Elektromobilität: Postfossile Fortbewegung mit Erneuerbaren Energien
Elektroautos stoßen keine Abgase aus – schließlich fehlt der sonst übliche Verbrennungsmotor. Aber sind sie damit wirklich sauberer? Elektromobilität ist nur so gut wie der Strom, mit dem sie fährt. Denn wenn das Elektroauto statt des Erdöls nun einfach Strom aus Kohle- oder Atomkraftwerken „verfährt“, wird es auf den Straßen zwar sauberer und leiser, die Emissionen werden dann aber bloß vom Auspuff zu den Kraftwerken verlagert. Nur das Elektroauto, das Strom aus Erneuerbaren Energien tankt, kann behaupten, wirklich CO2- und schadstofffrei zu fahren.
Sollte daher nicht zuerst die Stromproduktion auf Erneuerbare Energien umgestellt werden, bevor Elektroautos Strom aus Kohlekraftwerken mit fast 1 Kilogramm CO2-Ausstoß pro Kilowattstunde nutzen? Nein – denn schon heute macht es Sinn, mit Erneuerbaren Energien in die hocheffiziente Elektromobilität einzusteigen, damit morgen immer größere Anteile des Verkehrs ohne Treibhausgase und ohne Erdöl fahren können.
Weg vom Öl
Erneuerbare Elektromobilität kann entscheidend dazu beitragen, den Verkehrssektor aus der fast uneingeschränkten Abhängigkeit vom Erdöl zu befreien. Während wir in der Strom- und Wärmeproduktion auf eine Vielzahl erneuerbarer und fossiler Energieträger zurückgreifen können, macht schon die einseitige Dominanz des Erdöls als bisher praktisch ausschließliche Energiequelle im Verkehrsbereich ein Umdenken nötig: Spätestens um 2050 ist auch nach konservativen Schätzungen mit einer Erschöpfung der weltweiten Erdölreserven zu rechnen. Deutschland deckt derzeit 96 % seines Erdölbedarfs durch Importe.
Klimaschutz im Straßenverkehr
Aus der Perspektive des Klimaschutzes macht der Verkehrssektor besonders Sorgen: Weltweit macht der Straßenverkehr rund 17 % der Treibhausgas-Emissionen aus. Zwischen 1990 und 2002 stiegen die verkehrsbedingten Emissionen um 15 %. Der Weltklimarat der Vereinten Nationen (IPCC) rechnet bis 2050 mit einem Anstieg der Emissionen um 80 %, wenn keinerlei Maßnahmen ergriffen werden. Notwendig für eine Stabilisierung des Klimawandels wäre dagegen eine massive Verringerung der Emissionen in den Industrieländern um 80 %.
In Deutschland ist der Verkehrssektor für rund ein Fünftel der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Während die Emissionen in den Bereichen Energie und Industrie seit 1990 gesunken sind, stiegen sie im selben Zeitraum im Verkehrsbereich um 5 % an. In der EU sind die Emissionen des Verkehrssektors sogar um rund ein Viertel gestiegen. Die CO2-Reduktionsziele von Bundesregierung und EU-Kommission bis 2020 drohen am Verkehrssektor zu scheitern: Die EU-Kommission sieht vor, ab 2012 nur noch Fahrzeuge mit einem CO2-Ausstoß von maximal 130 g CO2 pro Kilometer zuzulassen – während der Ausstoß neu zugelassener Pkw in Deutschland noch immer bei über 170 g CO2/km liegt.
Auch Hybrid-Fahrzeuge unterschreiten heute schon die EU-Emissionsgrenzwerte für 2012. Hybrid-Fahrzeuge sind Elektroautos, die zusätzlich zum elektrischen Antrieb noch über einen konventionellen Verbrennungsmotor verfügen. Dank des elektrischen Antriebs, mit dem z.B. ein Großteil der Kurzstrecken zurückgelegt wird, bleibt der CO2-Ausstoß trotz Verbrennung fossiler Kraftstoffe insgesamt verhältnismäßig niedrig.
