Die andere Hälfte der Energiewende

München, 9. Mai 2019. Mit einem Anteil von mehr als 50 Prozent am Endenergieverbrauch ist der Wärme- und Kältesektor in Deutschland der energieintensivste der drei Verbrauchssektoren Wärme, Strom und Verkehr. In den letzten Jahren hat Deutschland beachtliche Fortschritte in der Transformation des Energiesektors erzielt. Die Energiewende war jedoch bisher vor allem eine „Stromwende“. Allmählich wächst das Bewusstsein, dass der alleinige Ausbau Erneuerbarer Energien zur Stromerzeugung zur Erfüllung der Klimaziele nicht ausreicht. Der Schlüssel zum Erfolg liegt allerdings in der Dekarbonisierung des bislang viel zu wenig beachteten Wärmesektors.

Dekarbonisierung macht Wärmewende notwendig
„Deutschland braucht dringend eine Wärmewende“, so Benjamin Richter, zuständiger Partner für die Themen Wärmeversorgung und Wärmewende bei Rödl & Partner. „Die Dekarbonisierung gefährdet das Geschäftsmodell unzähliger Energieversorger. Doch wo Schatten ist, da ist auch Licht. Mit der „Wärmezielscheibe“ wird eine erste Entscheidungshilfe für eine strategisch und ökonomisch sinnvolle Umsetzung der Wärmewende präsentiert, um die sinkenden Ergebnisbeiträge aus dem Handel mit fossilen Energieträgern über die Wärmeversorgung aufzufangen.“ ergänzt Richter.

2018 erzielte der Einsatz Erneuerbarer Energien 37,8 Prozent der Bruttostromproduktion und damit eine neue Rekord-Marke. Von dieser Entwicklung ist der Wärmemarkt noch weit entfernt: Der Anteil Erneuerbarer Energien beträgt lediglich 13,9 Prozent. 92 Prozent der gesamten Wärmeversorgung geschieht dezentral in vor allem fossil befeuerten Einzelanlagen oder über Objektversorgung. Die restlichen 8 Prozent nimmt die leitungsgebundene Fernwärmeversorgung ein.

Der Großteil der deutschen Wärmeversorgung erfolgt über fossile Energieträger, die 2017 insgesamt mit einem Importvolumen von 57,6 Mrd. Euro zu Buche schlugen. Bei einer Versorgung der Haushalte mit lokal erzeugter Wärme kann ein Großteil dieser Mittel in der Region verbleiben. „Die Milliarden, die aktuell für den Bezug von fossilen Energien ins Ausland abfließen, stellen das Marktpotenzial der deutschen Versorgungswirtschaft dar.“ erläutert Richter und weist damit auf ein bislang kaum beachtetes Potenzial der Dekarbonisierung hin.

Konzeptpapier für Politik und Entscheidungsträger
Die von Rödl & Partner entwickelte „Wärmezielscheibe“ stellt anhand einer einfachen und nachvollziehbaren Vorgehensweise ein Hilfsmittel für Politik und Entscheidungsträger dar, um den Fokus darauf zu legen, schnelle und effektive Erfolge bei der Dekarbonisierung des Wärmemarktes zu erzielen. Es gilt, durch Investitionssicherheiten, Anreizsysteme und klar formulierte Ziele die Versorger bei den Aufgaben zur Transformation des Wärmemarktes zu unterstützen.

Die Transformation des Wärmemarktes stellt eine Chance für Versorger dar, wenn die Trends frühzeitig erkannt und die richtigen Weichen gestellt werden. Dann kann die Wärmeversorgung langfristig einen wichtigen Beitrag zum Geschäftserfolg leisten und die heutigen Erlöse aus dem Handel mit fossilen Energieträgern substituieren. Richter: „Wir wollen mit unserem Konzeptpapier eine lebendige Diskussion anregen. Denkverbote darf es nicht geben, genauso wenig wie fehlende Ziele und ambitionierte Entscheidungsträger, um die Wärmewende erfolgreich umzusetzen!“

Das Konzeptpapier wird im Rahmen eines Webinars „Netzwerk Wärmewende“ am 21.5.2019 den Teilnehmern vorgestellt. Details zu dem Webinar erhalten Sie unter katja.roesch@roedl.com.

Pressekontakt

Rödl & Partner
Benjamin Richter, Partner, Diplom-Betriebswirt (FH)
Telefon: +49 89 9287 80350
E-Mail: benjamin.richter@roedl.com
Internet: www.roedl.de