"Bürgerenergie" dominiert 3. Wind-Ausschreibung

Windpark_3_72dpiAm 22. November veröffentlichte die Bundesnetzagentur die Ergebnisse der dritten Ausschreibungsrunde für Windenergie an Land mit Gebotstermin zum 1. November 2017. Die Zuschläge dieser Runde bestätigen die schon bei den ersten beiden Ausschreibungsterminen beobachtbaren Trends: So ist erstens die Höhe der Zuschläge auf nunmehr nur noch 3,8 Cent pro Kilowattstunde (Ct/kWh) weiter deutlich gesunken. Der Durchschnittspreis liegt damit erstmals unter der magischen Grenze von 4 ct/kWh. Das geringste bezuschlagte Gebot hatte gar nur eine Höhe von 2,2 Ct/kWh.

Neben der Preisentwicklung gab es zweitens auch eine gewisse Kontinuität in der regionalen Verteilung der Zuschläge. Sowohl die Konzentration der Zuschläge auf Norddeutschland, vor allem aber die Fortsetzung, dass sich im Süden der Republik kaum Projekte durchsetzen konnten, ist auch in dieser dritten Ausschreibungsrunde zu konstatieren. Laut der Fachagentur Windenergie an Land sind bei allen Ausschreibungen 2017 rund 85 Prozent der Zuschläge in die Nordhälfte Deutschlands gegangen, obwohl die Küstenländer und die nördlichen Stadtstaaten zum sogenannten Netzausbaugebiet gehörten und dort der Zuschlag theoretisch begrenzt war, auch wenn die limitierende Leistungsgrenze in der Praxis nicht erreicht wurde. Diese Verteilung unterscheidet sich deutlich vom sehr viel ausgewogeneren Ausbau der letzten Jahre, bei welchem die Südländer immerhin Anteile von 25-35 Prozent erreichten.

Zu dieser immer stärker ausgeprägten regionalen Unwucht kommt mit dem dritten Trend, nämlich der Dominanz von nach Maßstäben des EEG als Bürgerenergie definierten Projekten, eine weitere Unsicherheit in den Windenergie-Ausbau. In der letzten Ausschreibungsrunde von 2017 entfielen 99,2 Prozent des gesamten Zuschlagsvolumens auf Bürgerenergieprojekte, ein einziger Zuschlag unterlag nicht den entsprechenden Sonderregelungen. Schon in den beiden vorherigen Ausschreibungsrunden entfiel zwar jeweils die Mehrheit der Zuschläge auf Bürgerenergie-Angebote, allerdings mit nicht ganz so hohen Anteilen. Da Projekte, die nach den Kriterien des EEG als Bürgerenergie gelten, einerseits keine Genehmigung zur Teilnahme an der Auktion benötigten und weniger Sicherheiten hinterlegen mussten sowie andererseits mehr Zeit zur Realisierung der Projekte haben, droht eine deutliche Verschiebung des Windenergie-Zubaus; in den Jahren 2019 und 2020 könnten damit kaum Projekte gebaut werden - sofern die bezuschlagten Projekte überhaupt alle eine Genehmigung erhalten und es damit nicht generell zu einem, gegenüber den Plänen der Bundesregierung, deutlich reduzierten Ausbau kommt.

Angesichts dieser Entwicklungen sind die Branchenverbände sehr besorgt und fordern eine Korrektur des bestehenden Ausschreibungsregimes. Zwar hat die Politik schon teilweise reagiert und zumindest für 2018 auch von Bürgerenergieprojekten eine Genehmigung als Voraussetzung für die Teilnahme an den Auktionen festgeschrieben, dies ist jedoch nur eine Übergangsregelung. Der Bundesverband Windenergie fordert stattdessen das Vorliegen einer Bundesimmissionsschutz-Genehmigung zur generellen Vorbedingung zu machen. Um dem regionalen Ungleichgewicht entgegenzusteuern, fordert der Verband ein ganzes Bündel an Maßnahmen, angefangen von grundsätzlich größeren Ausschreibungsvolumina über einfach handhabbare De-Minimis-Regelung und ein Nachsteuern bei den Zuschlägen innerhalb des Referenzertragsmodells bis hin zur Möglichkeit der Direktbelieferung größerer Gewerbe- und Industrieabnehmer.

Auch der VDMA kritisiert die hohen bisherigen Anteile der Bürgerenergie sowie die Verteilung der Zuschläge, thematisiert zudem aber auch die Höhen der bisherigen Gebote. Die starke Kostendegression sei vor allem durch Projekte möglich geworden, die auf geringere Erzeugungskosten künftiger Anlagen spekulieren würden. Da die bisherigen Gebote auch die künftigen Höchstpreise bestimmen würden, käme es zu einer erheblichen Marktverzerrung. Der VDMA fordert daher eine Anhebung des Höchstpreises für die kommenden Ausschreibungsrunden sowie eine erneute Ausschreibung nicht-umgesetzter Projekte. Einig sind sich die Verbände darin, dass die notwendigen Korrekturen dringend umgesetzt werden müssen und trotz der aktuell politisch unklaren Lage nicht verzögert werden dürfen.

- Dieser Artikel wurde im Renews, dem Newsletter der Agentur für Erneuerbare Energien, veröffentlicht. -