Effizienzweltmeister Elektroauto
Dank des effizienten elektrischen Antriebs fährt das Elektroauto besonders sparsam: Durch die hohen Wirkungsgrade von bis zu 90 % sind diese den konventionellen Verbrennungsmotoren weit voraus und gewinnen u.a. die Bremsenergie zurück. Noch effizienter wird Elektromobilität mit Radnabenmotoren. Dabei wird das Fahrzeug statt von einem zentralen Antrieb von vier kleinen Elektromotoren direkt an den Rädern angetrieben.
Moderne Elektroautos mit dem Komfort von Familienlimousinen verbrauchen – je nach Fahrzeugklasse – durchschnittlich nur 10 bis 20 Kilowattstunden Strom für 100 zurückgelegte Kilometer, entsprechend dem Energiegehalt von ca. 1 bis 2 Litern Benzin.
3 Gramm CO2 pro Kilometer
Ein Elektroauto, das rund 15 Kilowattstunden Strom, d.h. umgerechnet nur ca. 1,5 Liter fossilen Kraftstoff verbraucht, stößt damit noch 97,5 g CO2 pro Kilometer aus, wenn der durchschnittliche deutsche Strommix (überwiegend Kohle-, Erdgas- und Atomstrom, 14 % Erneuerbare Energien, 650 g CO2/kWh) für die Batterieladung „getankt“ wird. Der von der EU für 2012 vorgegebene Grenzwert von 130 g CO2 pro Kilometer würde damit allerdings schon um mehr als ein Viertel unterschritten werden. Fährt dasselbe Elektroauto statt mit dem konventionellen, „schmutzigen“ Strommix jedoch mit Strom aus Windkraftanlagen, reduziert sich die CO2-Emission je zurückgelegtem Kilometer auf nur noch 3 bis 4 g CO2.
Eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) und des Bundesverbands Solare Mobilität (BSM) aus dem Jahr 2007 kommt zu dem Ergebnis, dass die weitgehende Umstellung des deutschen Kraftfahrzeugparks mit 40 Mio. Elektro- und Hybridfahrzeugen dessen CO2-Emissionen um 67 Mio. t senken könnte. 2005 beliefen sich die gesamten CO2-Emissionen des Verkehrssektors (Personen-, Güter- und Luftverkehr) auf 167 Mio. t CO2.
Feinstaub adé, willkommen in der Umweltzone
Doch nicht nur schädliche Treibhausgase werden durch Erneuerbare Elektromobilität vermieden. Das Elektrofahrzeug kennt weder Feinstaub- noch sonstige Schadstoffprobleme. In den Zeiten von Fahrverboten und Umweltzonen ist es damit die sauberste Option für den urbanen Individualverkehr – wie bereits zu Beginn seiner Markteinführung am Ende des 19. Jahrhunderts. Von Haus aus leise, klein und wendig, entlastet es den städtischen Verkehrsraum.
Lokal steigt daher das Interesse an Elektromobilität: Nicht ohne Grund hat Daimler 2007 in der Londoner City einen Großversuch mit 100 Exemplaren des Smart fortwo electric drive gestartet, der als reines Elektroauto eine Höchstgeschwindigkeit von 112 km/h schafft und dessen Batterieladung eine Reichweite von 115 km bietet. Elektroautos sind aufgrund ihres emissionsfreien Antriebs in London und anderen Großstädten von der Citymaut befreit.
Vor diesem Hintergrund werden auch zunehmend Nutzfahrzeuge mit Elektroantrieb entwickelt wie der Mercedes-Sprinter oder der Kleintransporter EcoCarrier der Wunstorfer EcoCraft. In Großbritannien ist bereits der Modec Elektro-Lieferwagen mit 2,5 t Transportkapazität im Einsatz für die Supermarktkette Tesco.
US-amerikanischen Stadtwerke haben die Initiative „Plug-In-Hybrid Partners“ gestartet, um saubere urbane Mobilität zu fördern und weg vom Erdöl zu kommen. Mit einem 10 Mio. US-Dollar starken Flottenversuch mit 600 Fahrzeugen im US-Bundesstaat New York wird die Markteinführung von Hybridfahrzeugen unterstützt.
Und nicht zuletzt: Dank ihrer Geräuscharmut können Elektromotoren idealtypisch auch in Booten als Beitrag zum Natur- und Gewässerschutz eingesetzt werden. Hier reicht oft schon ein Solardach für die benötigte Antriebsleistung aus.
