World Energy Outlook: Die jährliche Verkennung der Solarenergie

RT_pixabay_Bereits seit 40 Jahren wird der Weltenergie-Bericht (World Energy Outlook, WEO) von der Internationalen Energieagentur (IEA) veröffentlicht. Der rund 700 Seiten lange Bericht wird gerne als die „Bibel der Energiewirtschaft“ bezeichnet. So ist er maßgebliche Quelle für Energiemarktanalysen und -prognosen. Regierungen dienen die Szenarien des WEO zur Ausrichtung ihrer Energiepolitik. Dreh- und Angelpunkt sind Annahmen zum künftigen Energieverbrauch und zu Technologietrends. Eine Konstante, die zunehmend auf Interesse in den Medien stößt: Die Erneuerbaren Energien werden im WEO regelmäßig unterschätzt. Für Nils-Viktor Sorge vom Manager Magazin, war das Jubiläum Anlass genug, den internationalen Autoren eine verheerende Bilanz ihrer Ergebnisse zuzuschreiben. Die Analyse lasse an der Bedeutung des Outlooks erheblich zweifeln. In seinem Bericht „Sieben drastische Fehlannahmen des World Energy Outlook“ konstatiert er,  die IEA versage auf dem Feld der Solarenergie komplett. So weigere sich die Organisation, den seit vielen Jahren politisch angestoßenen und schließlich auch tatsächlichen Vormarsch der Solarenergie überhaupt wahrzunehmen. Sorge verweist hierbei auf kontinuierlich IEA-Fehleinschätzungen. „Der Bericht des Jahres 2006 ging etwa davon aus, dass der weltweite jährliche Zubau von einem Gigawatt (GW) 2005  auf 7 GW für 2030 steigen würde. In der Realität war dieses Ausbautempo allerdings schon 2008 erreicht.“ Wohlgemerkt, Branchenkenner rechnen für  2017 mit einem Zubau von 100 GWt und folglich einem Rekord im Bereich der Solarenergie.  Zum aktuellen WEO merkt Sorge an: „Immerhin haben sie inzwischen ein besonders aggressives Szenario hinzugefügt, nachdem der Ausbau bis 2040 langsam auf 140 Gigawatt jährlich zulegen und die Photovoltaik dann einen Anteil von 15 Prozent an der weltweiten Stromerzeugung erreichen könnte.“

„Extrem vorsichtig und zurückhaltend“

Die Tageszeitung Die Welt stellt zum aktuellen World Energy Outlook fest, dass die IEA „extrem vorsichtig und zurückhaltend“ gegenüber alternativen Energieträgern sei. Welt-Journalistin Claudia Wanner verweist in ihrem Beitrag jedoch darauf, dass die IEA im Oktober dieses Jahres „den Beginn einer neuen Ära von solarer Photovoltaik“ immerhin ausgerufen habe.

Die österreichische Tageszeitung Die Presse lenkt das Augenmerk auf den Energieverbrauch. So profitieren die Erneuerbaren Energien vom raschen Anstieg der Stromerzeugung. Der Energiebedarf im Jahr 2040 wird laut WEO um insgesamt 30 Prozent zunehmen. Dies entspricht dem heutigen Energiebedarf Chinas und Indiens. 40 Prozent der 2024 weltweit erzeugten Elektrizität werde Ökostrom sein. Derzeit liegt der Anteil bei 24 Prozent. Insbesondere China kommt bei den Erneuerbaren Energien eine Schlüsselrolle zu. So erzeugt kein anderer Staat mehr Wind-, Solar- und Wasserkraft als die Volksrepublik. „Photovoltaik werde dank enormer Investitionen aus Indien und China die stärksten Zuwachsraten im Bereich der erneuerbaren Energieträger sehen. In Europa dürfte hingegen Windkraft den größten Teil des erneuerbaren Stroms sicherstellen“, so  Die Presse zum WEO.

Der WEO nimmt neben China auch die USA gezielt unter die Lupe. So geht die IEA davon aus, dass die Vereinigten Staaten bis 2025 zu Saudi-Arabien als Produzent von Erdöl aufschließen. Bis 2040 wird sich die globale Ölförderung laut IEA knapp halbieren. Mitte 2020 werden die USA zugleich weltgrößter Gas-Exporteur sein. Der Verbrauch von Erdgas soll bis 2040 um 45 Prozent ansteigen, so man den IEA-Prognosen glaubt.

Das Infoportal Solarify der Max-Planck-Gesellschaft für Nachhaltigkeit, Erneuerbare Energien, Klimawandel kritisiert, dass der WEO noch nie die Themen Designer Fuels oder Synthetische Kraftstoffe berücksichtigt habe. So könnten diese zu allen Planungen zu Öl und Gas betreffend sein.     

2040 wohl 280 Millionen Elektroautos

Der Business Insider setzt seinen Fokus  zum WEO auf die Elektromobilität. Der IEA zufolge wird die Zahl von Elektroautos im Jahr 2040 auf 280 Millionen anwachsen. Zeitgleich werde sich jedoch die Gesamtzahl an Autos von einer Milliarde auf zwei Milliarden verdoppeln. Derzeit sind lediglich eine Million Elektroautos weltweit auf den Straßen unterwegs. Die Erneuerbaren Energien werden in China den Anteil der Energie aus Kohlekraftwerken überholen. Grund zum Jubeln sei dies jedoch nicht. Werde kein globales Umdenken in allen Wirtschaftszweigen stattfinden, so werde der durchschnittliche Jahresanstieg der CO2-Emission bei 0,4 Prozent liegen. Die Energy Post stuft die Erkenntnisse des WEO als wenig beruhigend ein. So geht die IEA bei Einhaltung aller Klimaschutzversprechen davon aus, dass der Anteil fossiler Brennstoffe im Jahr 2040 bei 75 Prozent liegen wird. Die weltweite Energienachfrage nach Wind- und Solarenergie werde  lediglich bei 6,4 Prozent liegen. Vor diesem Hintergrund wirft die Energy Post in Anlehnung an den Namen des Berichts die Frage auf: Ist das wirklich der Ausblick auf die weltweite Energie?

- Dieser Artikel wurde im Renews, dem Newsletter der Agentur für Erneuerbare Energien, veröffentlicht. -