Wer wird Energielandwirt des Jahres 2026?
Die Landwirtschaft steht vor großen Herausforderungen. Angesichts von Energiewende und steigenden Preisen sind innovative Lösungen gefragt. Der CERES AWARD würdigt bereits im dreizehnten Jahr Landwirt*innen, die mit ihrem Innovationsgeist und Unternehmertum die Zukunft gestalten.
Aus zahlreichen Bewerbungen aus Deutschland und dem europäischen Ausland wurden 21 Kandidat*innen für die Shortlist des CERES AWARD 2026 ausgewählt. Diese Finalist*innen treten in insgesamt sieben Kategorien an: Energie, Geflügel, Junglandwirt*in, Rind, Schwein, Ackerbau und Unternehmerin, wobei letztere ausschließlich für Frauen ausgelobt wird. Schließlich wird am 21. Oktober in Berlin eine Person zur oder zum Landwirt*in des Jahres 2026 gekürt.
Die Kategorie Energie wird von der R+V Versicherung gesponsert. Auch die AEE ist als ideelle Unterstützerin wieder mit dabei, vertreten durch unsere Kollegin Bettina Bischof, die als Mitglied der Jury in dieser Kategorie mitwirkt. Zusammen mit Dr. Matthias Baum (R+V Allgemeine Versicherung AG, Leiter KompetenzCenter Firmenkunden) und Julia Schürer (Redakteurin agrarheute) besuchte sie die drei Finalisten, um sich ein persönliches Bild von deren Projekten zu machen. Wir stellen vor:
Daniel Königs, Neuss
Daniel Königs hat seinen Hof in den letzten Jahren zu einem Vorbild für die Energiewende in der Landwirtschaft ausgebaut. Im Mittelpunkt steht eine Biogasanlage, die nicht nur Energie erzeugt, sondern mit Biomethan einen klimafreundlichen Kraftstoff produziert. Dieser wird an der hofeigenen BioCNG-Tankstelle vor allem für Lkw verkauft – ein geschlossener Kreislauf, der Landwirtschaft, Energieerzeugung und Mobilität verbindet. Die Anlage wurde bereits 2006 in Betrieb genommen. Besonders ist der Rohstoffmix: Er füttert seine Anlage überwiegend mit Pferdemist, dazu kommen weitere Feldfrüchte wie etwa Zuckerrüben. Rund 24.000 Tonnen pro Jahr werden verarbeitet. Die Absatzmengen für 2026 wird auf 1 Mio kg BioCNG prognostiziert. Die Gärreste dienen als Dünger und ersetzen Mineraldünger. So wird aus einem Entsorgungsproblem ein nachhaltiger Rohstoff, der ohnehin anfällt. 1.500 Pferde aus dem Umland liefern dabei nicht nur den Rohstoff, sondern tragen auch zur regionalen Wertschöpfung bei. Neben der Energieproduktion bewirtschaftet der Hof 110 Hektar landwirtschaftliche Fläche mit Silomais, Winterweizen und Zuckerrüben – doch Mais spielt hier nur eine untergeordnete Rolle. Stattdessen setzt Königs bewusst auf organische Reststoffe wie Pferdemist und zeigt, wie Landwirtschaft ressourcenschonend und zukunftsfähig gestaltet werden kann. Die zwei New Holland Methan Power-Traktoren mit CNG-Antrieb, die an der eigenen Tankstelle tanken, unterstreichen dies: Sie fahren mit klimaneutralem Kraftstoff, der direkt vor Ort produziert wird, und demonstrieren, wie nachhaltige Mobilität in der Landwirtschaft funktioniert.
Franz Xaver Kirchmaier, Chieming
Der Hof von Franz Xaver Kirchmaier in Chieming verbindet drei zentrale Bereiche: Erneuerbare Energien, nachhaltiger Tourismus und eine vielseitige Landwirtschaft. Seit 2012 betreibt Kirchmaier eine 75-kW-Biogasanlage, die überwiegend mit Gülle und Mist aus dem eigenen Stall gespeist wird. Ergänzt wird das Konzept durch eine 150-kW-Holzgasanlage und eine 1,2-MWp-Photovoltaikanlage, die für CO₂-neutrale Strom- und Wärmeerzeugung sorgen. Die Abwärme der Anlagen heizt nicht nur das Wohnhaus, sondern auch Nachbarhäuser, Ferienwohnungen, den Außenpool und das Hofcafé. Ohne diese Anlagen wäre der Hof heute kaum wettbewerbsfähig. Sie machen ihn unabhängig von Energieimporten, verwerten Gülle sinnvoll und sichern die wirtschaftliche Zukunft des Erbhofes. Der Tourismus ist das zweite Standbein: Die 5-Sterne-Ferienwohnungen und der Hofladen ziehen Gäste an, allein der Laden erzielt bis zu 1.000 Euro Umsatz pro Tag. Die Lage direkt am Chiemsee und die Einblicke in moderne Landwirtschaft machen den Hof zu einem beliebten Ziel für Tagesausflügler*innen und Urlauber*innen. Die Landwirtschaft liefert mit 190 Milchkühen, Schweinen, Puten, Ziegen, Schafen, Hühnern, Kaninchen und Alpakas die Rohstoffe für die Biogasanlage und schafft so die Grundlage für den Betrieb. Die Ferienwohnungen und der Hofladen profitieren von dieser ländlichen Idylle. Alles ist Teil eines geschlossenen Kreislaufs, der den Hof zu einem Beispiel für nachhaltige Landwirtschaft macht.
Wolfgang Löser, Niederhollabrunn (AT)
Der Hof von Wolfgang Löser in Österreich ist ein Vorbild für energieautarke Landwirtschaft. Der Betrieb nutzt Pflanzenöl als Kraftstoff für Traktoren und E-Pkw, betreibt ein Pflanzenöl-BHKW, PV-Anlagen, eine Biomasseheizung und ist an Windenergieanlagen beteiligt. Zudem setzt er auf einen Batteriespeicher, um die erzeugte Energie zu puffern. Ein zentraler Baustein ist der Anbau von Sonnenblumen, aus denen in der eigenen Ölmühle hochwertiges Pflanzenöl gewonnen wird. Der Presskuchen, ein Restprodukt der Ölherstellung, wird als eiweißreiches Futtermittel verkauft. So entsteht ein nahezu geschlossener Kreislauf: Die Sonnenblumen liefern Treibstoff und Futter, während der Betrieb gleichzeitig energieautark wird. Die Traktoren sind für den Betrieb mit Pflanzenöl umgerüstet, da es zähflüssiger ist als Diesel. Die Technik gilt als ausgereift und zuverlässig und wird seit Jahren erfolgreich eingesetzt. Für Löser bedeutet das vor allem mehr Unabhängigkeit: Steigende Dieselpreise oder Krisen verlieren an Bedeutung, wenn der Kraftstoff auf den eigenen Feldern wächst. Gleichzeitig bleibt die Wertschöpfung auf dem Hof und in der Region. Das Konzept ist skalierbar und lässt sich auf jede Betriebsgröße übertragen – in Österreich reichen bereits zehn bis 15 Prozent der Fläche eines Landwirtschaftsbetriebes, um sich mit eigenem Öl zu versorgen.
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