Die Bedeutung der Bioenergie für den Wärmesektor

Auf den Wärmesektor entfällt mehr als die Hälfte des deutschen Energieverbrauchs. Mehr Effizienz und Energieeinsparungen sind in diesem Bereich zentrale Faktoren für eine erfolgreiche Energiewende.

Deutschland hat sich das Ziel gesetzt, den Wärmebedarf im Gebäudesektor bis 2020 gegenüber 2008 um 20 Prozent zu senken. Zugleich muss der Einsatz Erneuerbarer Energien im Wärmebereich zügig steigen, um zählbare Fortschritte beim Klimaschutz zu erzielen. Um den Wärmebedarf in Deutschland bis zur Mitte des Jahrhunderts komplett zu dekarbonisieren und konsequent auf Erneuerbare Energien umzustellen, muss sich das Ausbautempo gegenüber den letzten drei Jahren laut Berechnungen des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE) verdreifachen.

Begleitet von einem historischen Preistief bei fossilen Energien stagnierte der Anteil der Erneuerbaren an der Wärmeversorgung in Deutschland in den vergangenen Jahren weitgehend. Im Jahr 2015 erreichte er rund 13 Prozent. Davon entfielen knapp 90 Prozent auf die Bioenergie.

Die Bioenergie wird für einen beschleunigten Ausbau der Erneuerbaren Energien im Wärmesektor weiterhin dringend benötigt. Dabei ist nicht nur an die Erschließung neuer Rohstoffquellen zu denken, sondern auch an die verbesserte Wärmenutzung aus bestehenden Stromerzeugungsanlagen. Dass dies möglichAEE_Waerme_aus_Erneuerbaren_Energien_2015_aug16_72dpi ist, zeigt eine Umfrage im Auftrag des Fachverbandes Biogas: Demnach wollen rund drei Viertel der Biogas-Anlagenbetreiber ihre Wärmenutzung ausbauen. Eine Möglichkeit bietet hier der Bau von Wärmenetzen. Mit solch einer verstärkten Wärmenutzung verbessern Betreiber zugleich die Effizienz ihrer Anlagen.

Der Einsatz der Bioenergie ist klimaschonend und kostengünstig zugleich. Holzbrennstoffe wie Hackschnitzel, Pellets und Scheitholz sind im langfristigen Vergleich deutlich preiswerter als die klimaschädlichen fossilen Energien. Wegen ihrer Klimavorteile wird die Anschaffung von Holzheizungen vom Staat gefördert. Beispielsweise gibt es für einen Pelletkessel mit Pufferspeicher einen Zuschuss von mindestens 4.800 Euro über das Marktanreizprogramm (MAP), wenn ein alter fossiler Kessel freiwillig ersetzt wird.

Nutzung von Bioenergie zum Heizen im Bundestag

Die Bioenergie wird in Deutschland in einer Vielzahl von Gebäudetypen und in sehr unterschiedlichen Anwendungen eingesetzt. Ein prominentes, aber gleichzeitig wenig bekanntes Beispiel ist der Deutsche Bundestag. Das Reichstagsgebäude mit dem Plenarsaal des Bundestages ebenso wie die mit ihm verbundenen Bürogebäude werden über Strom und Wärme produzierende Blockheizkraftwerke (BHKW) versorgt. Umweltfreundlicher Biodiesel aus Raps liefert den Brennstoff. „Wir haben sehr gute Erfahrungen gesammelt und wollen davon nicht lassen“, betont Joachim Metz, Gebäudetechniker im Bundestag.

Die Nutzung von Pflanzenöl zur Strom- und Wärmegewinnung bildet in Deutschland aber die Ausnahme. Stärker verbreitet sind Holz- und Biogasprodukte. Endabnehmer werden zumeist über eigene Feuerungsanlagen im Gebäude versorgt. Die dominierende Nutzergruppe sind Privathaushalte, die für weit mehr als die Hälfte der Energieholznachfrage sorgen.

Herkunft von Holz und Energiepflanzen

Deutschlands Versorgung mit Bioenergie ist regional geprägt. Beispiel Biogas: Die vor allem auf dem Lande entstandenen Biogasanlagen produzieren nicht nur Elektrizität für das Stromnetz. Die dort von Blockheizkraftwerken bereitgestellte Wärme genügt auch zur Versorgung von rund einer Million Durchschnittshaushalten. Viele der Abnehmer sind an regionale Nahwärmenetze angebunden. Andere Verbraucher beziehen aufbereitetes Biogas aus dem Erdgasnetz über ihren Versorger.

