Digitale Zwillinge für die Energiewende


Wie gelingt eine effiziente, transparente und zukunftssichere Energie- und Wärmeplanung? Im Interview erklärt Frau Dr. Olbrich, wie greenventory mit webbasierten Plattformen, digitalen Zwillingen und datengetriebenen Analysen Kommunen, Energieversorger und Unternehmen bei der Transformation des Energiesystems unterstützt. Von integrierter Wärmeplanung über erneuerbare Potenzialanalysen bis hin zur Bürger*innenbeteiligung zeigt sie, warum digitale Energieplanung ein zentrales Puzzleteil der Energiewende ist – und welche Impulse sie von der HEATEXPO 2025 mitgenommen hat.

Frau Dr. Olbrich, Ihr Unternehmen entwickelt die Digitalisierung im Energiesektor weiter: Können Sie uns sagen, welches dabei Ihre wichtigsten Werkzeuge sind?

Im Zentrum steht bei greenventory eine webbasierte Software-Plattform für digitale Energieplanung, in der alle Bereiche und Energiesparten, von Wärme über Gas und Strom bis hin zu Abwasser und Wasser, abgebildet werden können. Sie kombiniert verschiedene Module, von der digitalen Bestandsanalyse über erneuerbare Potenzialanalysen bis hin zu Wärme-, Netz- und Mobilitätsplanung oder einer integrierten Infrastrukturplanung. Alle relevanten Daten werden in einem digitalen Zwilling zusammengeführt. Ergänzt wird der digitale Zwilling durch spezialisierte Tools wie solarfind, einem Photovoltaik-Konfigurator, und heatfind, einem digitalen Gebäuderechner und Kampagnentool. 

Inwiefern ist Ihrer Meinung nach die digitale Energieplanung ein zentrales Puzzleteil bei der erfolgreichen Transformation des Energiesystems?

Die digitale Energieplanung schafft die notwendige Transparenz über Energieverbräuche, Infrastrukturen und erneuerbare Potenziale. Sie ermöglicht es, verschiedene Transformationspfade zu simulieren und miteinander zu vergleichen. Damit ermöglicht die digitale Energieplanung Netzbetreibern, Energieversorgern und Kommunen die Energiewende effizient, zielgerichtet und koordiniert umzusetzen sowie Investitionsentscheidungen belastbar und transparent zu treffen und dabei Fehlentscheidungen und Fehlinvestitionen vorzubeugen. Ein weiterer großer Vorteil einer digitalen Planung ist, dass diese einfach aktualisiert und an sich ändernde Rahmenbedingungen angepasst werden kann.

greenventory ist aus zwei Forschungsinstituten hervorgegangen: Beeinflusst diese Herkunft Ihre Art, Probleme zu lösen?

Die wissenschaftliche Herkunft fließt bei uns in die Lösungsentwicklung mit ein: Unsere Tools beruhen auf datenwissenschaftlichen Ansätzen und nutzen große Datenmengen, Simulationen sowie methodisch fundierte Energieanalyse-Modelle zur Unterstützung komplexer Entscheidungen im Energiesektor. 

Entscheidungsträger*innen haben es oft schwer mit der Umsetzung der Wärmewende in ihrer Kommune: Es muss viel berücksichtigt, geplant und entschieden werden. Wie können Ihre Tools hier helfen, bei welchen Fragen können Sie Kommunalentscheider*innen unterstützen?

Mit unseren Tools können kommunale Entscheidungsträger*innen die Wärmewende strategisch angehen. Der digitale Zwilling vereint Daten aus unterschiedlichen Quellen und stellt diese in einer übersichtlichen Oberfläche dar. Mit dieser Datengrundlage kann die IST-Situation erfasst, Potenziale dargestellt und verschiedene Transformationspfade simuliert werden. Dies ermöglicht es Kommunen, fundierte Entscheidungen zu treffen und erforderliche Maßnahmen abzuleiten. 

