Halbjahreszahlen Windenergie an Land: Zubau trotz deutlichem Anstieg zu gering - Knoten bei Genehmigung lösen, Repowering-Strategie umsetzen!

Logo_BWE_400x300Berlin, 30. Juli 2020 Der Bruttozubau von Windenergieanlagen an Land sowie die Genehmigungslage und die Projektierungstätigkeit in Deutschland sind weiterhin deutlich zu niedrig. Die von der Deutschen WindGuard im Auftrag von BWE und VDMA Power Systems erhobenen Zahlen ergeben für das erste Halbjahr 2020 einen Bruttozubau von 591 MW bzw. 178 Anlagen. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies eine Verdoppelung. 2019 wurden im 1. Halbjahr nur 287 MW bzw. 86 Anlagen neu errichtet. Die Verbände prognostizieren für das Jahr 2020 einen Zubau von mindestens 1.500 MW. Die Verbandsvertreter betonen, dass die Ankündigungen der Bundesregierung aber auch in den Ländern nun endlich umgesetzt werden müssen, um die Wachstumschancen der Windenergie zum Erreichen der Klimaziele und zur Deckung des Bedarfs auch der industriellen Energieverbrauche zu nutzen sowie die Wertschöpfung in der Windindustrie in Deutschland zu sichern.

„In den letzten Monaten hat die Bundesregierung immer wieder deutlich gemacht, dass eine nachhaltige Steigerung der Energieversorgung mit Erneuerbaren Energien gewollt ist. Die Wasserstoffstrategie der Bundesregierung sieht einen zusätzlichen Bedarf an Erneuerbaren Energien Anlagen mit einer Gesamtleistung von bis zu 5 GW inklusive Onshore-Windenergie zur Erzeugung von grünem Wasserstoff bis 2030 vor. Es wäre ein Widerspruch, einerseits ambitionierte Klimaziele zu formulieren, andererseits aber nicht den Weg für den dafür notwendigen Ausbau der Erzeugung durch Erneuerbare Energien zu ebnen. Der Gesetzgeber muss daher dringend einen kohärenten Handlungsrahmen schaffen und durchsetzen, um Investitionsanreize und den technologischen Vorsprung der Windindustrie am Standort Deutschland langfristig zu sichern sowie eine Stromlücke bei den Erneuerbaren Energien zu vermeiden“, sagte Matthias Zelinger, Geschäftsführer VDMA Power Systems.

„Wesentliche Hemmnisse für den Ausbau der Windenergie an Land müssen nun endlich aus dem Weg geräumt werden. Nur so kann Windenergie ihre Bedeutung als leistungsstarke Schlüsseltechnologie der Zukunft ausfüllen. Der Knoten bei Genehmigungen muss durchschlagen werden, und die Bereitstellung von ausreichend Flächen in den Ländern braucht neuen Schwung. Nur dann lassen sich die Erneuerbaren Energien-Ausbau- und Klimaschutzziele erreichen. Wer jetzt Hürden abbaut und konsequent handelt, stützt die wirtschaftliche Erholung nach der COVID-19 Pandemie. Es braucht jetzt Entschlossenheit. Die Energiewende gelingt nur mit großen Schritten nach vorn. Die Abarbeitung der Aufgabenliste Wind an Land des Bundeswirtschaftsministeriums ist dringlicher denn je“, so Hermann Albers, Präsident Bundesverband Windenergie.

Repowering als wichtiger Baustein für den Erfolg der Energiewende

Bis Mitte der 2020er Jahre endet die EEG-Förderung für rund 15.000 Windenergieanlagen an Land mit einer Gesamtleistung von etwa 16 GW. BWE und VDMA Power Systems fordern eine klare auf die Energiewende ausgerichtete Repowering-Strategie. Fest steht, dass der derzeitige Zubau zu langsam ist und den Anforderungen nicht entspricht.

„Die derzeitigen Hürden zur freien Vermarktung von Erneuerbarem Energien-Strom müssen fallen und Direktbelieferungen, beispielsweise in Form von Power Purchase Agreements (PPA), müssen vereinfacht werden. Ebenso muss die Definition von Eigenstromerzeugung neu gefasst werden. Nicht zuletzt braucht es eine schnelle und umfassende Repowering-Strategie, bei der die Flächensicherung ein besonderes Augenmerk erfahren muss“, sagte Hermann Albers.

„Die Repowering-Strategie muss einen Beitrag dazu leisten, die Förderkosten zu minimieren, Flächen effizient zu nutzen und Akzeptanz zu sichern. Der Austausch von alten Windenergieanlagen muss dazu durch Anlagen nach dem aktuellen Stand der Technik, mit stärkerer Leistung, größerem Rotor und höheren Türmen erfolgen. Deutschland muss ein Standort für modernste und effizienteste Anlagen sein. Das Innovationspotential der Windindustrie muss ausgeschöpft werden. Da an Repowering-Projekte die gleichen Anforderungen gestellt werden wie an Neubauprojekte, müssen Bund, Länder und Behörden dazu vor allem Genehmigungsverfahren beschleunigen“, erklärte Matthias Zelinger.

Globale Windindustrie – Rekordausbau scheint trotz Pandemie möglich

Der Global Wind Energy Council (GWEC) hat noch im März 2020 für den Weltmarkt einen Rekordausbau der Windenergie an Land im laufenden Jahr 2020 von rund 70 GW prognostiziert – davon über 28 GW in Asien, 16 GW in Nordamerika und über 10 GW in Europa. Im Juni hat GWEC für 2020 nur noch einen Zubau von etwa 55 GW im Jahr 2020 prognostiziert nach gut 54 GW im Vorjahr. Das erwartete Wachstum von fast 30 Prozent wird sich nun auf 2021 und die Folgejahre verzögern und verteilen. Nach Berechnungen von WindEurope sehen die Nationalen Energie- und Klimaschutzpläne der EU-Mitgliedstaaten einen jährlichen Zubau von 11 GW Onshore-Windenergie und 5 GW Offshore-Windenergie pro Jahr vor. Der Green Deal erfordert gemäß WindEurope eine Beschleunigung beim europäischen Zubau der Windenergie an Land und auf See auf zusammen 20 GW pro Jahr.

Mit ambitionierten Zielen, mehr Genehmigungen und Flächen für Windenergie lässt sich auch europaweit die wirtschaftliche Erholung durch einen kontinuierlichen Ausbau beschleunigen. Um negative Effekte für die Energie- und Klimapolitik zu vermeiden, sind europaweite Anstrengungen für einen grünen wirtschaftlichen Wiederaufbau mit Windenergie als Leistungsträger der Energiewende notwendig.

Den kompletten Factsheet der Deutschen WindGuard finden Sie auf der Website des BWE (PDF).
Die Präsentation der Pressekonferenz finden Sie hier (PDF).

Pressekontakt
Frederike Keil
Bundesverband WindEnergie e. V.
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