAFA, 2011

BGR, 2010

Economist Intelligence Unit, 2010

Freedom House, 2011

Transparency International, 2010

 

 

Kontakt:

Undine Ziller
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Agentur für Erneuerbare Energien
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10117 Berlin
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