Biogas in den Bundesländern

Biogas II (Biogas Nord)Biogas ist nicht nur ein dauerhaft und flexibel zur Verfügung stehender Energieträger, der sich ideal zum Ausgleich der fluktuierenden Stromeinspeisung aus Sonne und Wind eignet, sondern es ist auch fast überall nutzbar. Daher ist es kein Wunder, dass dieser Energieträger seinen festen Platz in der Strom- und Wärmeerzeugung fast aller deutschen Regionen hat. Lediglich in den Stadtstaaten Berlin und Bremen gibt es keine Biogasanlagen mit Vor-Ort-Verstromung, aber sogar in der Hauptstadt ist das Potenzial dieses Energieträgers erkannt worden und wird über die Umwandlung von Abfall in Biogas und die folgende Aufbereitung zu Biomethan genutzt. Die Verteilung der Anlagen in Deutschland ist dabei sehr viel gleichmäßiger als beispielsweise bei Wind- oder Solaranlagen.

Verteilung der Biogasanlagen: Viel Leistung im Süden und im Norden

Da der Großteil der Biogasanlagen mit nachwachsenden Rohstoffen und/oder Gülle gespeist wird, sind Biogasanlagen vor allem in Flächenländern und in landwirtschaftlichen Regionen zu finden. Die höchste Anlagendichte besteht daher auch in den größten und stark von der Agrarwirtschaft geprägten Bundesländern, Bayern und Niedersachsen. Bayern verfügt dabei über eher kleinere Anlagen, weshalb hier die Anlagenzahl am größten ist (2014: 2.360 zu 1.566 Anlagen), Niedersachsen verfügt dagegen über die höchste installierte Biogas-Leistung (2014: 885 zu 790 MW(el)).

Aber nicht nur diese beiden größten (Biogas-)Länder machen die Spitzenstellung der Nord- und Südränder Deutschlands bei der Biogasnutzung deutlich, sondern auch die in der Leistungsrangfolge danach kommenden und jeweils benachbarten Länder Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein unterstreichen diese Verteilung. das größte Bundesland NRW folgt bei der installierten Biogas-Leistung erst nach diesen deutlich kleineren Ländern, ist aber auch noch ein Schwerpunkt bei der Biogasnutzung  - und nicht zuletzt deshalb Herkunftsland vieler Biogasunternehmen.

Auch gemessen an der Landwirtschaftsfläche sind die genannten Länder die dominierenden Regionen der Biogasnutzung. Zusätzlich vermelden Sachsen-Anhalt und Thüringen signifikante Werte.

Leistung der Biogasanlagen: Unterschiedliche Landwirtschaftsstrukturen in West und Ost werden deutlich

Beim Blick  auf die durchschnittlichen Leistungen gibt es deutliche Unterschiede von Ost- und Norddeutschland zum Süden und Westen der Republik. Durch den Zusammenschluss kleinerer Betriebe zu Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) in der ehemaligen DDR herrschen in den neuen Bundesländern eher größere Agrarbetriebe vor. Dementsprechend sind auch die dort installierten Biogasanlagen deutlich größer, außer in Sachsen übersteigt die durchschnittlich installierte Leitung der Anlagen überall die 500 kW-Grenze, in Mecklenburg-Vorpommern lag der Wert bereits 2012 schon fast bei 700 kW. Auch in Niedersachsen und Schleswig-Holstein dominieren eher größere Anlagen.

Im Westen und noch deutlicher im Süden herrschen dagegen eher kleinräumige Agrarstrukturen vor, die Betriebe bewirtschaften nicht so große Flächen und haben daher auch kleinere Biogasanlagen installiert. Das Saarland, Hessen und Bayern haben mit durchschnittlichen Anlagenleistungen von unter 350 kW die geringsten Werte, und auch Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und NRW liegen im Schnitt deutlich unter der 500 kW-Größe.

Biomethanaufbereitung: Sachsen-Anhalt als Vorreiter

Die Aufbereitung von Biogas zu Methan ist eine relativ neue Entwicklung, noch 2011 gab es erst rund 80 entsprechende Anlagen, die sich bis 2014 auf 179 Anlagen mehr als verdoppelt haben. Da eine solche Veredelung des erzeugten Biogases sich üblicherweise nur in größeren Anlagen rentiert, lassen sich die Biogasaufbereitungsanlagen eher in Ländern mit durchschnittlich größeren Kapazitäten finden. Dies zeigt etwa der Vergleich der bei der Biogasnutzung führenden Länder Niedersachsen und Bayern: Während diese bei Anlagenzahlen und installierten Leistungen etwa gleichauf sind, gibt es in Niedersachsen 2014 mit 33 fast doppelt so viele Anlagen wie in Bayern (17).

 Vorreiter bei der Biomethanaufbereitung ist jedoch Sachsen-Anhalt, dass trotz deutlich weniger Biogasanlagen fast so viele Aufbereitungsanlagen hat wie Niedersachsen und bei der installierten Aufbereitungskapazität sogar noch vor dem nordwestlichen Bundesland und damit an der Spitze in Deutschland liegt. Auch Mecklenburg-Vorpommern liegt bei der Aufbereitungskapazität sogar noch vor Niedersachsen, Brandenburg nur knapp dahinter. Insbesondere im Osten der Republik wurde dieser neue Entwicklungspfad, welcher einen noch flexibleren Einsatz von Biogas ermöglicht also bereits beschritten.

Dieser Artikel wurde im Renews, dem Newsletter der Agentur für Erneuerbare Energien, veröffentlicht.