Masterplankommune Magdeburg: Auf dem Weg zur Klimaneutralität

Berlin, 28. Mai 2021 – Die sachsen-anhaltische Landeshauptstadt will bis 2050 bis zu 95 Prozent der eigenen Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 1990 einsparen. Dafür wurde in Magdeburg 2017 ein Masterplankonzept für die Stadt verabschiedet. Eine wichtige Rolle zur Erreichung der Ziele spielen auch Energiegenossenschaften, die in Magdeburg und im gesamten Bundesland Erneuerbare-Energien-Projekte umsetzen. „Die Energiewende kann nur gemeinsam mit den Bürger*innen und nicht über deren Köpfe hinweg gelingen," sagt Dr. Robert Brandt, Geschäftsführer der AEE. Besonders Energiegenossenschaften schaffen es immer wieder, durch planerischen und finanziellen Einbezug der Anwohnerschaft, die Akzeptanz für lokale Projekte entscheidend zu steigern."

In den Bereichen Strom, Wärme und Verkehr wurden im Masterplankonzept Strategien vorgestellt, die – unter Rückgriff auf verschiedene Entwicklungsszenarien – Magdeburg langfristig helfen sollen, Verbräuche zu reduzieren und Energie effizienter zu nutzen. Neben Emissionseinsparungen soll deshalb ebenso der Endenergieverbrauch der Stadt bis zur Mitte des Jahrhunderts halbiert werden. Zwischen 1990 und 2014 konnte der Endenergieverbrauch kommunaler Gebäude sowie der Magdeburger Privathaushalte bereits um respektive 53 Prozent und 64 Prozent gesenkt werden. Die Maßnahmen des Masterplankonzeptes sollen zwischen 2015 und 2050 Einsparungen von weiteren 33 Prozent bei Privathaushalten im gesamten Stadtgebiet möglich machen. Außerdem soll der Anteil der in der Landeshauptstadt produzierten Erneuerbaren Energien von 5 Prozent auf knapp 25 Prozent verfünffacht werden.

Genossenschaftlicher Solarpark in Magdeburg (Foto: Helionat eG)

Stromtarif mit 100 % erneuerbarem Strom

Über ein Biomasseheizkraftwerk in Magdeburg-Rothensee versorgt die Stadt bereits lokale Unternehmen mit erneuerbarer Wärme. Am gleichen Standort wurde bis 2010 bereits ein Windpark entwickelt, der heute eine Gesamtleistung von 15 Megawatt für die Stadt bereitstellt. So konnte die Stadtverwaltung im Jahr 2020 bereits mit 60 Prozent Ökostrom beliefert werden. Gemeinsam mit einem Windparkbetreiber bieten die Stadtwerke für Bürger*innen außerdem einen Tarif mit bis zu 100 Prozent Ökostromanteil aus Windenergie an.

Die Energiewende findet in Magdeburg jedoch nicht nur auf kommunaler Ebene statt. Engagierte Bürger*innen haben 2009 eine Energiegenossenschaft mit Sitz in Magdeburg gegründet, die im gesamten Bundesland bereits zahlreiche Photovoltaik (PV)-Dachanlagen und eine PV-Freiflächenanlage in Magdeburg installieren konnte. In ganz Sachsen-Anhalt produziert die Genossenschaft bereits jährlich 1,3 Millionen Kilowattstunden erneuerbaren Strom. Im Unterschied zu herkömmlichen Projektierern können sich Anwohner*innen prioritär am Projekt finanziell beteiligen. Darüber hinaus profitiert das Gemeinwesen über kommunale Pachteinnahmen, die Gewerbesteuer und preiswerte Stromtarife. Durch diese umfassende Beteiligung der lokalen Partner*innen erhalten die Projekte vor Ort eine hohe Akzeptanz. In Magdeburg hat die Genossenschaft 2016 einen Solarpark umgesetzt, der jährlich bis zu 670 Tonnen CO2 einspart. Diese Anlage soll ein Vorbild für viele weitere in der Zukunft sein. Aktuell plant die Genossenschaft ihr erstes Mieterstromprojekt mit integriertem Stromspeicher und einer Wärmepumpe sowie den ersten genossenschaftlichen Windpark in Sachsen-Anhalt. Letzterer soll noch in diesem Jahr in Betrieb genommen werden.

Städtische Wohnungsbaugesellschaft ermöglicht energieautarkes Wohnen bereits 2022

Die zweite Säule des Masterplankonzeptes ist die Reduzierung des städtischen Endenergieverbrauches. Zentral koordiniert vom Eigenbetrieb kommunales Gebäudemanagement werden beispielsweise die Vorgaben des Förderprogramms STARK III, das mithilfe von EU-Fördergeldern energetische Sanierungsmaßnahmen von Schulen und Kindertageseinrichtungen finanziert, angeleitet und überwacht. Die Mindestvoraussetzungen für eine Förderung unterschreiten die bundesdeutschen Richtwerte bereits um 25 Prozent. Durch eine strenge Umsetzung durch den Eigenbetrieb konnten diese Werte bei den meisten Gebäuden sogar noch unterschritten werden. So konnte Magdeburg den Wärmeverbrauch kommunaler Gebäude zwischen 2005 und 2019 bereits um 60.000.000 Kilowattstunden (kWh) senken.

Der Trend zur Verbrauchsminimierung betrifft aber nicht nur Altbauten. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft setzt auch im Neubau auf möglichst energieeffiziente Bauweisen. Bis Ende 2022 soll am Marderweg im Süden der Stadt ein Pilotprojekt umgesetzt werden: Die städtische Wohnungsbaugesellschaft will mit dem Neubau von acht energieautarken, familienfreundlichen Reihenhäusern neue Maßstäbe in Sachen Klimaschutz und Wohnkomfort für Magdeburg setzten. Auf Basis von Ökostrom und solarer Eigenproduktion sollen die Gebäude zu 100 Prozent CO2 frei betrieben werden können. Mittels ihrer PV-Dachanlagen werden die Reihenhäuser Leistungsspitzen zwischen 14 und 17 Kilowatt peak (kWp) erreichen. Überschüsse können direkt in gebäudeeigenen Speichern mit einer Nutzkapazität von 20 kWh gespeichert werden. So wird auch an sonnenarmen Tagen Strom und Heizwärme lokal bereitgestellt. Damit erfüllen Wohnhäuser bereits die Gebäudestandards der Bundesregierung für das Jahr 2050.

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Das ausführliche Portrait zu der Energie-Kommune des Monats finden Sie hier: www.unendlich-viel-energie.de/projekte/energie-kommunen/energie-kommune-des-monats-magdeburg

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