Erneuerbare Energien ersetzen immer mehr Atomstrom

Berlin, 10. März 2017. Für den endgültigen Atomausstieg läuft die Uhr: Derzeit sind noch acht Atommeiler in Betrieb, die spätestens bis Ende 2022 vom Netz gehen. Als nächstes ist dieses Jahr Block B im bayerischen Gund­remmingen dran. „Inzwischen erzeugen die Erneuerbaren Energien mit ihrem starken Rückhalt in der Bevölkerung mehr Strom als es die Atomkraft je geschafft hat“, erklärt der Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE), Philipp Vohrer, anlässlich der sich am 11. März jährenden Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima. „Doch es ist ein dynami­scher weiterer Ausbau der regenerativen Energien notwendig, damit sie nicht nur die Atomkraft, sondern zunehmend auch klimaschädliche fossile Energie ersetzen können.“

Die bisherige Entwicklung der Energieerzeugung zeigt, dass auch in den nächsten Jahren ein forciertes Wachstum der Erneuerbaren Energien benötigt wird. So erhöhte sich die Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien von 104 TWh im Jahr 2010 auf mehr als 188 TWh im vergangenen Jahr. Diese Steigerung um 84 TWh entspricht etwa der Atomstromproduktion im vergan­genen Jahr. „Wenn wir unsere Ziele beim Klimaschutz erreichen wollen, dür­fen wir das Wachstum der Erneuerbaren jetzt nicht bremsen, sondern müssen es beschleunigen. Zudem brauchen wir mehr Flexibilität im Energie­system und eine verbesserte Effizienz. Das nützt Menschen, Wirtschaft und Umwelt und erspart uns eine Menge volkswirtschaftlicher Belastungen“, so Vohrer.  

Massive staatliche Lasten durch Atomkraft
Die staatliche Förderung der Atomenergie in Deutschland verursachte laut
einer Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) allein von 1970 bis 2014 Kosten in Höhe von rund 219 Mrd. Euro. Die auf den Steuer­zahler noch zukommenden Kosten für die Endlagerung sind dabei noch nicht einmal berücksichtigt. Noch teurer waren in den letzten Jahrzehnten die Subventionen für die Kohle: Für Braun- und Steinkohle ermittelten die Forscher staatliche Förderung von mehr als 421 Mrd. Euro. Fossile und nukleare Stromproduktion sind zudem mit sogenannten „Ewigkeitslasten“ behaftet, das heißt: Auch lange nach dem Ende der Produktion verursachen Kohle und Atom massive Kosten für den Steuerzahler. Zum Vergleich: Für die Erneuerbaren Energien wurden bis 2014 Fördergelder von 102 Mrd. Euro fällig, vor allem für die Stromeinspeisevergütungen. Dank der Technologie­förderung sind diese Einspeisesätze inzwischen so stark gesunken, dass beispielsweise die Vergütung für Solarparks oder für Windstrom an Land pro Kilowattstunde deutlich unter dem liegt, was etwa die britische Regierung künftig für Atomstrom aus dem geplanten Kernkraftwerk Hinkley Point C zahlen will.

Erneuerbare statt Atom auch in Europa zum Durchbruch verhelfen
Trotz ihrer Risiken und Kosten wird die Atomkraft in einzelnen EU-Staaten weiterhin stark subventioniert. So genehmigte die EU-Kommission erst Anfang dieser Woche staatliche Hilfen Ungarns für zwei neue Großreaktoren an der Donau. An dem Projekt ist Russland als Geldgeber massiv beteiligt. In Groß­britannien sind chinesische Staatsinvestoren an den Plänen zum Bau des umstrittenen Kernkraftwerks Hinkley Point C beteiligt. Gleichzeitig sind große Atomfirmen wie die französische Areva oder die Nuklearsparte des japani­schen Mischkonzerns Toshiba durch hohe Schulden belastet. „Die Probleme der Unternehmen zeigen: Nicht nur für den Steuerzahler, sondern auch für die Privatwirtschaft droht mit der Atomkraft ein Milliardengrab“, erklärt Vohrer und folgert. „Für den europäischen Strommarkt der Zukunft sind Investitionen in eine flexible, saubere Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien eindeutig die bessere Wahl.“

 

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