Klimakommunikation in Zeiten von Covid-19 - Austausch der Energiewende PartnerStädte

Englisch / Pfaffenhofen-Galway / Marburg-Biedenkopf und Koscierzyna / Alheim-Dunleer / Steinhagen-Woerden / Braunsbedra-Kozani

Die Corona-Krise ist eine seltsame Zeit. Weltweit herrschen Ausgangsbeschränkungen von unterschiedlichem Ausmaß. Alle stehen vor ähnlichen Herausforderungen und fragen sich, wie sie ihre tägliche Arbeit organisieren, wie Besprechungen alternativ abgehalten werden können und wie sich Dienstreisen substituieren lassen? Zwei der fünf Energiewende PartnerStädtepaare konnten ihre geplanten bilateralen Workshops wegen der Reisebeschränkungen bisher noch nicht durchführen. Die Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) und die HUMBOLDT-VIADRINA Governance Platform (HVGP) haben daher alle Städtepartnerschaften zum digitalen Austausch am 15. Mai 2020 eingeladen. Themen des Online-Meetings waren Klimakommunikation in Zeiten der Corona-Krise und digitale Kommunikationstools.

Klimakommunikation in Zeiten von Corona

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Katja Treichel von der HVGP eröffnete das Meeting mit einem Überblick in die internationale Debatte über den Einfluss der COVID-19-Pandemie auf die Energiewende und den Klimawandel. Überall auf der Welt werden die positiven Auswirkungen der Pandemie auf die Umwelt sichtbar: Luft- und Wasserqualität haben sich spürbar verbessert. Die Internationale Energie-Agentur IEA schätzt, dass die CO2-Emissionen dieses Jahr 8% niedriger ausfallen werden als bisher prognostiziert – das wäre der größte Rückgang der Emissionen in der Geschichte. Dabei sollte man Vorsicht walten lassen, wenn man die Maßnahmen der Pandemie als Allheilmittel zur Bewältigung der Klimaerwärmung heranziehen möchte. Zunächst einmal sind einige der beobachteten Effekte nicht auf Corona zurückzuführen. Der Winter in Europa und Nordamerika war mild, es musste weniger geheizt werden und gleichzeitig drängte sonniges und windiges Wetter die Erneuerbaren Energien ins System. Zum anderen beruhen die bisherigen Zahlen auf Schätzungen und der weitere Verlauf der Pandemie lässt sich derzeit noch nicht absehen. Letztlich ist das Virus kein Rezept zur Rettung des Klimas: Das Abschotten und Herunterfahren von Volkswirtschaften, das Millionen von Menschen in Arbeitslosigkeit und einer prekären finanziellen Situation zurücklässt, kann keine nachhaltige Lösung sein. Dies gilt umso mehr, da die Lebensbedingungen für Menschen in vielen Ländern noch weit von dem angestrebten Lebensstandard der Industrienationen entfernt sind. Dennoch zeigt die Krise eindrücklich, wie globale Herausforderungen wie Covid-19 und die Klimaerwärmung miteinander verwoben sind. Wir sollten zeigen, wie wichtig es ist, diese Herausforderungen gemeinsam zu adressieren.

Digitale Kommunikation und Formate für Kommunen

Die Kommunen stehen dabei vor der Frage, wie sie Bürger*innen weiterhin über den nötigen Umbau des Energiesystems vor Ort informieren und beteiligen können, wenn gewohnte Formate nicht nutzbar sind. Christina Hülsken von der AEE stellte in dem Online-Meeting eine Reihe von digitalen Konferenztools mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen vor. Grundsätzlich stehen Kommunen eine ganze Reihe von Möglichkeiten offen, um auch weiterhin Klimakommunikation zu betreiben und über die Energiewende zu informieren. Physische Pressekonferenzen, Workshops und Veranstaltungen können häufig durch WebSeminare ersetzt werden. Weitere Möglichkeiten sind die Einführung oder der Ausbau von Newslettern oder die Nutzung und Weiterentwicklung von digitalen Partizipationsportalen. Städte und Gemeinden können die aktuelle Situation auch nutzen, um ihre Aktivitäten stärker über Social-Media-Kanäle zu streuen.

Christina Hülsken wies dabei auch auf die Vorteile von digitalen Meetings hin: sie sparen Zeit, erhöhen die Flexibilität und vermeiden Kosten für Raum und Catering. Gleichzeitig bieten sie auch eine Reihe von Optionen zur Interaktion und für Feedback der Teilnehmer*innen. Schließlich sind weniger Dienstreisen auch nachhaltiger für das Klima. Die digitalen Tools bringen jedoch auch Herausforderungen mit sich. Beispielsweise muss im internationalen Kontext bei der Terminfindung auf die unterschiedlichen Zeitzonen der Teilnehmer*innen Rücksicht genommen werden. Auch technische Probleme können auftreten. Hier empfehlen sich Technik-Testläufe im Vorfeld. Außerdem sollten zu Beginn jedes WebSeminars klare Regeln kommuniziert werden – etwa, dass Mikrophone nur dann eingeschaltet werden, wenn man selbst redet. Mimik und Gestik können im Vergleich zum persönlichen Gespräch nur eingeschränkt eingesetzt werden. Umso wichtiger ist es, dass Sprecher*innen die Video-Funktionen nutzen. Regelmäßige Auflockerungen der Agenda mit interaktiven Elementen tragen dazu bei, die Aufmerksamkeit der Teilnehmer*innen zu halten.

