Wie viel Erneuerbaren-Ehrgeiz in Europa?

RT_Raps und Windräder-pixabayDie Energieversorgung der EU-Mitgliedstaaten soll umweltfreundlicher werden. Bis 2030 soll der Anteil Erneuerbarer Energien 27 Prozent des Gesamtbedarfs decken. Auf dieses Ziel einigten sich die EU-Energieminister Mitte Dezember in Brüssel. Die Pläne der nationalen Regierungen bleiben damit allerdings weit hinter den Erwartungen aus dem EU-Parlament zurück. So hat der Industrieausschuss des Europaparlaments einen Anteil von 35 Prozent Erneuerbarer Energien am Endenergieverbrauch bis 2030 gefordert. Bereits 2015 hatte der Erneuerbaren-Anteil im EU-Durschnitt 17 Prozent erreicht, nach 13 Prozent zu Beginn des Jahrzehnts. Deutlich überproportional ist bislang der Anteil Erneuerbarer Energien im Strommarkt gestiegen, wo die Quote im EU-Schnitt schon bei rund 30 Prozent liegt. Für 2020 hat sich die EU ein verbindliches Ziel von 20 Prozent Erneuerbare Energien gesetzt. Mit dem 27-Prozent-Ziel würde das bisherige Ausbautempo damit gebremst.

Die Energieminister verständigten sich bei ihrem Treffen in Brüssel zudem darauf, den Strommarkt in Europa enger zu verzahnen. So sollen die Mitgliedstaaten ihre grenzüberschreitenden Stromleitungen künftig schrittweise für den europäischen Stromhandel öffnen müssen. Bis Ende 2025 muss die Öffnung zu 75 Prozent abgeschlossen sein. In der EU soll es zukünftig auch „dynamische“ Tarifmodelle geben. So können Verbraucher in Zeiten eines großen Angebots Vorteile entsprechend nutzen. Smart Meter dienen dazu, den Verbrauch in Echtzeit zu erfassen und zu steuern. Des Weiteren soll es für Bürger möglich sein, leichter Strom aus Erneuerbaren Energien selbst zu produzieren und zu vermarkten. Bei dem Treffen erreichte Deutschland, dass Übertragungsnetzbetreiber künftig ebenso Stromspeicher betreiben dürfen wie Verteilnetzbetreiber. Vorausgesetzt wird, dass es sich bei den Speichern um vollständig integrierte Netzkomponenten zur Sicherung des Netzbetriebes handelt.

Die Minister vereinbarten zudem ein Ziel von 14 Prozent Erneuerbare Energien im Verkehrssektor, während die EU-Kommission auf solch ein Sektorziel komplett verzichten wollte und aus dem Parlament Vorschläge für ein 12-Prozent-Ziel kamen. Der Teufel liegt allerdings im Detail. So sollen Biokraftstoffe aus Reststoffen laut der Ministerrats-Position auf das 14-Prozent-Ziel doppelt angerechnet werden dürfen, was die notwendige Menge an klimafreundlichen Kraftstoffen reduziert. In der deutschen Biokraftstoffbranche sieht man eine solche Doppelanrechnung daher kritisch.

Staatssekretär Rainer Baake aus dem Bundeswirtschaftsministerium wertete die Ergebnisse des Energierates als Meilenstein. So gestalte das Paket „fast den gesamten europäischen Energierahmen neu“ und mache die Erneuerbaren Energien fit für den Strommarkt. Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) begrüßte den vom Ministerrat beschlossenen Erhalt des Einspeisevorrangs für die Erneuerbaren, kritisierte aber, das Ausbautempo reiche nicht aus, um das Pariser Klimaschutzabkommen zu erfüllen. Ähnliche Kritik zu den Vorschlägen kam von Umweltschutzorganisationen. Ihrer Einschätzung nach müsste der Anteil an Erneuerbaren Energien bei 45 Prozent bis 2030 liegen, wolle man die Klimaziele tatsächlich erreichen. Für Deutschland gilt in der EU ein verbindliches 18-Prozent Erneuerbaren-Ziel bis 2020, doch ist dessen Erreichung zweifelhaft. Bis 2030 hat sich Deutschland bislang ein 30-Prozent-Ziel für den Anteil der Erneuerbaren am Endenergieverbrauch gesetzt.

Im Gesetzgebungsverfahren der EU ist nun das Europaparlament am Zuge. Dann beginnen die Verhandlungen mit Ministerrat und Europäischer Kommission.

- Dieser Artikel wurde im Renews, dem Newsletter der Agentur für Erneuerbare Energien, veröffentlicht. -