Über die "Bohr-Deppen von Leibstadt"

kurzschlussteaser_250Überliefert ist, dass einst die Bürger von Schilda auf der Suche nach dem entlaufenden Maushund ein Stadthaus nach dem anderen anzündeten und damit die gesamte Gemeinde zerstörten. Diese Geschichte hat zusammen mit den tradierten Klagen über die verheerenden Brände von London, Rom oder Moskau dazu beigetragen, dass heute jeder mit gesundem Menschenverstand die zerstörerische Kraft des Feuers fürchtet. Brandschutz wird großgeschrieben. So sind Feuerlöscher in Arbeitsstätten wie Konzerthäusern, Büros, Fabriken usw. vorgeschrieben, denn die tragbaren Geräte können helfen, Klein- und Entstehungsbrände zu löschen. Mit ihnen kann noch vor dem Eintreffen der Feuerwehr am Brandort Schlimmeres verhindert werden.

Schlimmeres verhindern sollten auch jene Servicekräfte, die 2008 das Atomkraftwerk in der schweizerischen Gemeinde Leibstadt mit Feuerlöschern ausstatteten. Zu dumm nur, dass sie zwei Feuerlöscher direkt an der Stahlschutzhülle des Primärcontainers anbrachten. Dafür hatten sie sechs Löcher in den Sicherheitsbehälter gebohrt, der den Reaktordruckbehälter umschließt, um die Umwelt im Falle eines Störfalls vor radioaktiver Kontaminierung zu schützen. Gegen die Ausbreitung eines Kleinfeuers war das Atomkraftwerk damit geschützt. Aber wie stand es sechs Jahren lang um den Schutz der Bevölkerung vor Radioaktivität? Eine Gefahr, dass Strahlung hätte entweichen können, bestand laut Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat, Ensi, nicht. Dennoch hätte die Behörde das Kraftwerk zwangsweise abgestellt, wenn der Betreiber die Löcher nicht bis zum Stichtag Mitte Juli 2014 abgedichtet hätte. Nach zehn Tagen Vorbereitung und acht Stunden Bauzeit sind die Löcher nun zugeschweißt. Die Aufsichtsbehörde ist zufrieden, das Kraftwerk kann weiterhin „sicher und sauber“ Strom produzieren. Vielleicht bis zu dem Tag, an dem ein geeigneter Platz gesucht wird, um einen neuen Fluchtwegeplan gut sichtbar anzubringen.