naturstrom Vorstand: "Debatten um die Rückkehr der Atomkraft sind absolut überflüssig"
Düsseldorf, 14. April 2026. Zum dritten Jahrestag des endgültigen Ausstiegs Deutschlands aus der Atomenergie erklärt Oliver Hummel, Vorstandsvorsitzender der naturstrom AG:
„Der fossilen Energiekrise zum Trotz: Dass Deutschland am 15. April 2023 das letzte Atomkraftwerk abgeschaltet hat, war die eindeutig richtige Entscheidung. Für einen Weiterbetrieb hätten in die überalterten Meiler noch viele Millionen investiert werden müssen, was selbst deren Betreiber nicht mehr wollten.
Zudem mangelt es aktuell nicht an Strom, sondern an Gas und Öl – hier würden AKW also ohnehin nicht weiterhelfen. Da die Brennelemente oft aus Russland kamen, war der Atomausstieg auch ein wesentlicher Schritt, die Abhängigkeit von autokratischen Regimen zu mindern.
Als Baustein in einem immer flexibler werdenden Stromsystem mit bereits etwa 60 Prozent Erneuerbaren Energien sind die schwerfälligen Großkraftwerke darüber hinaus auch schlicht ungeeignet. Vom Atommüll, für den wir selbst nach jahrzehntelanger Nutzung und Endlagersuche heute und absehbar keine Lösung haben, ganz zu schweigen.
Auch finanziell spricht nichts für neue Atomkraftwerke: Wenn man die Handvoll neuer Anlagen des letzten Jahrzehntes in Europa als Maßstab nimmt, zeichnen sich diese durch Kostenexplosion und immens lange Bauzeiten aus. Ein Desaster für alle Beteiligten und für die Bürger:innen, die die enormen Kosten am Ende fast immer bezahlen müssen. Es gibt viele gute Gründe dafür, warum 2025 bereits unglaubliche 95 Prozent der weltweit zugebauten neuen Stromerzeugungsleistung aus Erneuerbaren Energien kommt. Atomkraft spielt damit beim Neubau wie in den letzten Jahrzehnten auch weiterhin keine relevante Rolle. Sie rechnet sich einfach nicht.
Fusionsenergie und Kleinreaktoren sind Irrlichter der Energiepolitik.
Auch für die aktuell von Atomkraft-Anhänger:innen mit viel Hoffnung verbundenen Small Modular Reactors (SMR) gilt, dass kurzfristige Profite von Großunternehmen mit massiven volkswirtschaftlichen Kosten und Altlasten für kommende Generationen einhergehen. Dabei sind diese kleineren Atomkraftwerk-Varianten auch längst nicht marktreif. Selbst wenn die technischen und wirtschaftlichen Hürden überwunden würden, was sehr fraglich scheint, bleiben die Erneuerbaren einfach die bessere Lösung.
Eigentlich ist völlig unklar, was sachlich für Atomkraft sprechen könnte außer der Begeisterung für strahlende Atome: teuer, riskant, mit ungelöster Müllentsorgung und neuen Rohstoff-Abhängigkeiten. Und keineswegs immer konstant verfügbar, gerne auch ausfallend, wegen zu warmer Flüsse, Rissen im Beton, Quallenschwärmen in den Filtern, usw.
Das Ganze wird nur noch durch die Fusionsenergie getoppt, die seit Jahrzehnten 30 Jahre vor dem Durchbruch steht und die Bundeskanzler Merz zuletzt prominent erwähnte. Ihr wirtschaftlicher Hochlauf ist noch überhaupt nicht in Sicht und es wird viel zu lange dauern, um heutigen Herausforderungen zu begegnen. Bis die Technologie fertig sein könnte, muss die Energiewende bereits abgeschlossen sein.
Es bleibt daher dabei: Debatten um die Rückkehr der Atomkraft sind absolut überflüssig. Zur neuen flexible Energiewelt und für die Zukunft der Energieversorgung wird sie einfach nicht mehr benötigt."
Pressekontakt
Finn Rohrbeck
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