Kraftstoffe aus Biomasse: Marktentwicklung 2011

Biokraftstoffe sind flüssige Biomasse. Als Rohstoff dienen z.B. Energiepflanzen wie Raps, Getreide oder Reststoffe. Auch gasförmige Biomasse, d.h. Biogas, kann in Fahrzeugen mit Gasmotor statt fossilem Erdgas eingesetzt werden.

Die wichtigsten Biokraftstoffe in Deutschland sind zurzeit Biodiesel, Pflanzenöl und Bioethanol. Biodiesel und Pflanzenöl können fossilen Dieselkraftstoff ersetzen; Bioethanol kann fossilen Otto-Kraftstoff (Benzin) ersetzen. Bislang kaum als Kraftstoff genutzt wird Biogas, das jedoch ebenfalls über ein großes Potenzial als Kraftstoff verfügt. Es kann in allen Fahrzeugen mit Gasmotor zum Einsatz kommen.

Grundsätzlich können Biokraftstoffe als reine Biokraftstoffe getankt werden, d.h. der an der Zapfsäule angebotene Kraftstoff enthält z.B. ausschließlich Biodiesel (so genannter B100) oder Bioethanol (sog. E85). Die Motoren der jeweiligen Fahrzeuge müssen jedoch von den Herstellern für die Nutzung von reinen Biokraftstoffen freigegeben sein.

In Deutschland dominiert dagegen die Beimischung von Biokraftstoffen zu fossilen Kraftstoffen zu einem bestimmten Prozentsatz. Autofahrer tanken daher an der Zapfsäule automatisch immer einen bestimmten Anteil Biokraftstoffe mit. Fossiler Dieselkraftstoff enthält üblicherweise 7 Prozent Biodiesel (sog. B7-Kraftstoff). Benzin, d.h. Ottokraftstoffe, enthält eine Beimischung von 5 oder 10 Prozent Bioethanol (sog. E5- oder E10-Kraftstoff.

Neue Verfahren zur Herstellung von synthetischem Biokraftstoff werden derzeit entwickelt, z.B. BtL-Kraftstoff (Biomass-to-Liquid) oder Bioethanol aus lignocellulosehaltiger (d.h. holzartiger) Biomasse. BtL-Kraftstoff kann problemlos in allen Motoren genutzt werden. Diese Verfahren wollen die gesamte Biomasse der Pflanze und nicht nur den Öl- bzw. Zuckeranteil nutzen. Dadurch vergrößert sich das für Biokraftstoffe nutzbare Biomasse-Potenzial. Synthetische Biokraftstoffe stehen aber noch nicht am Markt zur Verfügung.

Aus Erneuerbaren Energien gewonnener Wasserstoff ist für den breiten Einsatz im Verkehr bislang noch eine Zukunftsvision.

Stagnierender Anteil von Biokraftstoffen 2011

Der Anteil der Kraftstoffe aus Biomasse am gesamten Kraftstoffverbrauch in Deutschland stieg zunächst von 1,6 Prozent im Jahr 2004 auf 7,6 Prozent im Jahr 2007, um danach wieder zurückzugehen auf zuletzt 5,4 Prozent im Jahr 2011 (2010: 5,8 Prozent). Dennoch hat sich der Verbrauch von Biokraftstoffen seit dem Jahr 2000 von 0,3 Mio. Tonnen auf 3,6 Mio. Tonnen im Jahr 2011 verzwölffacht. Unter den Biokraftstoffen dominiert in Deutschland Biodiesel, der überwiegend aus heimischem Rapsöl hergestellt wird. Im Jahr 2011 wurden 2,4 Mio. t Biodiesel (2010: 2,6 Mio. t), 1,2 Mio. t Bioethanol (2010: 1,2 Mio. t) sowie 20.000 t Pflanzenöl (2010: 60.000 t) abgesetzt.

Die Produktionskapazität für Biodiesel ist von 1,2 Mio. t im Jahr 2004 auf ca. 4,9 Mio. t im Jahr 2010 gestiegen, allerdings ist aufgrund der Krise der Biokraftstoffbranche nur ein Teil der Anlagen ausgelastet. Die Bioethanol-Produktionskapazität in Deutschland hat sich seit 2004 von 0,5 Mio. t auf 1 Mio. t im Jahr 2010 verdoppelt. Die Produktionskapazitäten dezentraler Ölmühlen für reines Pflanzenöl als Biokraftstoff lagen 2010 bei 0,6 Mio. t.

Produktion, Verbrauch und Tankstellennetz 2010/2011

 

Produktionsanlagen

Produktionskapazität

Verbrauch in Deutschland

Tankstellennetz

Biodiesel

49 Biodiesel-Anlagen, zu ca. 50% ausgelastet (ca. 50% insolvent oder eingestellte Produktion)

 

4,8 Mio. t (2011)

 

2010: 2,6 Mio. t

2011: 2,4 Mio. t

unter 200

 

Pflanzenöl

ca. 600 dezentrale Ölmühlen (ca. 55%eingestellte Produktion)

ca. 0,6 Mio. t

2010: 60.000 t

2011: 20.000 t

ca. 250

Bioethanol

13 Bioethanol-Anlagen

2010: 1,0 Mio. t

 

2010: 1,2 Mio. t

2011: 1,2 Mio. t

ca. 200 für reines Bioethanol (E85)

(Quellen: BMU, UFOP, BAFA, VDB, FNR, StBA; Stand: Februar 2012) 

Maßgeblich für den anfänglichen Erfolg der Branche war das gestiegene Preisniveau für fossilen Diesel und Benzin. Gleichzeitig wurde der Aufbau einer heimischen Biokraftstoffbranche durch Steuererleichterungen gefördert. Seit Januar 2004 waren Biokraftstoffe vollständig und Beimischungen von Biokraftstoffen zu konventionellen Diesel- und Ottokraftstoffen anteilig von der Mineralölsteuer befreit.