Des Weiteren schaffen unsere digitalen Tools Transparenz und ermöglichen die Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure. Im digitalen Zwilling können verschiedene Beteiligte auf einer Plattform zusammenarbeiten, Daten miteinander austauschen und Planungen anpassen. Die Öffentlichkeit kann mittels interaktiver, öffentlicher Karten einbezogen werden. Ebenfalls kann mit heatfind die Umsetzung des Wärmeplans vorangetrieben werden.

Der digitale Zwilling kann durch regelmäßige Aktualisierung auf dem neusten Stand gehalten werden. Somit bietet er die Grundlage für Folgeprojekte wie Machbarkeitsstudien für Wärmenetze, regelmäßiger Erfolgsmessung der Umsetzung des Wärmeplans und dessen Fortschreibung oder auch Klimaanpassungsprojekte. 

Was denken Sie, ist das Besondere an Ihrem Ansatz?

Besonders ist die ganzheitliche Betrachtung des Energiesystems. Strom, Wärme und Mobilität können integriert in einem gemeinsamen digitalen Modell geplant werden. Durch die Kombination aus digitalem Zwilling als zentrale Plattform und datengetriebener Analysen lassen sich sowohl der aktuelle Zustand als auch mögliche Zukunftsszenarien abbilden. Somit schaffen wir die Grundlagen für spartenspezifische und spartenübergreifende Planungen.

Welche Tools bieten Sie Unternehmen oder Institutionen an, die Klimaneutralität erreichen möchten?

Wir bieten Unternehmen und Institutionen eine webbasierte Plattform für ganzheitliche, digitale Energie- und Infrastrukturplanung. Kern ist der digitale Zwilling, in dem Energieverbräuche, Infrastrukturen und erneuerbare Potenziale zusammengeführt und analysiert werden. Darauf aufbauend unterstützen unsere Module unter anderem die kommunale Wärmeplanung, die Entwicklung von Wärmenetzen, Machbarkeitsstudien sowie Netz- und Szenarienanalysen.

Unsere Tools richten sich an Energieversorger, Stadtwerke, Netzbetreiber, Städte, Kommunen und Planungsbüros und ermöglichen es, Transformationspfade transparent zu vergleichen, Maßnahmen abzuleiten und Investitionsentscheidungen fundiert zu treffen. Ergänzend unterstützen wir die Umsetzung nach der Planung, indem wir Beteiligungslösungen bereitstellen und Bürgerinnen und Bürger beispielsweise über digitale Energieberatung, Modernisierungsrechner oder PV-Planungstools einbinden. So wird Klimaneutralität planbar, umsetzbar und zukunftssicher.

Wo sehen Sie die größten Potenziale bei den Erneuerbaren und was sind Ihrer Meinung nach die größten Hemmnisse bei der Umsetzung der Energiewende?

Große Potenziale gibt es vor allem in der dezentralen Nutzung erneuerbarer Energien, etwa durch Photovoltaik, Abwärme, Geothermie oder Solarthermie. Gleichzeitig stellen fehlende Daten-Transparenz und komplexe Planungsprozesse ein zentrales Hemmnis dar. Ohne digitale, verlässliche Entscheidungsgrundlagen ist es für viele Akteure schwierig, Potenziale zu erkennen und konkrete Schritte umzusetzen.

Unlängst waren Sie mit greenventory auf der HEATEXPO 2025 präsent. Was konnten Sie von dort für Ihre Arbeit mitnehmen?

Die HEATEXPO 2025 hat uns im Austausch zu kommunaler Wärmeplanung, Wärmenetzen und Machbarkeitsstudien wertvolle Einblicke aus der Praxis gegeben. Viele Gespräche haben bestätigt, wie zentral verlässliche Daten, digitale Zwillinge und integrierte Planungsprozesse für Planungssicherheit und eine zügige Umsetzung der Wärmewende sind. Diese Rückmeldungen zeigen uns, dass wir mit unserem Ansatz richtig liegen und geben zugleich wichtige Impulse für unsere weitere Arbeit.