Energie-Kommune des Monats: Tangeln

Biogasanlage mit Speicher der LU Tangeln eGOktober 2021

Als eines von 170 Bioenergiedörfern beteiligt sich das in Sachsen-Anhalt gelegene Tangeln seit über einem Jahrzehnt am Ausbau der Erneuerbaren Energie. Der Ort, der 2009 eingemeindet wurde und seitdem zur Gemeinde Beetzendorf gehört, war das erste von drei Bioenergiedörfern im Bundesland. Seit über einem Jahrzehnt stellt der Ortsteil mit unter 500 Einwohner*innen lokal und nachhaltig Wärme für seiner Bürger*innen bereit und versorgt über fünf Mal so viele Menschen mit Strom. Wie alle Bioenergiedörfer verfolgt auch Tangeln das Ziel, den überwiegenden Anteil des verbrauchten Stroms sowie der verbrauchten Wärme aus Biomasse lokal zu produzieren. Dafür wurde vor fast 13 Jahren das Konzept einer Biowärmegenossenschaft mit dem Ziel der Vollwärmeversorgung auf einer Gemeindeversammlung vorgestellt. Kurz darauf wurde am 26. November 2008 die Biowärmeversorgung Tangeln eG gegründet. Die Genossenschaft vermarket bis heute erfolgreich die im Landwirtschaftlichen Unternehmen Tangeln eG (LU Tangeln eG) produzierte Energie. Anlage stellt bis heute zuverlässig und preiswert Wärme für den Ort zur Verfügung.

Tangeln ist Bioenergiedorf

Als Teil des Altmarkkreises Salzwedel sind die Kommunen im Norden von Sachsen-Anhalt eher ländlich geprägt. Das gilt auch für die Gemeinde Beetzendorf. Hier befinden sich gleich zwei von drei Bioenergiedörfern des Bundeslandes. Weniger als 15 Kilometer von Tangeln entfernt liegt mit Sieben Linden das zweite Bioenergiedorf des Landes. Der kleine Nachbar von Tangeln ist deutschlandweit vor allem für seine Strohballenhäuser bekannt. Engagement für die Energiewende gibt es aber nicht nur in den beiden Ortsteilen. Auch in Beetzendorf wird eine Biogasanlage betrieben. Bereits seit 2013 wird das Freibad der Gemeinde mit Biowärme beheizt.

Weitere Förderungen erhält die Region im Rahmen des Integrierten Landwirtschaftlichen Entwicklungskonzeptes (ILEK) Altmark durch das Land und die Landkreise Stendal und den Altmarkkreis Salzwedel. Über die Handlungsfelder Wirtschaft und Unternehmen sowie Natur und Kultur werden erneuerbare Energieprojekte unterstützt. So wurde der Altmarkkreis Salzwedel allein über das Entwicklungskonzept in den Jahren 2016 und 2017 mit knapp 600.000 Euro bezuschusst. Besonders in ländlich geprägten Regionen wie der Altmark stärken solche Investitionen den Wirtschaftsstandort ebenso wie die nachhaltige dezentrale Energieversorgung. Gerade wegen ihres hohen Bioenergiepotenzials wird die Altmark seit 2009 als Bioenergieregion von der Bundesregierung gefördert. Ziel ist die Stärkung der Wirtschaft, der nachhaltigen Energieversorgung, die Bildung von Netzwerkstrukturen sowie die Förderung von Wissenstransfer in und aus den Modellregionen. Wie trotz fordernder Ausgangsbedingungen der Aufbau Biogasanlage gelingen kann, zeigt die LU Tangeln eG.

Das Landwirtschaftliche Unternehmen Tangeln eG stellt lokal nachhaltige Wärme und überregional nachhaltigen Strom bereit

Das Unternehmen stellt heute für 75 Hausanschlussstationen ganzjährig warmes Wasser sowie Heizwärme zur Verfügung. Die Anlage ermöglicht nicht nur die Versorgung der 75 Genossenschaftsmitglieder – das entspricht mehr als zwei Dritteln der Haushalte des Ortes – mit nachhaltiger Wärme, sondern beliefert auch alle öffentlichen Gebäude, darunter einen Kindergarten und das Dorfgemeinschaftshaus. Die Genossenschaftsmitglieder profitieren seit dem Aufbau der Anlage doppelt: Einerseits leisten sie einen Beitrag zum Klimaschutz, andererseits hat die Versorgung über das Nahwärmenetz auch handfeste wirtschaftliche Vorteile. Angeschlossene Haushalte zahlen im Vergleich zur Wärmeversorgung per Gasheizung nämlich fast 50 Prozent weniger.

