Husum

November 2008

Die kleine nordfriesische Stadt Husum mit rund 23.000 Einwohnern nennt sich stolz die „Windenergiehauptstadt der Welt“- und das zu Recht. Ob Herstellerfirmen, Dienstleister, Bildungseinrichtungen oder Banken - fast alle Unternehmen haben in Husum etwas mit der Windenergie zu tun. Schon bei der Einfahrt in das Gewerbegebiet fällt schnell auf: Hier hat sich eine dynamische Branche niedergelassen. Alle Gebäude sind neu, hell und überall entstehen Bürogebäude und Fertigungshallen.

Standortfaktor Windenergie

REpower fertigt in Husum jährlich mehr als 120 Windenergieanlagen der 2-Megawatt-Klasse für den Betrieb an Land. Der dänische Anlagenhersteller Vestas hat in Husum seine Hauptvertretung für Deutschland und Zentraleuropa. Auch im Husumer Gewerbegebiet sitzt das Unternehmen Windkraft Nord AG (WKN). WKN ist einer der führenden Entwickler für Windparkprojekte in Europa und plant, realisiert und betreibt Windparks. Das deutsche Know-how in Sachen Windenergie ist auch im Ausland gefragt. „Wir haben die Chance genutzt ins Ausland zu gehen. Doch ein Hauptgeschäftsfeld bleibt Deutschland“, sagt Martinus Scherweit, Mitglied des Vorstands von WKN. Mit mehr als 60 entwickelten Windparks gehören sie zu den erfahrensten Projektierern weltweit und es gibt Tochtergesellschaften in den USA, Frankreich, Spanien, Polen und Italien. Mittlerweile beschäftigt WKN über 100 Mitarbeiter allein in Husum. Die Windenergie-Unternehmen sind aus Husum kaum mehr wegzudenken. Über 50 Prozent der Gewerbesteuereinnahmen der Stadt, das sind über 10 Millionen Euro jährlich, stammen aus der Windenergiebranche.

Erfolgreicher Strukturwandel

Der Boom der Windenergie in der nordfriesischen Stadt ging einher mit dem Niedergang einer anderen Sparte. Die Industrie im Norden konzentrierte sich in den 1980er auf die maritime Schifffahrt. Die Werften schrumpften und prägten das Bild einer hoch subventionierten, wenig zukunftsorientierten Industrie. „Die frei gewordenen Fachkräfte in der Schifffahrt wurde durch die Windenergie mehr als absorbiert. Das ist nicht nur in Husum so gewesen, sondern landesweit“, erklärt Martinus Scherweit. Einige Werften stiegen sogar in das Geschäft mit der Windenergie ein. So auch die Husumer Schiffswerft, die nicht nur Schiffe reparierte, sondern schon früh begann Windenergieanlagen zu produzieren und über Umwegen das Unternehmen REpower wurde.

Messe HusumWind

Für den ehemaligen Bürgermeister Rainer Maaß lässt sich die Erfolgsgeschichte seiner Stadt auf eine Besonderheit zurückführen: „Die Messe HusumWind ist die Mutter der ganzen Entwicklung. Das war sicher das Startsignal.“ Die erste Messe fand im Jahr 1989 noch in einer ungeheizten Vieh-Auktionshalle statt. Mittlerweile ist die HusumWind die weltweit größte und wichtigste Messe im Bereich der Windenergie. Mit nahezu 25.000 Besuchern aus mehr als 40 Ländern wurde im September 2008 ein weiterer Besucherrekord aufgestellt. Damit überstieg erstmals die Besucherzahl die Einwohnerzahl der nordfriesischen Stadt. Um auch weiterhin den steigenden Besucherandrang bewältigen zu können, baut die Stadt eine neue und größere Messehalle. Über 12 Millionen Euro stellt das Land Schleswig-Holstein für den Bau zur Verfügung.

Bildungszentrum für Erneuerbare Energien

Internationale Standards setzt Husum in der Aus- und Weiterbildung. Das BZEE – Bildungszentrum für Erneuerbare Energien e.V. – wurde im Jahr 2000 auf Initiative der Windenergiebranche gegründet. Entsprechend der Anforderungen aus der Wirtschaft wurde ein Ausbildungsprogramm für Wartungs- und Service-Kräfte erstellt. Das Bildungszentrum besitzt eine eigene Windenergieanlage, an den die Auszubildenden erste Erfahrungen sammeln können. Die Arbeit des BZEE ist so erfolgreich, dass Menschen aus der ganzen Welt nach Husum kommen, um sich zu Fachkräften im Bereich der Wartung und des Services von Windenergieanlagen ausbilden lassen.