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Erfahrungsaustausch der Energiewende PartnerStädte

Die Energiewende PartnerStädte haben sich in dem Online-Meeting über die grundsätzliche politische Lage und gesellschaftliche Stimmung in ihren Ländern ausgetauscht. Sie berichteten auch darüber, wie sie im konkreten Kontext ihrer Arbeit zur Energiewende damit umgehen. Teilgenommen haben Vertreter*innen aus Woerden in den Niederlanden, aus Marburg-Biedenkopf, Steinhagen und Pfaffenhofen in Deutschland, aus Kozani in Griechenland und aus Dunleer und Galway in Irland. In einer kleinen Umfrage in dem Meeting gaben sechs der acht Kommunalvertreter*innen an, dass sie ihre Arbeit zu Klima- und Energiepolitik in gleichem Umfang wie vor den Corona-Einschränkungen durchführen können. Die verbleibenden zwei teilten mit, dass sie seit der Corona-Krise weniger Zeit haben, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen.

Das irische Galway warb, dass das Instrument des Energiemonitors ihrer PatnerStadt Pfaffenhofen nachgeahmt werden sollte. Der Energiemonitor liefert Echtzeitdaten, wie hoch der Anteil der erneuerbaren Energieerzeugung in der Gemeinde Pfaffenhofen ist. Galway analysiert derzeit das Potential der erneuerbaren Energieerzeugung in ihrer Region. Darüber bekundeten sie ihr Interesse an Batteriespeichern und Wasserstoff. Pfaffenhofen wies darauf hin, dass es seit Beginn der Krise eine erhöhte Nachfrage nach Aufdach-PV-Anlagen gibt. Die irischen Gemeinden berichteten stattdessen, dass es aufgrund der niedrigen Ölpreise derzeit besonders schwierig sei, Hauseigentümer*innen zum Umstieg auf regenerative Heizsystem zu überzeugen.

Der Landkreis Marburg-Biedenkopf konzentriert sich aktuell auf Umweltbildung. Die Gemeinde möchte sich dabei mit ihrer polnischen Partnergemeinde Koscierzyna darüber austauschen, wie Schüler*innen selbst kleine Solar-Boote und Solar-Autos bauen können, die dann in Wettbewerben gegeneinander antreten. Zudem entwickelt Marburg-Biedenkopf gerade kurze Videos und Tutorials, die aufzeigen, dass jede und jeder Einzelne einen Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels leisten kann.

Kozani in Griechenland bekommt derzeit die negativen Auswirkungen der Pandemie zu spüren. Der geplante Bau eines großen Solarparks verzögert sich, da die Arbeiter*innen aufgrund von Corona-Beschränkungen ihre Arbeit nicht aufnehmen können. Gleichzeitig wurde der öffentliche Nahverkehr stark reduziert, weswegen viele auf ihre privaten PKW umgestiegen sind. Als positives Zeichen wird die kürzliche Verabschiedung eines Gesetzes gewertet, welches Verfahren zum Ausbau der Erneuerbaren Energien in Griechenland beschleunigen soll.

Auch die Erfahrungen aus Woerden in den Niederlanden sind zweischneidig. Einerseits sind einige Entscheidungen im Energiebereich verzögert worden, weil Mitarbeiter*innen aus dem Energie- und Klimabereich in die Gesundheitsabteilung abgezogen wurden. Andererseits war eine neu anberaumte Online-Diskussion mit Bürger*innen zu einem geplanten Windpark sehr ertragreich. Die PartnerStadt Steinhagen brachte das Projekt „die blaue Hausnummer“ voran, mit der Hauseigentümer*innen für besonders energieeffiziente Gebäude ausgezeichnet werden. Auch das Projekt „Hier fehlt ein Baum“ läuft sehr erfolgreich: Über eine Webseite können die Bürger*innen nachverfolgen, wo schon Bäume gepflanzt wurden und melden, wo weitere Bäume gepflanzt werden sollten.

Auch Dunleer hat sich schnell an die neue Situation angepasst. Die irische Gemeinde sieht vor allem die Vorteile des digitalen Lernens und hat eine Reihe von Webseminaren und Online-Trainings aufgesetzt. Das Energieteam konnte dabei ein erhöhtes Interesse an Energie- und Klimathemen feststellen. Außerdem wurde in der Krise der soziale Zusammenhalt deutlich. Jüngere haben ältere Angehörige bei Schwierigkeiten mit digitalen Kommunikationstools unterstützt.

Die lebendige Diskussion in dem Online-Meeting war ergiebig. Auch wenn sich alle wünschen, bald wieder zum „Normalen“ zurückzukehren, in dem der persönliche Austausch gepflegt werden kann, so hat sich doch gezeigt, dass Online-Meetings eine schlanke, schnelle und klimafreundliche Option darstellen, um den wertvollen Austausch zur Energiewende auch über Ländergrenzen hinweg zu pflegen.

Fotos: Internationale Energie-Agentur, Jacqueline Kelly/Unsplash, AEE