Doch die Bioenergie besteht aus mehr als regionalen Wirtschaftskreisläufen. So besteht ein reger Außenhandel mit Holzpellets. Auf Importe entfällt ein Anteil von knapp einem Viertel am deutschen Verbrauch. Zugleich hat Deutschland einen hohen Exportüberschuss im Pellet-Außenhandel von mehr als 250.000 t, bei Exporten von insgesamt 689.000 t im Jahr 2015. Dieses Verbrauchsmuster ist ein Spiegel der Gegebenheiten am Holzmarkt insgesamt. Denn hier hat Deutschland einen Importüberschuss bei unverarbeiteter Ware. Bei Produkten mit hoher Wertschöpfung ist Deutschland im Export stark. Gemessen am Warenwert erwirtschaftete Deutschland bei Holz und dessen Produkten 2015 nämlich einen Exportüberschuss von 5,7 Milliarden Euro. Die deutschen Exporte übertrafen im ersten Halbjahr 2016 die Importe um rund 35 Prozent. Es werden vor allem EU-Länder beliefert, die weniger Energiepflanzen anbauen, z.B. die Niederlande.

Prognose: Zukünftiger Einsatz der Bioenergie

Die Prognosen über die künftigen Nutzungsschwerpunkte der Bioenergie unterscheiden sich stark. Eine Reihe wissenschaftlicher Untersuchungen rechnet damit, dass die Bioenergie künftig verstärkt in Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen zum Zuge kommt, während andere von einem forcierten Einsatz zur Biokraftstoffnutzung ausgehen. Einig sind sich die Studien darin, dass die Wärmebereitstellung auch künftig große Bedeutung für den Bioenergiesektor haben wird, wobei über die konkreten Einsatzgebiete unterschiedliche Einschätzungen bestehen.

Energieholz gibt es je nach Heizungstyp und Bedarf in vielen Formen. Wie sich der Markt künftig entwickelt, hängt von Trends der Heiztechnik ebenso wie von politischen Weichenstellungen und den Wünschen der Verbraucher ab. So war die Entwicklung des Heizens „vom Zimmerofen auf Zentralheizung“ ein großer Fortschritt. Aus Sicht des Umweltschutzes sind solche automatisch beschickten Zentralheizungen den offenen KaAEE_Prognose_EE_Waermemix_Gebaeude_Nov16_72dpiminen weit überlegen.

Mit Holzpellets ist zudem der Bedienkomfort bei der Nutzung von Holzenergie für den Endverbraucher noch einmal gestiegen. Doch andere Produkte machen ebenfalls wenig Mühe. So gibt es auch Scheitholzkessel mit automatischer Beschickung. Eine Studie im Auftrag der Bundesregierung geht davon aus, dass neben Holzpellets und Hackschnitzeln künftig auch mit Bioenergie versorgte Nahwärmenetze für die Gebäudeheizung weiter an Bedeutung gewinnen. Mit Wärme aus Bioenergie versorgte Nahwärmenetze sind eine relativ junge Entwicklung, die Vorteile in Sachen Effizienz für Anlagenbetreiber und Verbraucher bieten können.

Noch unerschlossene Potenziale bestehen auch in der Nutzung von Bio-Wärme in der Industrie. Die Bundesregierung erhofft sich, dass Biomasse maßgeblich dazu beitragen wird, den Anteil Erneuerbarer Energien am Wärme- und Kälte-Endenergieverbrauch bis 2020 auf 9 Prozent zu steigern, nach 5 Prozent im Jahr 2013. Entscheidender Vorteil der Biomasse gegenüber anderen Erneuerbaren Wärme-Lösungen: Sie kann Erneuerbare Energie bei relativ hohen Temperaturen bereitstellen. Auch im Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung wird der künftige mögliche Stellenwert der Bioenergie für die Bereitstellung von Wärme für Industrie und Gewerbe, Handel und Dienstleistungen hervorgehoben. Zudem wird darin die Bedeutung von Holz für die Dekarbonisierung des Wärmebereichs in älteren, schwer zu sanierenden Gebäuden betont.
Bei den Verbrauchern in Deutschland hat sich die NachAEE_BewilligteBAFA_ZuschuesseHolzfeuerungen_72dpifrage nach Holzfeuerungen 2016 jedenfalls wieder stark belebt - und das trotz niedriger Öl- und Gaspreise. Das zeigen Daten des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). So bewilligte das BAFA bis Ende September 2016 schon fast 21.000 Förderanträge im Bereich Holzfeuerungen, nach knapp 17.000 im gesamten Kalenderjahr 2015. 

Hochgerechnet auf das Kalenderjahr 2016 ist mit bewilligten Zuschüssen von mehr als 80 Millionen Euro zu rechnen. Der Rückgang der Vorjahre ist damit gestoppt und umgekehrt. Das deutet darauf hin: Die Vorteile der Bioenergie kommen bei den Verbrauchern an. Sie müssen sich aber noch stärker herumsprechen.


Der Text stammt aus dem im Dezember 2016 veröffentlichten Renews Kompakt „Bioenergie: Fragen und Antworten“ der Agentur für Erneuerbare Energien. Das Hintergrundpapier umfasst einen Faktencheck für Bioenerige und Co. und beantwortet unter anderem folgende Fragen: Was bringt die Bioenergie für den Klimaschutz? Wie wirkt sie sich auf die Agrar- und Nahrungsmittelmärkte aus?