Ein Franchise-System für Photovoltaik
Die PV Green Franchise GmbH wurde 2021 von Cord Kappe gegründet und ist als Franchise-System für Photovoltaik, Speicher und Wärmelösungen organisiert. Geschäftsführer des Unternehmens sind Cord Kappe und Hanno Abdulrahman.
Herr Kappe, Sie sind gelernter Metzgermeister, Inhaber und Geschäftsführer einer Edeka-Filiale in Wunstorf und haben 2021 das Photovoltaik-Unternehmen PV Green gegründet. Ihre Vita unterscheidet sich deutlich von der vieler Gründer in der Solarbranche. Was hat Sie dazu bewogen, in die Photovoltaik einzusteigen? Gab es einen konkreten Auslöser oder ein Schlüsselerlebnis?
Durch den Umbau meines EDEKA-Marktes in Wunstorf im Jahre 2009 bekam das Thema regenerative Energie eine große Bedeutung für mich. Ich war und bin der Meinung, dass es sehr schlau ist, den Strom dort zu erzeugen, wo er gebraucht wird. Wir installierten die erste PV-Anlage (85 kWp), einschließlich Blockkraftwerk, Wärmerückgewinnung und einer intelligenten Kältesteuerung. In 2015 kam eine 99 kWp PV-Parkplatzüberdachung auf einem 1.000 Quadratmeter Carport hinzu. In 2020 wurde auf dem EDEKA-Markt eine zweite Anlage mit 48 kWp und Ost-West Ausrichtung errichtet. In der Folge wurde unserem Betrieb vom NABU der „Grüne Einkaufskorb“ verliehen. Ich selbst wurde als „Grünster Kaufmann Deutschlands“ bezeichnet. Der Auslöser, PV Green zu gründen, war der Wunsch, jungen Menschen zu helfen, ein eigenes Unternehmen aufzubauen und dadurch das Thema erneuerbare Energien einem größeren Bevölkerungskreis zugänglich zu machen.
PV Green ist seit der Gründung stark gewachsen, Welche Strategien verfolgen Sie bei der Gewinnung und Ausbildung von Fachkräften? Wie genau funktioniert Ihr Geschäftsmodell?
Aktuell haben wir in den eigenen Betrieben in Sachsenhagen und in Gifhorn 85 Mitarbeiter. Weitere gut 60 Mitarbeiter sind bei den Franchisenehmern beschäftigt. Wir sind Ausbildungsbetrieb an den eigenen Standorten. Durch unseren Dachunterkonstruktionspartner SUNKON werden berufsähnliche Neustarter entsprechend geschult. In der PV Green Gruppe arbeiten wir mit eigenen Mitarbeitern und einem eigenen Elektromeister. Für die Rekrutierung neuer Mitarbeiter haben wir unsere Social-Media-Aktivitäten hochgefahren – wir haben gutes Marketing und eine gute Story, die wir an die Fachkräfte verkaufen. Innerhalb der Gruppe, wir sprechen hier auch gerne von „Familie“, herrscht eine große Hilfsbereitschaft. So unterstützen sich die Franchisenehmer untereinander, um z. B. kurzfristig auftretenden Personalengpässen zu begegnen. Wir haben eigene Teams für Dachdecker, Klempner und Elektriker. Gelegentlich wird auf regionale Partnerunternehmen zurückgegriffen.
Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern von PV-Systemen? Wie sieht das Geschäftsmodell von PV Green konkret aus? Welche Leistungen übernimmt das Unternehmen selbst – von der Beratung über die Planung bis zur Installation und Wartung – und welche Rolle spielen Partnerunternehmen?
Ähnlich dem EDEKA-Prinzip: Alles aus einer Hand. Unser Leitspruch lautet: Gemeinsam nachhaltig! Unsere eigenen Betriebe sowie die Betriebe der Franchisenehmer kommen aus der jeweiligen Region, schaffen vor Ort Arbeitsplätze, sind in Verbänden und Vereinen aktiv und stehen als anerkannte Fachleute mit Rat und Tat zur Seite. Dabei achten wir darauf, dass wir unseren Kunden nur dann zum Kauf einer PV-Anlage raten, wenn diese zu den Zielen und Wünschen des Kunden passt und somit einen echten Mehrwert bietet. Wir haben mit unserem Franchise-System aber auch schon insolvente Unternehmen wieder fit gemacht, an vielen Standorten beginnen wir bei null. Durch unsere geteilten Strukturen beispielsweise bei IT, Einkauf und Qualitätsmanagement schaffen wir ideale Voraussetzungen für den selbständigen Franchisenehmer.
Der Ausbau der Photovoltaik hängt nicht nur von der Nachfrage ab, sondern auch von Genehmigungen, Netzanschlüssen und Fachkräften. Wo sehen Sie derzeit die größten Hemmnisse beim weiteren Ausbau der Solarenergie in Deutschland?
In vielen Gesprächen spüren wir die allgemeine, immer wieder neu befeuerte Unsicherheit durch die Politik. Wir sind jedoch fest davon überzeugt, dass der Markt „das regelt“. Ein SHK-Meister sagte mir vor ein paar Tagen: „Ich verkaufe meinen Kunden keine Gas- oder Ölheizung mehr. In fünf Jahren wird mich der Kunde, der vielleicht sogar noch mein Freund ist, beschimpfen, wie ich ihm diese ‚alte‘ Heizung verkaufen konnte. Die Preise für Öl und Gas werden durch die Decke gehen.“
Sie kommen aus einem Familienunternehmen mit langer Kundennähe. Wie wichtig ist Ihnen dieser persönliche Kontakt im Vergleich zu den vielen digitalen Solar-Anbietern, die über große Marketingkampagnen Kunden gewinnen?
Sehr wichtig! Und das soll auch weiterhin unsere Stärke bleiben und der Unterschied sein. Jeden Tag die Kunden zufriedenstellen, dadurch weiter empfohlen werden, wieder neue Kunden zufriedenstellen usw. Zufriedene Kunden und die Weiterempfehlung sind das A und O. Wir treffen unsere Kunden jeden Tag. Beim Bäcker, beim Schlachter und auf der Straße. Ich selbst sogar in meinem EDEKA-Markt. Das bedeutet: viel Regionalität und enger Kontakt zum benötigten Handwerksunternehmen. Der persönliche Kontakt ist sozusagen Teil unserer DNA.
Wo sehen Sie PV Green in fünf Jahren?
Aktuell haben wir zwei eigene Standorte und 17 Franchise-Standorte. Laut Plan sollen es dann 75 Standorte in Deutschland sein. Das hört sich so leicht an – tatsächlich ist es immer auch ein kleiner Kraftakt, die richtigen Leute an die richtige Stelle zu bringen und den geeigneten Geschäftsführer zu finden.

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