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Marktentwicklung Geothermie in Deutschland 2009

Im Jahr 2009 stieg der Beitrag der Erdwärme zur Wärmebereitstellung auf knapp 5 Mrd. Kilowattstunden (kWh). Rund 170 Anlagen zur Wärmebereitstellung aus Tiefengeothermie waren 2009 in Betrieb. Die Zahl der Erdwärmepumpen stieg mit 54.800 neu installierten Anlagen auf insgesamt über 400.000. Die Stromerzeugung erhöhte sich durch die Inbetriebnahme neuer Anlagen in Deutschland auf 19 Mio. kWh. Der Gesamtumsatz der Geothermie-Branche (Betrieb und Neuinvestitionen) lag 2009 bei 1 Mrd. Euro. Die Zahl der Beschäftigten verringerte sich im Vergleich zum Vorjahr geringfügig auf 9.300 Beschäftigte.

 

Marktentwicklung für Strom aus Geothermie

Die Stromerzeugung aus Geothermie liefert den bisher geringsten Beitrag zur Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien in Deutschland. Der Anteil geothermischen Stroms am Bruttostromverbrauch Deuschlands lag 2009 bei unter 0,1 Prozent. Im Jahr 2009 erzeugten insgesamt sechs geothermische Kraftwerke Strom (Neustadt/Glewe, Landau, Unterhaching, Bruchsal, Simbach/Inn, Groß Schönebeck). Die installierte Leistung betrug 6,6 bis 8,1 Megawatt (MW). Zwar bestehen in Deutschland bereits langjährige Erfahrungen mit dem Betrieb geothermischer Kraftwerke für die Wärmeversorgung, doch wurde erst mit der Aufnahme der geothermischen Stromerzeugung in das Erneuerbare-Energien-Gesetz von 2004 Investitionssicherheit auch für Strom aus Erdwärme geschaffen. Die Stromerzeugung aus den nun sechs geothermischen Kraftwerken stieg von 17,6 Mio. kWh im Jahr 2008 auf 19 Mio. kWh im Jahr 2009. Mehrere Projekte für die Stromerzeugung mit geothermischen Kraftwerken werden vorangetrieben, insbesondere in Süddeutschland.  

 

Die Leitstudie des Bundesumweltministeriums zum Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland erwartet eine Steigerung der installierten Leistung geothermischer Kraftwerke auf 100 MW bis 2015 und auf 280 MW bis 2020. Die Stromerzeugung aus Geothermie soll dann auf 1,8 Mrd. kWh steigen. Die Ausbauprognose der Erneuerbare-Energien-Branche hält unter den gegebenen Rahmenbedingungen einen Ausbau auf über 600 MW bis 2020 möglich, womit eine Stromerzeugung von knapp 4 Mrd. kWh erreicht werden könnte.

 

Dieser positive Trend wurde maßgeblich durch die Erfolge der drei Pilotprojekte sowie durch die Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) unterstützt. Das EEG schafft mit dem für 20 Jahre festgesetzten Einspeisetarif für jede erzeugte Kilowattstunde Strom aus Geothermie die notwendige Investitionssicherheit für Projektplaner. Die EEG-Novelle 2009 hat mit einer Anhebung der Vergütung auf 16 ct/kWh (bis 10 MW installierte Leistung) bzw. 10,5 ct/kWh (Anlagen mit mehr als 10 MW installierter Leistung) einen Anreiz für weitere Investitionen geschaffen. Anlagen, die bis Ende 2015 in Betrieb genommen werden, erhalten zusätzlich einen neu eingeführten Frühstarter-Bonus von je 4 ct/kWh.

 

Dennoch schafft die Höhe der EEG-Vergütungen nach Einschätzung des Berichtes der Bundesregierung zur Förderung der Geothermie vom März 2009 nicht die vergleichbaren Anreizwirkungen wie z.B. beim Bau von Windenergieanlagen. Gründe sind die hohen Bohr- und Fündigkeitsrisiken sowie die höheren Wirtschaftlichkeitsrisiken der noch jungen Technologie. Um dennoch Planungssicherheit zu schaffen und Zurückhaltung bei Kapitalgebern abzubauen, hat die bundeseigene KfW-Bankengruppe im Rahmen des Marktanreizprogramms für Erneuerbare Energien zusätzliche Fördermittel für geothermische Bohrungen bereitgestellt. Seit Februar 2009 können unter bestimmten Bedingungen Darlehen in der Höhe von bis zu 80 % der Bohrkosten in Anspruch genommen werden. Sollte eine Nichtfündigkeit festgestellt werden, müssten ab diesem Zeitpunkt auch keine Mittel mehr zurückgezahlt werden. Die Bundesregierung hofft, somit 35 bis 40 Geothermieprojekt mit einem Investitionsvolumen von bis zu 400 Mio. Euro anstoßen zu können.

 

Weitere Hemmnisse für die Entwicklung des Marktes sind die hohen Kosten für die knappe Bohrtechnologie, der Fachpersonalmangel und der Mangel an verallgemeinerungsfähigen Vergleichsdaten.

