Transition énergétique, comment fait l'Allemagne

boulanger_transitionIm März 2014 wurde in einigen französischen Regionen ein Spitzenwert von Feinstaubverschmutzung gemessen. Daraufhin zirkulierte in den sozialen Netzwerken ein Gerücht: Was wäre, wenn diese Verschmutzung von den deutschen Kohlekraftwerken verursacht wurde? Das sei doch nur logisch, denn Deutschland hatte den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen und einige Meiler kurzfristig stillgelegt. Nun müssten deutsche Kohlekraftwerke voll ausgelastet sein. Seit der 2011 durch die Reaktorkatastrophe von Fukushima beeinflussten deutschen Entscheidung zum Ausstieg aus der Atomenergie im zum Jahr 2022, gibt es verstärkte Kritik gegen die Energiewende aus dem Nachbarland Frankreich.

Dieser Kritik begegnet der französische Journalist Vincent Boulanger, wohnhaft in Deutschland und Spezialist im Bereich Erneuerbare Energien, in seinem französischen Sachbuch: „Transition énergétique, comment fait l'Allemagne“. Er geht davon aus, dass die in Frankreich hörbare Kritik oft übertrieben und z.T. weit von der Realität entfernt sei. Mangelndes Wissen sieht er als eine Ursache. Auch hätte die deutsche Energiewende in Frankreich, wo 75 Prozent der Stromerzeugung aus der Atomenergie stammt, eine schlechte Presse.

Um Fakten von der Fiktion zu trennen, hat Boulanger die am häufigsten auftretenden Diskussionsbeiträge zum Umbau der deutschen Energiewirtschaft Punkt für Punkt aufgenommen und mithilfe von Daten aus Studien und Statistiken untersucht. So schlüsselt er die deutsche Energiewende, ihre Erfolge, Fehlschläge und Unsicherheiten sachlich auf. Er begegnet zum Beispiel den typischen Argumentationen, ein Atomausstieg sei nur durch eine Wiederbelebung der Kohlekraftwerke möglich, Deutschland würde durch die fluktuierende Erneuerbaren Energien von einem Blackout bedroht sein und die deutsche Bevölkerung müsste enorme Kosten ertragen, um diese Erneuerbaren Energien zu entwickeln. Auch geht er auf die in Frankreich gängige Vorstellung ein, jeder deutsche Haushalt erzeuge schon heute seine eigene Energie.

In einer Phase, in der Frankreich selbst ein Gesetz zur Energiewende verabschiedet hat, zielt dieses Buch darauf, Fakten darzustellen. Die franzöischesprachigen Leser des Textes sollen mehr erfahren von den bisherigen deutschen Erfahrungen mit der Energiewende, um so zu einer aufklärende Debatte auf der anderen Seite des Rheins beizutragen.

Transition énergétique, comment fait l'Allemagne.
Les Petits Matins Verlag (Paris), November 2015.
176 Seiten, 14 Euro.

Dieser Artikel wurde im Renews, dem Newsletter der Agentur für Erneuerbare Energien, veröffentlicht.