Erfolgreich vor Ort mit Biogas
Biogas wird in Deutschland dezentral in landwirtschaftlichen Biogasanlagen erzeugt. Importe von Biomasse spielen dabei keine Rolle. Die Biogaserzeugung stärkt so die regionale Wertschöpfung, schließt lokale und regionale Stoffkreisläufe und nutzt Synergien vor Ort. Biogas bietet der Landwirtschaft ein zusätzliches Standbein zur Diversifizierung ihrer wirtschaftlichen Tätigkeiten.
Biogas – effiziente Strom-, Wärme- und Kraftstofferzeugung.
Blockheizkraftwerke (BHKWs) nutzen Biogas für die Strom- und Wärmeerzeugung. Diese gekoppelte Strom- und Wärmeerzeugung - Kraft-Wärme-Koppelung (KWK) - ist besonders effizient. Die Entfernung zu den Verbrauchern überbrücken Strom-, Erdgas-, Mikrogas- oder auch Nahwärmenetze.
Dass besonders große Biogaspotenziale vor allem im dünn besiedelten ländlichen Raum erschlossen werden können, stellt keine Hürde für eine effiziente Biogasnutzung dar. Oft bringt eine gezielte Standortwahl die landwirtschaftlichen Erzeuger und die Wärmeabnehmer zusammen. Ab einer bestimmten Siedlungsdichte und Abnahmemenge lohnt sich auch die Errichtung kleiner, lokal begrenzter Nahwärme- und Mikrogasnetze.
Biogasanlage mit Mikrogas- und Nahwärmenetz: Das Beispiel Steinfurt-Hollich
Die Biogasanlage im münsterländischen Steinfurt-Hollich ist ein Paradebeispiel für die effiziente Nutzung von Biogas mit einem angeschlossenen Mikrogasnetz. Mehr als 40 Landwirte aus dem Umkreis der Anlage haben sich über feste Lieferkontingente vertraglich verpflichtet, die benötigten Rohstoffe zu liefern. Täglich wird die Anlage mit rund 60 t Maissilage, Mist, Gülle und Ganzpflanzensilage „gefüttert“. Die Landwirte nehmen Gärreste zurück und setzen diese als Dünger ein. Direkt an der Biogasanlage steht ein Blockheizkraftwerk (BHKW) bereit, das Strom- und Wärme erzeugt. Das Biogas kann aber auch aufbereitet über eine eigens dafür verlegte Biogasleitung in das 3,5 km entfernte Stadtgebiet geleitet werden. Dort nutzt ein weiteres BHKW das Biogas. Die Wärme heizt das Gebäude der Kreisverwaltung. Überschüsse fließen z.B. im Sommer bei niedrigem Wärmebedarf in ein Nahwärmenetz im Stadtgebiet.
Mittelfristig sehr großes Entwicklungspotenzial hat die Direkteinspeisung von aufbereitetem Biogas in bestehende Erdgasnetze. Biogas wird dazu entschwefelt und „gereinigt“. Dann wird es in das nächstliegende Erdgasnetz eingespeist. So erhöht sich schrittweise der Anteil des CO2-neutralen Biogases am Erdgasmarkt. Noch gibt es aber (rechtliche) Hürden beim Zugang zum Erdgasnetz.
Biogas als Kraftstoff: Das Beispiel Jameln/Wendland
Im Juni 2006 ging die erste Biogas-Tankstelle Deutschlands im wendländischen Jameln an den Start. Erdgasautos können hier aufbereitetes Biogas tanken. In der Nähe einer bestehenden Tankstelle produziert eine Biogasanlage einer örtlichen Genossenschaft Strom und Wärme für das Strom- bzw. für ein Nahwärmenetz. Rund 40 Landwirte beliefern die Anlage mit Biomasse. Die Biogasanlage zweigt 10 % des erzeugten Biogases ab, um es zu reinigen und dessen Methangehalt auf 95 % zu steigern. Das auf Erdgasqualität gebrachte Biogas wird über eine 1 km lange Biogasleitung zur Tankstelle transportiert. Mit Erdgas betriebene Fahrzeuge können dort das aufbereitete Biogas tanken.
