Bernd Wilmert
Kaufmännischer Geschäftsführer Stadtwerke Bochum GmbH
"Als lokales Energieversorgungsunternehmen tragen wir in besonderer Weise Verantwortung für den Vorrang von umweltpolitischen Argumenten bei der Erzeugung von Energie"
Wann haben Sie begonnen, sich mit Erneuerbaren Energien zu beschäftigen? Gab es einen besonderen Anlass oder ein besonderes Vorbild?
Bei den Stadtwerken Bochum beschäftigen wir uns schon seit langem mit den Möglichkeiten von Erneuerbaren Energien. Anfangs waren die Überlegungen dabei eher theoretisch-wissenschaftlicher Natur, seit dem Jahr 2000 nahmen sie dann zunehmend konkrete Formen an. Unser erstes Ergebnis konnten wir mit dem Beginn des Betriebs eines Biomassekraftwerks in Papenburg im Jahre 2003 verzeichnen. Anlass und Triebfeder für unser Engagement ist dabei unsere Unternehmensphilosophie. Als lokales Energieversorgungsunternehmen tragen wir in besonderer Weise Verantwortung für den Vorrang von umweltpolitischen Argumenten bei der Erzeugung von Energie. Diese Verantwortung nehmen wir sehr ernst.
Was motiviert Sie?
Die Möglichkeiten im Bereich der Erneuerbaren Energien haben sich in den letzten Jahren ganz erheblich verändert. Die heutige Technik und auch die Wirtschaftlichkeit der Anlagen sind kaum noch mit dem vergleichbar, was uns vor zehn Jahren zur Verfügung stand. Trotzdem haben die Erneuerbaren Energien noch einen weiten Weg vor sich, bis sie die konventionellen Energien weitgehend oder vielleicht vollständig werden substituieren können. Wir sind es den kommenden Generationen und natürlich unserer Umwelt schuldig, uns heute mit aller Kraft für die Förderung der Erneuerbaren Energien einzusetzen. Es ist sehr erfreulich, dass die Politik auf bundesdeutscher, europäischer und zunehmend auch auf globaler Ebene erkannt hat, dass hier ein erheblicher Handlungsbedarf besteht.
Wo sehen Sie die Erneuerbaren Energien im Jahr 2020?
Ich denke, dass die Ziele der Bundesregierung für den Anteil der Erneuerbaren Energien im Jahr 2020 ehrgeizig, aber erreichbar sind. Ich hoffe, dass wir in den nächsten Jahren noch weitere technische Verbesserungen im Anlagenbereich erreichen können, aber dies ist erfahrensgemäß äußerst schwierig zu prognostizieren, da Innovationen nur begrenzt steuerbar sind. Von besonderer Bedeutung wird es sein, ehrgeizige Ziele für den Anteil Erneuerbarer Energien auch außerhalb Deutschlands und der EU verbindlich festzulegen, insbesondere in Staaten mit sehr hohem absoluten Energieverbrauch.
Was muss dafür noch getan werden?
Es ist wichtig und richtig, dass Deutschland bei den Erneuerbaren Energien eine Vorreiterrolle einnimmt. Dies muss nicht aus purem Altruismus resultieren, sondern erweist sich auch volks- und betriebswirtschaftlich als überaus sinnvoll, weil wir uns technologische Vorsprünge in wichtigen Märkten der Zukunft erarbeiten. Aus Sicht der Energiewirtschaft ist es von besonderer Bedeutung, dass der Staat langfristig zuverlässige Rahmenbedingungen schafft, denn unsere Investitionen haben in der Regel sehr lange Laufzeiten. Die meisten Erneuerbaren Energien bedürfen aktuell noch finanzieller Unterstützung, um konkurrenzfähig angeboten werden zu können. Diese Unterstützung muss unbedingt so lange erhalten bleiben, bis die Erneuerbaren Energien ausreichend entwickelt sind. Klares Ziel muss sein, mittel- bis langfristig einen Entwicklungsstand der Erneuerbaren Energien zu erreichen, der einen wettbewerbsfähigen Betrieb der Anlagen ohne Subventionierung ermöglicht. Diesen nicht ganz unbeschwerlichen Weg müssen Politik und Industrie gemeinsam gehen. Im zweiten Schritt ist von besonderer Bedeutung, Ausbauziele für Erneuerbare Energien auch außerhalb der EU verbindlich festzulegen. Die Konferenz auf Bali vor einigen Wochen hat gezeigt, mit welchen enormen Schwierigkeiten diese eigentlich simple Forderung verbunden ist. Dennoch gilt auch hier: Der Weg muss gemeinsam beschritten werden, denn eine alternative Lösung gibt es nicht.
Womit beschäftigen Sie sich sonst noch, z.B. nach getaner Arbeit?
Nach getaner Arbeit widme ich mich vor allem meiner Familie, mit der ich den größten Teil meiner Freizeit verbringe. Neben sportlichen Aktivitäten nutzen wir oft und gerne das breite kulturelle Angebot des Ballungsraumes Ruhrgebiet.
Fachgebiete: Offshore-Wind, Fotovoltaik, Geothermie, Wasserkraft, Biomasse, Finanzierung und Projektentwicklung, Politische Rahmenbedingungen /EEG, Kommunale Nutzung Erneuerbarer Energien
Presseanfragen bitte an: Thomas Schönberg, Tel: 02349601300, E-Mail: thomas.schoenberg@stadtwerke-bochum.de
Stadtwerke Bochum GmbH
Ostring 28
44787 Bochum
Tätigkeitsbereiche: Strom, Gas, Wasser, Fernwärme, Telekommunikation
Hauptsitz: Bochum
Anzahl der Mitarbeiter: 710
Umsatz: 517 Mio. EURO 2009
