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Hans Friedmann

Vorstand Agraferm AG, Pfaffenhofen/ Ilm

 

"Das charmante am Biogas ist, dass wir es zum Erzeugen von Strom, zum Autofahren, zum Kochen oder zur Herstellung von Kunststoffen nutzen kann - es ist ein Multitalent"

 

Wann haben Sie begonnen, sich mit Erneuerbaren Energien zu beschäftigen? Gab es einen besonderen Anlass oder ein besonderes Vorbild?

Im Rahmen des Studiums der Verfahrenstechnik an der TU München 1984 lernte ich meinen späteren Doktorvater, Herrn Prof. Dr. Herbert Märkl, kennen. Er forschte damals im Bereich Biogas und versuchte, den Biogasprozess mathematisch zu beschreiben. Ich habe dann meine Diplomarbeit und die Doktorarbeit bei ihm gemacht, nachdem er als erster Bioverfahrenstechnikprofessor Deutschlands an die TU Hamburg-Harburg gewechselt war.

 

Was motiviert Sie?

Ich habe mir die Begeisterung für die Verbindung aus Ingenieurtechnik und Biologie erhalten. Biologische Prozesse, intelligent technisch durchgeführt, haben ein enormes Potenzial zur Energiegewinnung. Diese Begeisterung hat mich auch in den ersten 15 Jahren, in denen das Biogasgeschäft doch sehr hart und brotlos war, bei meinem Thema gehalten. Ich bin überzeugt, dass die Biogastechnik die effizienteste Technologie zur Gewinnung erneuerbarer Energie überhaupt ist und sie in den kommenden dreißig Jahren einen sehr wesentlichen Beitrag zur Versorgung mit Energie leisten wird. Das charmante am Biogas ist ja, dass wir es zum Erzeugen von Strom, zum Autofahren, zum Kochen oder zur Herstellung von Kunststoffen nutzen kann. Es ist eben ein Multitalent.

 

Wo sehen Sie die Erneuerbaren Energien im Jahr 2020?

Die erneuerbaren Energien werden 2020 zu einem der bedeutendsten Wirtschaftsfaktoren weltweit werden. In Europa werden wir bis dahin sicherlich über 20 Prozent an erneuerbaren Energien nutzen, da die Ölpreise weiter rasant ansteigen werden und der Klimawandel noch deutlicher werden wird. Durch den Vorsprung, den sich die deutsche Branche der Erneuerbaren aufgrund der frühzeitigen Einführung des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes erarbeiten konnte, werden sich erneuerbaren Energien für Deuschland zum Exportartikel Nr. 1 entwickeln. Ich hoffe allerdings, dass die Deutsche Bürokratie das Pflänzchen nicht abwürgt.

 

Was muss dafür noch getan werden?

Das EEG muss schnellstens novelliert werden. Im Biogasbereich muss dringend eine Marktkomponente für die Stromvergütung eingeführt werden um Planungssicherheit für Investoren und Anlagenbauer zu erhalten. Mindestens ebenso wichtig ist eine grundsätzliche Reform der Genehmigungspraxis in Deutschland. Allerdings ist es nicht das Genehmigungsrecht, welches Probleme bereitet, es sind die Genehmigungsbehörden und deren Vorgehen. Hier sind dringend handhabbare Kontrollmechanismen für die Genehmiger nötig. In der öffentlichen Diskussion sollten wir aufhören, über die vermeintlichen Mehrkosten des EEG zu diskutieren. Nur wer die EE rechtzeitig in ausreichendem Masse einführt, wird die sicherlich kommende Explosion der Preise fossiler Energieträger wirtschaftlich überleben. Die EE sind eine existenzielle Frage unserer Volkswirtschaft. Da verbietet es sich, über die Kosten zu sprechen.

 

Womit beschäftigen Sie sich sonst noch, z.B. nach getaner Arbeit?

Irgendwie ist die Arbeit nie wirklich getan. Es fällt mir immer etwas ein, das noch gemacht werden könnte. Ich höre halt auf, wenn es zuviel wird und ziehe mich zu meiner Familie zurück. Neben meiner Arbeit bin ich in verschiedenen Organisationen ehrenamtlich tätig. Das hat aber oft auch mit Biogas zu tun. Mein Laster heißt Biogas.

 

Fachgebiete: Biogas, Finanzierung und Projektentwicklung, Kommunale Anwendung Erneuerbarer Energien, nationale Rahmenbedingungen / EEG, Forschung

Das Unternehmen

Agraferm Technologies AG

Färberstrasse 7

85276 Pfaffenhofen/ Ilm

www.agraferm.de

 

Die Agraferm-Gruppe ist ein auf die Biogastechnologie spezialisiertes Unternehmen. Die Gründer und die führenden Mitarbeiter können teilweise auf mehr als 20 Jahre "Biogaserfahrung" zurückblicken. Die Agraferm AG wurde 2004 gegründet. Grundlage für die Unternehmensgründung waren die langjährigen Erfahrungen der Gründer als Biogasanlagenbetreiber, -planer und -bauer.

Agraferm bietet schlüsselfertige Anlagen zur Biogaserzeugung aus Abfällen, industriellen Reststoffen und landwirtschaftlichen Produkten an. Agraferm-Biogasanlagen wurden von Betreibern für Betreiber konzipiert. Hohe Anlagenverfügbarkeit und hohe Betriebssicherheit werden durch ein modular aufgebautes und weitgehend standardisiertes, technisch sehr hochwertiges Anlagenkonzept realisiert.

Eine Besonderheit bietet Agraferm mit dem Betrieb von Biogasanlagen für Investoren an. Dadurch können Finanzinvestoren auf die langjährigen Erfahrungen der Agraferm-Gruppe im Anlagenbetrieb bauen, der vom ersten Tag an einen professionellen und wirtschaftlichen Anlagenbetrieb gewährleistet. Die Betriebserfahrung kommt auch dem Anlagenbau zugute, da die Erfahrungen im Betrieb zur Optimierung der Anlagentechnik genutzt werden.

Zusätzlich zum Betrieb von Biogasanlagen bietet Agraferm auch den technischen und biologischen Service von Biogasanlagen an. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der biologischen Optimierung des Anlagenbetriebs. Mit den Methanomex-Mikronährstoffen der Agraferm-Tochter Agraserv werden bisher nicht gekannte Anlagenleistungen erreicht.

Ein besonders anspruchsvolles Geschäftsfeld von Agraferm ist die technische und wirtschaftliche Sanierung von Biogasanlagen. Anlagensanierung muss üblicherweise im laufenden Betrieb durchgeführt werden. Dabei arbeiten die Geschäftsbereiche Anlagenbetrieb, Service und Anlagenbau eng zusammen.

 

Tätigkeitsbereich: Planung, schlüsselfertige Errichtung und Betrieb von Biogasanlagen zur Bioenergiegewinnung aus (kommunalen) organischen Abfällen, industriellen Reststoffen und landwirtschaftlichen Rohstoffen; biologischer und technischer Service für Biogasanlagen; technische und wirtschaftliche Sanierung von Biogasanlagen

Standorte: Fürstenwalde / Spree, Zerbst, Heffingen (Luxembourg), Istanbul (Türkei), Occiobello (Italien), Saint Avold (Frankreich)

Anzahl der Mitarbeiter: 74

Umsatz: 21 Mio. EURO (2009)