Eine Buchempfehlung: Kurzschluss. Wie wir unsere Energiezukunft verspielen

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Warum scheitert die Energiewende – obwohl wir längst wissen, was zu tun ist?

Claudia Kemfert geht dieser Frage in ihrem Buch Kurzschluss nach. Sie spannt den Bogen von Elektromobilität und Heizungsdebatte über irreführende Schlagworte wie „Technologieoffenheit“ bis hin zu systemischen Fehlern und globalen Machtfragen – gut lesbar auch für Interessierte außerhalb der Energiewirtschaft.

Vor allem aber verdeutlicht sie: Die Energiewende ist technisch, wirtschaftlich und sogar sozial machbar. Wer die Energiewende mit welchen Mitteln verhindert, wie die fossile Lobby mit gezielter Desinformation machtvoll ihre Interessen durchsetzt (Fossilokratie!), arbeitet sie Schritt für Schritt heraus. An Beispielen wie den Ölkrisen der 70er Jahre, dem Dieselskandal von 2015 und dem Bau von LNG-Terminals 2022 zeigt sie, wie politische Fehlentscheidungen fossile Abhängigkeiten immer weiter zementieren.

Sie erläutert, wie veraltete Denkmuster und Machtinteressen in Politik und Wirtschaft zu diesen Kurzschlusshandlungen führen und wie hartnäckigen Mythen folgenschwere Fehlentscheidungen begünstigen. Ihr Fazit: „Wir scheitern nicht an fehlenden Lösungen, sondern an falschen politischen Entscheidungen und Denkweisen.“

Sehr informativ ist der Blick über den Tellerrand: Wie machen es die europäischen Nachbarn, wie demokratisiert etwa Frankreich die Mobilität und entlastet so Menschen mit geringem Einkommen? Wie gestalten die Niederlande oder Österreich den ÖPNV sozialverträglich? Wie hat Norwegen es geschafft, schon in 2023 einen E-Auto-Anteil von über 80 Prozent bei Neuzulassungen zu realisieren?
Am Ende richtet Kemfert den Blick auf die Rolle jedes Einzelnen und fasst zusammen: „Die Energiewende braucht keine Heldentaten. Sie braucht viele Menschen, die bereit sind, ihren Teil beizutragen.“ 

Eine lohnenswerte, informative Lektüre für alle, die sich ernsthaft mit der Energiewende auseinandersetzen möchten.