Geringer Flächenbedarf für hohe Anteile von Biokraftstoffen

Werden auf nur einem Viertel der weltweit degradierten Flächen Energiepflanzen angebaut, könnten damit 50% des weltweiten Kraftstoffbedarfs gedeckt werden.
Die Bioenergie ist ein Multitalent zur Produktion von Strom, Wärme und Kraftstoffen. Als Rohstoff steht Biomasse von Energiepflanzen, aus Waldholz sowie von biogenen Reststoffen zur Verfügung.
Wie wird das Potenzial für Bioenergie bestimmt?
Wie viel Bioenergie bereitgestellt werden kann, hängt von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel:
• wie groß die Fläche für den Anbau von Energiepflanzen ist,
• in welchem Umfang biogene Reststoffe (Ernterückstände wie z.B. Rübenblätter, tierische Exkremente wie z.B. Gülle, Mist, Nebenprodukte der Lebensmittelproduktion wie z.B. Kartoffelschalen, andere organische Abfälle wie z.B. Klärschlamm) erschlossen werden können,
• zu welchem Anteil durch Kraft-Wärme-Koppelung (KWK) in Blockheizkraftwerken gleichzeitig Strom und Wärme erzeugt wird,
• wie das Biomassepotenzial jeweils auf die verschiedenen Nutzungsformen Strom, Wärme und Kraftstoffe aufgeteilt wird.
Die Grafik stellt ausschließlich das globale Flächenpotenzial für den Anbau von Energiepflanzen dar und beantwortet die Frage, wie viele Biokraftstoffe durch Nutzung dieser Flächen erzeugt werden könnten.
Weltweit sind bis zu 40 % der Acker-, Weide- und Waldflächen degradiert
Die gesamte weltweite Landfläche beträgt 12,9 Mrd. Hektar. Auf den 2,6 Mrd. ha Wüste und 1,5 Mrd. ha Steppe kann keine Biomasse für die Produktion von Biokraftstoffen gewonnen werden. Ackerflächen (1,5 Mrd. ha), Weideflächen (3,4 Mrd. ha) und Wald (4 Mrd. ha) belegen insgesamt 8,9 Mrd. ha. Von dieser Fläche sind nach Angaben der FAO ca. 3,5 Mrd. ha degradiert, d.h. ausgelaugt und in ihrer ökologischen Funktion angegriffen.
Der Anbau von Energiepflanzen, die an den Standort angepasst sind, kann der Bodendegradation entgegenwirken, indem Erosion und Verlust von Biodiversität gestoppt wird. Bioenergie kann somit zur Rekultivierung degradierter Flächen beitragen und gleichzeitig die Energieversorgung und lokale Wertschöpfung in den Anbauregionen verbessern.
Unser Rechenbeispiel zeigt dieses Potenzial auf: Auf einem Viertel der Fläche (0,9 Mrd. ha) könnte mit einem durchschnittlichen jährlichen Pflanzenöl- bzw. Ethanolertrag von 1,2 t Rohöläquivalent/ha die Hälfte des heutigen globalen Kraftstoffverbrauchs gedeckt werden.
Diese Berechnung stellt eine sehr konservative Abschätzung der Biomasseerträge dar, da die heutigen maximalen Pflanzenölerträge über 5 t Rohöläquivalent, die Bioethanolerträge über 4 t Rohöläquivalent und die Zuwachsraten von schnellwüchsigen Baumarten in den gemäßigten Breiten bis zu 20 t Trockenmasse und in tropischen Trockenwäldern mehr als 30 t Trockenmasse/ha betragen. Auch Forschungsarbeiten in Mexiko zeigen, dass sehr hohe Bioenergieerträge nicht auf die feuchten Tropen begrenzt sind. Anbauversuche mit Agaven mit sehr hohem Zuckergehalt haben unter semiariden Bedingungen Ethanolerträge von über 7.000 Liter/ha (d.h. über 3,5 t Rohöläquivalent) ergeben.
Was sind degradierte Böden?
Als Bodendegradation bezeichnet man die Herabstufung eines Bodens im Sinne einer nachhaltigen Veränderung oder Zerstörung seiner natürlichen Merkmale, Strukturen und Funktionen. Degradierte Böden können ihre vielfältigen Funktionen im Naturhaushalt nicht mehr vollständig erfüllen: Sie gehen als Lebensraum für eine Vielzahl von Pflanzen- und Tierarten verloren. Sie können den Transport, die Umwandlung und Anreicherung von Stoffen nicht mehr in gewohntem Umfang durchführen. Sie dienen nicht mehr ausreichend als Wasserpuffer, was zu Überschwemmungen führen kann, und sie filtern das Regenwasser nicht mehr genügend, um es in trinkbares Grundwasser zu verwandeln. Sie verlieren außerdem ihre ökonomische Bedeutung für die Landwirtschaft, weil sie Pflanzen nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen und Wasser versorgen können. Unmittelbare Folge einer fortschreitenden Bodendegradation ist daher die Bedrohung der Versorgungssicherheit bei Nahrungsmitteln.
Die Grafik kann als jpg- und als pdf-Datei heruntergeladen werden: