Wärme über Grenzen hinweg: Görlitz macht Kohleausstieg zum Gemeinschaftsprojekt

Berlin, 10. Juli 2026 – Die Agentur für Erneuerbare Energien e. V. (AEE) zeichnet die Stadt Görlitz als Energie-Kommune des Monats Juli 2026 aus. Seit die Stadt 2019 ankündigte, bis 2030 klimaneutral werden zu wollen, hat sich aus dem politischen Ziel ein breiter Transformationsprozess entwickelt – getragen von einer engen deutsch-polnischen Zusammenarbeit.

© Stadtwerke Görlitz / Kristian Scheffler

Zentrales Vorhaben ist dabei das Projekt UNITED HEAT: Die Stadtwerke Görlitz AG und der polnische Partner SEC Zgorzelec verbinden die Fernwärmenetze beider Städte und stellen sie auf Erneuerbare Energien um – ein Mix aus Bioenergie, Aquathermie aus dem Berzdorfer See und gereinigtem Abwasser sowie Solarthermie. Bei Gesamtkosten von rund 195 Millionen Euro sollen künftig jährlich etwa 50.000 Tonnen CO₂ eingespart werden. Ergänzt wird das Vorhaben durch zwei weitere grenzüberschreitende Projekte: „Energizing Borders", eines von wenigen EU-Pilotprojekten zum Aufbau grenzüberschreitender Energiegemeinschaften, in dem gemeinsame Lösungen für die Netzengpässe entwickelt werden, die den Anschluss weiterer EE-Anlagen erschweren; „CRossWATER" - in dem die TU Dresden und die Schlesische Universität Katowice ein gemeinsames Management für das grenzüberschreitende Grundwasservorkommen beider Städte entwickeln.

Getragen wird dieser technische Wandel von einem ebenso intensiven Beteiligungsprozess: Im vierjährigen Forschungsprojekt TRUST, begleitet vom Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung, entwickelten rund 40 Akteur*innen aus Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft in sogenannten Transformationsarenen gemeinsam Pfade für Energie, Mobilität und Stadtentwicklung.

„Görlitz zeigt, wie sich Klimaneutralität nicht als isoliertes Infrastrukturprojekt, sondern als gemeinsame Aufgabe von Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft über Landesgrenzen hinweg gestalten lässt", sagt AEE-Geschäftsführer Dr. Robert Brandt. „Gerade für kleinere und mittlere Städte im Strukturwandel ist das übertragbar: Transformation beginnt nicht zwingend mit großen Verwaltungsapparaten, sondern mit vorhandenen Netzwerken, Vertrauen und der Bereitschaft zur Zusammenarbeit.“

Das ausführliche Portrait zur Energie-Kommune des Monats finden Sie hier: https://energie-kommunen.unendlich-viel-energie.de/energie-kommunen/goerlitz