Ein Klimatarif mit 100 % Atomstrom

kurzschlussteaser_250Es klingt wie eine Schlagzeile des Satire-Portals Der Postillon. Doch ein neuer Stromanbieter meint es tatsächlich ernst mit „Öko-Atomstrom“ und will seinen Kunden Strom zu 100 Prozent aus Atomkraftwerken anbieten. Reine Kernenergie sei zweifelsfrei „der effektivste Weg “ beim Klimaschutz, wirbt Patrick Moore, ein ehemaliger Greenpeace-Aktivist, für den Stromanbieter. Wenn die Atomkraft wirklich einen Klimaschutzbeitrag leisten will, sollte sie aber doch etwas schneller zu Potte kommen. Die Zahl der Reaktoren, die weltweit in Betrieb sind, ist von 2013 auf 2014 von 427 auf 388 gefallen. Jedes Jahr gehen mehr Meiler vom Netz als neu gebaut werden. 4,4 Prozent der weltweiten Energieproduktion stammen derzeit nur noch aus Atomkraftwerken. Damit wird es schon schwer, einen „effektiven“ Beitrag zu leisten. Fast alle Neubauprojekte verzögern sich um Jahre. So auch der 1,7-GW-Atomreaktor im finnischen Olkiluoto. Er befindet sich seit dem Jahr 2005 im Bau. Im selben Zeitraum gingen in Deutschland bereits 55 GW an Erneuerbaren Energien ans Netz. Die Strombereitstellung ist von 63 auf 153 Terawattstunden gestiegen und die Kosten sind rapide gefallen. Die hohen Subventionen für den Bau des AKW im englischen Hinkley Point zeigen, wie teuer die Atomkraft im Vergleich ist.

Moore ist nicht der einzige ehemalige Umweltschützer, der sich als Aushängeschild hergibt. Auch ein Professor für Nuklear- und Medizinphysik, der radioaktive Strahlung für keine große Gefahr hält. Genau diese Einstellung braucht es, um neue Auswege aus der Endlager-Sackgasse zu öffnen! Die 3.000 Neukunden des Anbieters, die sich scheinbar keine Sorgen um die Risiken machen, könnten nun ihre „Atomkraft – ja bitte“-Einstellung unter Beweis stellen, indem sie sich auch selbst um die Endlagerung kümmern. Zum Beispiel könnte sich jeder der 3.000 Haushalte von den rund 120.000 Fässern der Asse 40 Fässer in den Keller stellen. So viel sollte ihnen das Klima schon wert sein. Doch geht es hier überhaupt um Klimaschutz? Wer steckt hinter dem Atomstromanbieter? Der Anbieter ist Tochterunternehmen eines Mineralölhandlers aus Augsburg, eines ausgewiesenen Klimaschützers also.

Dieser Artikel wurde im Renews, dem Newsletter der Agentur für Erneuerbare Energien, veröffentlicht.