Strommix und Anteile Erneuerbarer Energien in den Bundesländern 2013

Der Stromsektor steht im Zentrum der deutschen Energiewende, hier wurden bislang die meisten Fortschritte erreicht, und durch intelligente Verknüpfung mit dem Wärme- und Mobilitätssektor kann die emissionsmindernde Wirkung der Ökostromerzeugung auch in andere Sektoren einfließen. Insgesamt wurde in Deutschland 2013 bereits knapp ein Viertel des erzeugten Stroms aus Erneuerbaren Energien gewonnen. Die verschiedenen Regionen tragen dabei ganz unterschiedlich zur Ökostromerzeugung bei:

Der meiste Ökostrom wurde auch im größten Bundesland erzeugt: Bayern liegt mit insgesamt 31,6 Mrd. Kilowattstunden (kWh) deutlich an der Spitze im Bundesländervergleich. Dazu tragen allerdings auch viele große und alte Wasserkraftanlagen bei. Wenn man sich indes nur die Stromerzeugung aus EEG-Anlagen, also in den letzten 15 Jahren neu gebauten Anlagen anschaut, liegt Niedersachsen ganz vorne. Ein deutlich anderes Bild erhält man, wenn man die erzeugten Ökostrommengen mit der Einwohnerzahl ins Verhältnis setzt, hier liegen mit Brandenburg und Sachsen-Anhalt zwei kleinere Länder vorne, die stark auf den Ausbau Erneuerbarer Energien setzen. Sachsen-Anhalt liegt mit 44,8 Prozent auch beim Anteil Erneuerbarer Energien an der gesamten Bruttostromerzeugung in der Spitzengruppe, wird aber noch von Mecklenburg-Vorpommern (61,1%) und Thüringen (53,8 %) überflügelt. Das hier führende Mecklenburg-Vorpommern war im Jahr 2013 auch das erste Bundesland, das seinen eigenen Stromverbrauch komplett erneuerbar decken konnte.

AEE_Karte_Stromerzeugung_Bundeslaender_2013_jun15_72dpiDer Blick auf die einzelnen Energieträger zeigt, dass nur in vier von 16 Bundesländern noch Atomstrom produziert wird - dieser in Baden-Württemberg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bayern aber erhebliche Anteile bis fast zur Hälfte der gesamten Stromerzeugung ausmacht. Auch die Nutzung von Braunkohle findet nur in wenigen Ländern (NRW, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt) statt, macht dort aber jeweils große Anteile aus. Die Stromproduktion aus Steinkohle ist dagegen verbreiteter, die größten Anteile erreichen das Saarland, Bremen und Hamburg. Erdgas ist vor allem in Rheinland-Pfalz, aber auch in Hessen und Thüringen ein wichtiger Energieträger zur Stromerzeugung.

Im Unterschied zu der oft klaren regionalen Zuordnung der konventionellen Energieträger können die verschiedenen Erneuerbaren Energien fast überall genutzt werden. Auch hier gibt es jedoch regionale Unterschiede: Die Windenergie wird ganz klar in den Nord- bzw. Küstenländern am intensivsten genutzt – dies wird sich in den nächsten Jahren durch den zunehmenden Offshore-Ausbau sogar noch verstärken. Niedersachsen steht in der Disziplin „Windstromerzeugung“ mit 12,2 Mrd. kWh klar an der Spitze, den größten Anteil an der Stromerzeugung mittels Windrädern schaffen Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt. Solarstrom wird dagegen deutlich mehr im Süden erzeugt, Bayern ist dabei nicht nur mit deutlichem Abstand der größte Photovoltaiknutzer, sondern erreicht auch noch vor Hessen und Thüringen den größten Sonnenanteil an der eigenen Stromerzeugung. Der meiste Strom aus Biomasse wird in den großen und landwirtschaftlich geprägten Ländern Niedersachsen und Bayern erzeugt, im Verhältnis zur gesamten Stromerzeugung setzt allerdings Thüringen am stärksten auf Bioenergie zur Elektrizitätsgewinnung. Die Nutzung der Wasserkraft setzt meist stets ein Gefälle voraus, weshalb die größten Strommengen in den Voralpenländern Bayern und Baden-Württemberg sowie in den Mittelgebirgen von Rheinland-Pfalz produziert werden. Auch die Nutzung der Geothermie ist zumindest für die Stromerzeugung von regionalen Gegebenheiten abhängig. Prinzipiell gibt es zwar etliche Gebiete in Deutschland, wo die notwendigen Temperaturen unter der Erde verhältnismäßig gut erreichbar sind, in der Praxis werden bisher jedoch nur in Bayern und Rheinland-Pfalz nennenswerte Strommengen erzeugt.

Die Umstellung unserer Strom- und insgesamt der Energieerzeugung auf regenerative Quellen hat viele ökonomische Vorteile, vor allem soll sie aber dem Klimaschutz dienen. Obwohl viele Länder auf einem guten Weg sind, werden bislang überall die Erneuerbaren Energien noch mit fossilen Energieträgern ergänzt und das wird nach den aktuellen Planungen auch noch mindestens für die nächsten 15-20 Jahre so bleiben. Nichtsdestotrotz sollte der Erzeugungsmix so klimafreundlich wie möglich gestaltet werden, worüber die spezifischen CO2-Emissionen der Stromerzeugung Auskunft geben: Entsprechend der relativ hohen Anteile von Öko- und Atomstrom erreicht 2012 Bayern hierbei den geringsten Wert, gefolgt von Schleswig-Holstein mit ebenfalls hohen Anteilen von Strom aus Erneuerbaren Energien und Atomkraft. Die höchsten Emissionen weisen Nordrhein-Westfalen und Sachsen auf, aber auch Länder mit einem starken Ausbau Erneuerbarer Energien wie Brandenburg und Sachsen-Anhalt emittieren weiterhin viel CO2 bei der Stromerzeugung, wenn sie nicht gleichzeitig die (Braun-)Kohlenutzung einschränken.

Dieser Artikel wurde im Renews, dem Newsletter der Agentur für Erneuerbare Energien, veröffentlicht