BP hat keinen Platz für Ladesäulen

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Werden Tankstellen neben Diesel, Benzin, Kaugummis und Baguettebrötchen bald auch Ladestationen für Elektromobilität im Angebot haben? Die Antwort von BP-Europachef Wolfgang Langhoff ist ebenso kurz wie eindeutig: Nein. Die Argumente, u.a.: Die eigenen Tankstellen böten zu wenig Platz zum Aufladen. Weiterhin spielt Langhoff mit dem Henne-Ei-Problem und argumentiert, in Deutschland gäbe es zu wenig Elektroautos, so dass der Konzern kein wirtschaftliches Konzept für den Aufbau von Ladeinfrastruktur sehe.

Im Ernst: Kann man von einem Konzern erwarten, dass er neben dem Kerngeschäft auch in ein neues Marktsegment investiert? Das wäre ja so, als würde ein Fleischfabrikant Veggie-Schnitzel produzieren. Oder so, als würde ein konventioneller Energiekonzern in der Debatte um einen deutschen Kohleausstieg die Position vertreten, der Kohleausstieg stehe faktisch fest und die entscheidenden Fragen sei nicht das „Ob“, sondern das „Wann“.

Zwar zeigt ein Beispiel aus Wolfsburg, dass das Festhalten an veralteter Technik durchaus politische Unterstützung erfahren kann, dadurch kein Beinbruch sein muss und Umsätze selbst nach einem Abgasskandal schnell wieder zunehmen können. Vielleicht fährt BP also doch auf der richtigen Spur. Dennoch sei an dieser Stelle an einen finnischen Mobilfunkanbieter erinnert, der nach der Jahrtausendwende der unangefochtene Big Player für Handys war und Marktanteile von über 50 Prozent erzielte. Doch dann verschlief das Unternehmen den Smartphone-Trend, hielt zu lange am Tastentelefon fest und rutschte in die Bedeutungslosigkeit ab.

Die Zukunft wird zeigen, wie lange sich die traditionelle Automobil- und Rohstoffindustrie noch auf das Henne-Ei-Argument zurückziehen können. Im kleinsten Staat der Welt, dem Vatikanstaat, scheint man das Problem des mangelnden Platzes für Ladesäulen im Gegensatz zu BP nicht zu haben: Nach Papst Benedikt XVI. fährt auch Franziskus mit einem Elektroauto.

Der monatliche Kurzschluss erscheint im Renews, dem monatlichen Newsletter der Agentur für Erneuerbare Energien. Er behandelt stets ein Thema der aktuellen energienergiepolitischen Debatte - mit Augenzwinkern.