Weiterhin produziert das Unternehmen circa 3.500 Kilowattstunden (kWh) erneuerbaren Strom pro Jahr, die in das Stromnetz eingespeist werden. Das genügt für die Versorgung von über 2.500 Haushalten. Damit beliefert Tangeln Menschen weit über die Grenzen des Ortes hinaus mit Energie und ermöglicht so jährliche Einsparungen von 8.000 bis 9.000 Tonnen CO2. Als Arbeitgeber für 17 Personen ist das Unternehmen gleichzeitig ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für das ländliche Tangeln.

Der Ausbau im Bereich der Bioenergie sichert bis heute die Zukunft der LU Tangeln eG. Dieses wurde nach Überführung aus der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) durch Altschulden des Vorgängerbetriebs stark eingeschränkt. Nur durch die Verbreiterung der wirtschaftlichen Basis des Betriebes konnten Arbeitsplätze sowie die langfristige Existenz des Betriebes gesichert werden. Direkt nach der Umwandlung der LPG 1990 zur eingetragenen Genossenschaft produzierte das Unternehmen lediglich Milch sowie pflanzliche Produkte. 2006 wurde schließlich mit der Planung der Biogasanlage begonnen, die im Folgejahr fertiggestellt wurde und mit einer Leistung von 500 Kilowatt (kW) Strom ans Netz ging. 2009 wurde die Anlage bereits erweitert, sodass aktuell mehr als das Doppelte der Ausgangsleistung nämlich 1.130 kW nachhaltiger Strom erzeugt werden. Zusätzlich dazu wurde die Anlage an ein heute fünf Kilometer langes Nahwärmenetz angeschlossen und um ein Blockheizkraftwerk (BKHW) ergänzt, welches im Notfall die Bereitstellung von Wärme sichern soll, sowie mit Photovoltaikdachanlagen mit einer Leistung von 107 Kilowattpeak ausgerüstet. 2013 kam noch ein Kleinwindrad mit einer Leistung von drei kWh auf dem Gelände der Anlage hinzu, das dabei hilft, den Eigenenergiebedarf zu decken.

Aktuell besteht die Anlage aus zwei Standorten. Der Hauptstandort umfasst die Biogasanlage mit angeschlossenem BHKW sowie einen Satellitenstandort. Für die Wärmeversorgung des Ortes und die Erreichung der Klimaziele der Bundesregierung sind beide Betriebsstätten zentral. „Die Biogastechnologie bleibt absolut notwendig. Denn ausschließlich Biogasanlagen können Strom, Wärme und Gas speichern und stehen dezentral zur Verfügung“, erklärt Christian Raapke, Vorstandsvorsitzender des Landwirtschaftlichen Unternehmens Tangeln. Um diesen Anforderungen auch nach der Laufzeit der Anlage zu den Konditionen des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) gerecht zu werden, wurde der Satellitenstandort vor drei Jahren flexibilisiert. Dafür wurden vor Ort ein neuer Gas- sowie Wärmespeicher, ein Transformator und ein BHKW installiert. Damit kann dort auch langfristig und bedarfsgerecht nachhaltiger Strom und Wärme bereitgestellt werden. Der Hauptstandort mit Biogasanlage steht ebenso kurz vor der Flexibilisierung. Damit die Genossenschaft auch in Zukunft noch effektiv Strom und Wärme bereitstellen kann, sieht Christian Raapke den Gesetzgeber in der Verantwortung: „Die gesetzlichen Rahmenbedingungen machen die Erzeugung insgesamt noch teuer. Da gibt es viele Anforderungen, die zunächst erfüllt werden müssen.“ Dort könnten Anpassungen die Planung und Umsetzung sowie den Ausbau von ähnlichen Projekten weiter vereinfachen und wirtschaftlicher machen.

Fotos: Landwirtschaftliches Unternehmen Tangeln e. G.