Strategische Reserve vs. Kapazitätsmarkt

kapazitaetsmarkt_artikelEnde Juli hat das Bundeswirtschaftsministerium mehrere Gutachten zur Versorgungssicherheit und Funktionsfähigkeit des Strommarkts veröffentlicht. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass es im derzeitigen Marktdesign noch einige Optimierungspotenziale gibt, um vorhandene Flexibilitätspotenziale zu erschließen und Fehlanreize hinsichtlich der Integration Erneuerbarer Energien und Klimaschutz abzubauen. Erst danach solle über die von Teilen der Energiewirtschaft geforderten Kapazitätsmärkte entschieden werden. Für eine sichere Stromversorgung seien Kapazitätsmechanismen aus heutiger Sicht nicht erforderlich. Sie würden vielmehr zu erheblichen Mehrkosten für die Stromverbraucher führen und seien mit hohen regulatorischen Risiken verbunden. Auch seien Kapazitätsmärkte nicht dazu geeignet, den CO2-Ausstoß im Stromsektor zu senken.

Die Gutachten sind zu finden in der Studiendatenbank des AEE-Forschungsradars »

Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) fühlt sich durch die jüngsten Gutachten im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums zu Kapazitätsmechanismen in seiner Position bestätigt. „Es wäre ein schwerer Fehler, neue Finanzhilfen für alte, schmutzige Kraftwerke einzuführen“, warnt BEE-Geschäftsführer Dr. Hermann Falk. „Das würde Milliardenkosten für die Stromverbraucher bedeuten und den Umbau unserer Energieversorgung in Richtung Nachhaltigkeit blockieren. Hier muss die Bundesregierung standhaft bleiben.“

Das DIW Berlin betrachtet in seinem Wochenbericht Nr. 30/2014 die Möglichkeiten der grenzübergreifenden Koordination einer Strategischen Reserve, die den Strommarkt absichert und die Energiewende in Deutschland und Europa unterstützt. Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass die Vorhaltung von Erzeugungskapazitäten außerhalb des marktbasierten Stromhandels die Versorgungssicherheit für extreme Knappheitssituationen erhöhen kann. Zudem sei eine mit dem EU-Strombinnenmarkt kompatible Ausgestaltung möglich.