Eine Reise durch die Disziplinen

Hennicke_E-Wende_FukushimaDer erneute Beschluss der Bundesregierung, aus der Atomkraft auszusteigen, ließ im Sommersemester 2012 Wissenschaftler aus den verschiedensten Disziplinen in der Ringvorlesung „Die Energiewende – Beiträge der Wissenschaft“ zusammentreffen. Daraus entstand der vorliegende Sammelband, in dem 30 Autoren in gegenseitiger Bezugnahme die Energiewende aus technologischer, politischer aber auch psychologischer und sozialwissenschaftlicher Perspektive beleuchten. So unterschiedlich wie die abgedeckten Disziplinen sind auch die Ausgangspunkte und Ergebnisse. Da ist die Rede von „struktureller Verkrustung“ der deutschen Energiewende und einer „Kostenexplosion“ der Preise, aber auch von der „Vorreiterrolle“ Deutschlands im internationalen Diskurs. Im Querschnitt sind sich die Autoren dann aber alle einig: Die Energiewende in Deutschland bringt mehr Chancen als dass sie Risiken birgt.

Welche Lehren allerding aus dem im Titel erwähnten Unglück in Fukushima gezogen werden können, bleibt bis zum Ende des Bandes unklar. Bis auf einen Beitrag, ist der direkten Bezug zu Fukushima nur marginal, der Fokus liegt auf den Entwicklungen in Deutschland, die in dieser Form auch schon vor dem Unglück begannen. Innerhalb des deutschen Diskurses glänzt das Buch jedoch durch die Auswahl der Autoren und Beiträge, die den Sammelband für Wissenschaftler, „Prosumer“ und Laien interessant macht. Durch die stilistische Vielfalt der Beiträge wird das Lesen zu einer spannenden Reise durch die Diskurse rund um Energie, Nachhaltigkeit und Postwachstum.

Jörg Radke, Bettina Hennig:
Die deutsche ‚Energiewende‘ nach Fukushima. Der wissenschaftliche Diskurs zwischen Atomausstieg und Wachstumsdebatte.
Metropolis-Verlag für Ökonomie, Gesellschaft und Politik, 2013
442 Seiten
34,80 €
ISBN: 978-3-7316-1028-1