Die digitale Mobilitätsrevolution

oekom_Titel_Canzler_Revolution_fb_800Beim Wort „Revolution“ klingeln bei den meisten Menschen wahrscheinlich die Alarmglocken. Steht uns allen also vermeintlicher Aufruhr bevor, wenn die Rede von einer solchen „Mobilitätsrevolution“ zur Sprache kommt? Nein, vielmehr befinden wir uns mitten in dieser von den Autoren Andreas Knie und Weert Canzler betitelten „digitalen Mobilitätsrevolution“. Wie wir uns fortbewegen, wird nämlich schon jetzt zu einem erheblichen Teil durch digitale Medien beeinflusst, trotzdem haben wir laut Autoren noch einen weiten Weg vor uns. Sie zeichnen in ihrem Werk eine klare Vision davon, wie sich die Mobilität mithilfe der digitalen Medien in Zukunft noch weiterhin verändern könnte und auch sollte, zeigen aber auch die aktuellen Grenzen auf.

Schon lange ist die Digitalisierung so weit vorangeschritten, dass man kaum noch jemanden ohne Smartphone oder PC trifft. Ständig sind wir online und nutzen mithilfe von Apps das ganze Potential, um unterwegs schnell nach einer Fahrroute zu sehen oder eine Unterkunft zu buchen. Dies wird im Buch anschaulich mit ausgewählten Beispielen geschildert. Doch während Digitalisierung im Allgemeinen schon selbstverständlich sei, so sei diese im Verkehrssektor noch stark ausbaufähig. Carsharing sei zwar ein guter Ansatzpunkt, da dieser den Nutzer souverän und unabhängig mache, doch seien dadurch allein noch längst nicht alle Potentiale ausgeschöpft. Denn: Heute stehen die meisten Pkws etwa 23 Stunden am Tag ungenutzt herum. Die Autoren sehen allerdings die deutsche Bürokratie als Hemmschuh für moderne Nutzungskonzepte wie beispielsweise der amerikanische Online-Vermittlungsdienst für Fahrdienstleistungen Uber, die nach Meinung der Autoren in der Lage wären, die Auto-Ressourcen effizienter auszuschöpfen. Auch an das Handy-Roaming angelehnte Modelle für den öffentlichen Verkehr würden bisher nicht praktiziert, obwohl diese den Verkehr um ein Vielfaches vereinfachen könnten.

Die Autoren appellieren dafür, dass Verkehr klimafreundlicher und schadstoffärmer werden müsste. Sie verweisen auf den sehr geringen Wirkungsgrad konventioneller Dieselmotoren sowie auf die Vorzüge von Elektrofahrzeugen. Dass Elektromobile klimafreundlich sind, sobald sie mit Strom aus Erneuerbaren Energien versorgt werden, wissen die Autoren und lassen das Argument immer wieder fallen. Wünschenwert wäre allerdings ein Absatz gewesen, der den ökologischen Fußabdruck eines Elektromobils auf Basis von Graustrom und Ökostrom vergleicht.

Den Autoren zufolge sollte die Zukunft des Verkehrs elektrisch sein, da dies sogar einen „Triple-Win“ bedeuten würde, denn Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt würden gleichermaßen profitieren. Dabei verweisen Sie auf das Potenzial der Elektromobilität, erneuerbaren Strom abhängig von der volatilen Versorgung aufzunehmen und abzugeben. Als positives Beispiel für den zukunftsweisenden Verkehr wird der Berliner „Zukunftsbahnhof“ Südkreuz aufgeführt, welcher mit Photovoltaikanlagen, Windrädern, E-Ladestationen für Busse sowie Car- und Bikesharing-Angeboten in diesem Bereich sehr gut aufgestellt ist.

Zusammenfassend kann man sagen, dass es den Autoren auf knapp 120 Seiten gelingt, übersichtlich sowie durch Definitionen und Grafiken für jeden verständlich ein anschauliches Bild zu skizzieren vom derzeitigen Stand und den zukünftigen Möglichkeiten des digitalisierten, nachhaltigen Verkehrs. Obwohl unser Vertrauen in die Technik teilweise die Sicht auf das zweischneidige Schwert bzgl. Transparenz / Datenschutz trübt, so seien die Potentiale dieser laut den Autoren dennoch überwiegend positiv zu beurteilen. Durch Elektrifizierung im Verkehr und einen Ausbau der Sharing Economy, z.B. durch die Zulassung von Uber u.ä., könnte die Mobilität endlich dem Titel des Buches gerecht und somit endgültig revolutioniert werden.

Weert Canzler/ Andreas Knie:
Die digitale Mobilitätsrevolution – Vom Ende des Verkehrs wie wir ihn kannten
oekom verlag
144 Seiten
Preis: 12,95 €
ISBN: 978-3-86581-754-9

Bildquelle: Oekom Verlag
Text: Martha Müller

Dieser Artikel wurde im Renews, dem Newsletter der Agentur für Erneuerbare Energien, veröffentlicht.