Kühler Kopf mit Solarenergie

Solarthermie (Schott)Zu den Innovationen auf dem Gebiet der Solarenergie gehören Solaranlagen, die sowohl Wärme als auch Kälte aus Sonnenlicht erzeugen. Deutsche Unternehmen zeigen, wie das geht.

Berlin im Juni. Die Sonne steht hoch am wolkenlosen Himmel. Wer jetzt im Büro sitzt, verschanzt sich hinter Jalousien und dreht die elektrische Klimaanlage hoch. Doch es gibt Alternativen: Statt die Stromrechnung in die Höhe zu treiben, wandeln moderne Kältesysteme die Wärme des Sonnenlichtes direkt in Klimakühlung um. Was zunächst paradox klingt, ist eine viel versprechende Technologie, die deutsche Unternehmen gerade zur Serienreife bringen. Der Vorteil der solaren Kälteerzeugung ist, dass weit weniger Strom verbraucht wird, als bei den herkömmlichen Klimaanlagen. Das ist vor allem für südliche Länder interessant, weil hier in heißen Sommermonaten bis zu 80 Prozent des benötigten Stroms in die Gebäudekühlung fließt. Die Solartechnologien „Made in Germany“ sind deshalb eine innovative Möglichkeit, Betriebskosten zu sparen und große Mengen Kohlendioxid zu vermeiden.

Exportschlager Sonne

Die Solitem GmbH aus Aachen hat gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und vielen Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft ein Verfahren entwickelt, um aus Sonnenlicht gleichermaßen Kälte und Wärme zu erzeugen. Grundlage dieser Technik sind parabolförmige Kollektoren, die das Licht bündeln. Ein Absorberrohr im Brennpunkt der Spiegel heizt sich dadurch bis zu 250 Grad Celsius auf und produziert heißen Wasserdampf. Eine zweistufige Absorptionskältemaschine wandelt den Dampf in Kälte um. Das System funktioniert nach demselben Prinzip wie ein Kühlschrank. In mehreren Großhandelsmärkten und Hotels in der Türkei, Jordanien und Marokko ist das Solitem-System im Einsatz oder in Planung. Der heiße Dampf soll dort zusätzlich für Industrieprozesse, für die Wäscherei und zum Heizen in den Wintermonaten eingesetzt.

Die Anlagen amortisieren sich im Mittelmeerraum nach Angaben von Solitem-Geschäftsführer Dr. Ahmet Lokurlu nach sechs bis acht Jahren. Eine Demonstrationsanlage wird in der Nähe von Hagen gebaut. Solarkollektoren auf einer Fläche von 110 Quadratmetern sollen Prozesswärme für eine Aluminiumveredelung liefern. „Ob sich diese Anlagen in Deutschland lohnen, hängt davon ab, wie sich die Energiepreise entwickeln. Aber bei den steigenden Kosten von Öl und Gas gehen wir davon aus, dass sich die Solartechnik auch hier rechnet”, stellt Lokurlu fest.

Für genau diesen Einsatzbereich produziert das Bielefelder Unternehmen Schüco International KG innovative solare Kältesysteme. Die Gebäudekühlung basiert auf Flachkollektoren, die auf dem Dach angebracht werden. Der Energiebedarf einer Kältemaschine wird bis zu 98 Prozent aus Sonnenenergie gedeckt. Wird keine Kühlung benötigt, unterstützt das Kollektorfeld die Gebäudeheizung oder erwärmt das Brauchwasser. Das weltweite Marktpotenzial für solare Kühlung ist groß. „Exportländer sind vor allem Frankreich, Italien und Spanien”, so Thomas Lauritzen, Pressesprecher des Unternehmens. „Deutsche Unternehmen sind Vorreiter bei der Entwicklung moderner Technologien zur Nutzung der Sonnenenergie, die weltweit eingesetzt werden“, bestätigt auch Jörg Mayer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien in Berlin: „Diese innovative Spitzenposition müssen wir durch investitionsfreundliche Rahmenbedingungen bewahren.“