 

 

Marktentwicklung für Wärme aus Geothermie

Sowohl die oberflächennahe Geothermie (bis zu 400 m Tiefe) als auch die Tiefengeothermie liefern Beiträge zur Wärmebereitstellung. Diese stieg von insgesamt 4,6 Mrd. kWh im Jahr 2008 auf knapp 5 Mrd. kWh im Jahr 2009 an. Der gesamte deutsche Verbrauch von Raumwärme, Warmwasser und sonstige Prozesswärme lag 2007 bei rund 1.350 Mrd. kWh. Zum Vergleich: Das Potenzial ausschließlich der hydrothermalen Geothermie wird auf jährlich ca. 300 Mrd. kWh geschätzt. Das Potenzial ausschließlich der oberflächennahen Erdwärmenutzung beträgt - bei Berücksichtigung aller geeigneten Flächen - jährlich rund 261 Mrd. kWh.

 

Nur ein geringer Anteil der geothermischen Wärmebereitstellung stammt aus Tiefengeothermie. Das Bundesumweltministerium schätzt die Wärmebereitstellung aus Tiefengeothermie im Jahr 2009 auf 291 Mio. kWh. Der Großteil der ca. 170 Anlagen zur Wärmeversorgung mit Tiefengeothermie lieferte Wärme für Gebäudekomplexe und Thermalbäder. Etwa 34 geothermische Heizkraftwerke speisten 2009 Erdwärme in Nahwärmenetze ein, darunter auch die drei geothermischen Kraftwerke Neustadt-Glewe, Landau und Unterhaching, die in Kraft-Wärme-Koppelung gleichzeitig auch Strom erzeugten. Im Jahr 2008 wurden nach Branchenschätzungen und Angaben des Bundesumweltministeriums rund 20 neue Projekte mit einem Investitionsvolumen von ca. 200 Mio. Euro im Bereich Tiefengeothermie initiiert. Etwa 15 geothermische Heizkraftwerke sind 2009 in Planung und Betrieb gegangen. 

 

Bei der Wärmeerzeugung aus Tiefengeothermie gelten die für die Stromerzeugung beschriebenen wirtschaftlichen Hemmnisse. Im Gegensatz zur kombinierten Strom- und Wärmeerzeugung liegen bei Anlagen zur reinen Wärmeerzeugung aus Tiefengeothermie die Kosten für die Wärmeverteilung deutlich höher. Ca. 70 % der Investitionskosten entfallen auf die notwendige Wärmeverteilung, z.B. durch Nahwärmenetze, während nur noch ca. 30 % der Kosten auf Bohrung und Heizkraftwerk entfallen. Besonders attraktiv sind daher Projekte, die bereits bestehende Nahwärmenetze mit Wärme beliefern können. Die Bundesregierung hat vor diesem Hintergrund die Unterstützung für den Bau von Nahwärmenetzen weiter verstärkt. Dazu tragen die überarbeiteten Förderrichtlinien des Marktanreizprogramms (MAP) vom März 2009 sowie das novellierte Kraft-Wärme-Koppelungsgesetz (KWK-Gesetz) bei.

 

Der größte Anteil der Wärmebereitstellung aus Geothermie stammt aus Erdwärmepumpen, die vor allem in Ein- und Mehrfamilienhäusern für Raumwärme und Warmwasserbereitung eingesetzt werden. Die Zahl der Erdwärmepumpen stieg in Deutschland im Jahr 2009 um 54.800 auf nun rund 400.000 Anlagen. Im Jahr zuvor wurden nur ca. 34.450 Erdwärmepumpen neu installiert. Dieser deutliche Nachfrageschub für Erdwärmepumpen ist auch auf das Inkrafttreten des Erneuerbare-Energien-Wärme-Gesetz am 01. Januar 2009 zurückzuführen. Erdwärmepumpen können kostengünstig zur Deckung des erforderlichen Anteils Erneuerbarer Energien bei Neubauten beitragen. Zudem wird die Anschaffung von effizienten Erdwärmepumpen über das Marktanreizprogramm (MAP) finanziell unterstützt.

 

Im Neubaubereich nutzten 2008 rund 10-20% der Gebäude Erdwärmepumpen. Ein Hemmnis für die stärkere Steigerung der Marktanteile ist jedoch der weitaus größere Gebäudebestand. Ein wirtschaftlich vertretbarer Einsatz von Erdwärmepumpen kommt hier häufig nicht in Frage, wenn auf konventionelle Heizkörper mit hohen Vorlauftemperaturen zurückgegriffen werden muss. Erst in Kombination mit Fußbodenheizungen, die geringere Temperaturen erfordern, ist eine besonders effiziente Nutzung möglich. 

 

Wachstumschancen werden der Bereitstellung von Erdwärme für die Klimatisierung zugerechnet. Weitere Herausforderungen für den Geothermie-Markt sind die Markteinführung von geeigneten Wärmespeichern und die verbesserte Einbindung in die etablierten Wärmeversorgungssysteme.

 

Quellen:

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU): Bericht der Bundesregierung über ein Konzept zur Förderung, Entwicklung und Markteinführung von geothermischer Stromerzeugung und Wärmenutzung. Berlin 2009.

BMU: Innovation durch Forschung. Jahresbericht 2008 zur Forschungsförderung im Bereich der Erneuerbaren Energien. Berlin 2009.

BMU: Bruttobeschäftigung durch Erneuerbare Energien in Deutschland 2009. Berlin 2010.

Bundesverband Geothermie: Geothermie in Zahlen Stand:2010.

 

Weitere Informationen:

GeotIS: Verzeichnis geothermischer Standorte in Deutschland

Geothermische Vereinigung

Bundesverband Wärmepumpe

Wärmewechsel: Einfach sauber heizen.