Energiesteuergesetz und Biokraftstoffquotengesetz

Geändert hat sich die Marktsituation mit der Novelle des Mineralölsteuergesetzes, das im August 2006 vom neuen Energiesteuergesetz abgelöst wurde. Die Besteuerung von reinen Biokraftstoffen sollte damit bis 2015 auf das Niveau der bisherigen Mineralölsteuer steigen. Beimischungen von Biodiesel und Bioethanol werden seit Januar 2007 voll besteuert. Ausnahmen gelten in der Land- und Forstwirtschaft, wo reine Biokraftstoffe bis 2015 steuerbegünstigt bleiben. Ebenso bleiben synthetische Biokraftstoffe (BtL), die noch nicht am Markt verfügbar sind, sowie Bioethanol als Reinkraftstoff (E85) vorerst steuerbegünstigt.

Seit Januar 2007 verpflichtet außerdem das Biokraftstoffquotengesetz die Mineralölwirtschaft, einen wachsenden Mindestanteil von Biokraftstoffen, bezogen auf die jährliche Gesamtabsatzmenge eines Unternehmens an Otto- und Dieselkraftstoff, in Verkehr zu bringen (Biokraftstoffquote).

Das im Juni 2009 novellierte Biokraftstoffquotengesetz reduzierte den ursprünglich geplanten Anstieg der Gesamtquote bis 2015 von 7,75 Prozent auf 6,25 Prozent. Gleichzeitig wurde der Anstieg der Steuersätze für reinen Biodiesel (B100) sowie für Pflanzenöl reduziert.

Quotenmenge nach Treibhausgas-(THG-)Minderung ab 2015

Bemisst sich die Gesamtquote von 6,25 Prozent Biokraftstoffen am Kraftstoffabsatz am Energiegehalt der Biokraftstoffe im Verhältnis zum Energiegehalt aller abgesetzten Kraftstoffe, so ändert sich dieses System ab 2015. Die Menge der einzusetzenden Biokraftstoffe wird dann über deren Beitrag zur Treibhausgasvermeidung bemessen. Es gilt keine Gesamtquote mehr, sondern eine Treibhausgas-Minderungsquote von zunächst 3 Prozent. Die von den Mineralölunternehmen insgesamt verwendete Biokraftstoffmenge muss demnach 2015 im Vergleich zu den Emissionen von fossilem Kraftstoff eine Treibhausgas-Einsparung von mindestens 3 Prozent erreichen. Legte man eine durchschnittliche THG-Minderung der Biokraftstoffe von 50 Prozent zugrunde, so entspräche dies einer Biokraftstoffquote von 6 Prozent. Die THG-Minderungsquote soll den Einsatz von besonders klimafreundlichen, effizient produzierten Biokraftstoffen anreizen, statt reine Mengenvorgaben zu machen. In ihrem Nationalen Biomasseaktionsplan vom April 2009 geht die Bundesregierung davon aus, dass die THG-Minderungsquote von 7 Prozent im Jahr 2020 einem energetischen Anteil der Biokraftstoffe am Gesamtmarkt von 12 Prozent entspricht.

Ausblick

Die deutsche Biokraftstoffbranche konnte sich nach dem Absatzeinbruch infolge der mehrfachen Änderungen der politischen Rahmenbedingungen auf niedrigem Niveau stabilisieren. Der Absatz von Reinkraftstoffen wird aufgrund der gestiegenen Besteuerung weiterhin nur ein Nischendasein fristen. Nach den Startschwierigkeiten bei der Einführung des Ottokraftstoff E10 mit dem erhöhten Anteil Bioethanol ist ein allmählicher Anstieg des Bioethanolabsatzes möglich. Zusätzliche Marktpotenziale könnten Biokraftstoffe in den Bereichen Binnenschifffahrt und Schienenverkehr erschließen. Deren Überprüfung wurde von der Bundesregierung im Rahmen des Energiekonzepts 2010 angekündigt.

Durch die EU-Nachhaltigkeitskriterien und die Umstellung auf die Treibhausgas-Minderungsquote ab 2015 stehen die deutschen Biokraftstoffhersteller bei steigendem internationalem Wettbewerb jedoch weiterhin unter sehr hohem Druck, ihre Produktionsverfahren effizienter und kostengünstiger zu gestalten. Die durch Biokraftstoffe in der deutschen Kraftstoffbranche entstandenen unabhängigen, mittelständischen Produktions- und Vertriebsstrukturen sind jedoch mit dem Wechsel zum Quotensystem weitgehend beendet worden.