Der Netzausbau nach Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG) stagniert

Die Bundesnetzagentur hat im Mai 2017 ihren Jahresbericht für das Jahr 2016 vorgestellt und darin u.a. Daten zur Entwicklung des Strommarktes, zur Versorgungssicherheit, zur Netzinfrastrukturen und den Kosten von Redispatch und Einspeisemanagement veröffentlicht. Einige Daten in der Übersicht:

  • Der Anteil der Haushaltskunden in der klassischen Grundversorgung ist erneut zurückgegangen und belief sich im Jahr 2015 auf 32,1 Prozent.
  • 2015 hat sich die Gesamtmenge der Redispatcheinsätze im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdreifacht und betrug 16.000 Gigawattstunden. Die dafür angefallenen Kosten schätzen die Übertragungsnetzbetreiber auf 411,9 Millionen Euro. Beim Redispatch wird in den marktbasierten Fahrplan von Erzeugungseinheiten eingegriffen, um Kraftwerkseinspeisungen geografisch zu verlagern und überlastete Netzelemente zu entlasten.
  • Die Summe der Ausfallarbeit durch Einspeisemanagement für das Jahr 2015 liegt bei ca. 4.722 Gigawattstunden und hat sich damit fast verdreifacht. Die Summe der im Jahr 2015 ausgezahlten Entschädigungen betrug rund 315 Millionen Euro. Die geschätzten Entschädigungsansprüche der Anlagenbetreiber für das Jahr 2015 belaufen sich auf 478 Millionen Euro. Beim Einspeisemanagement kann Strom aus Erneuerbare­Energien­ und KWK­Anlagen vorübergehend abgeregelt werden, wenn die Netzkapazitäten nicht ausreichen.
  • Die Kosten für die Netzreserve beliefen sich im Jahr 2015 voraussichtlich auf 219 Millionen Euro. Die Netzreserve besteht neben ausländischen vor allem aus nationalen Reservekraftwerken, die auf Anforderung der Übertragungsnetzbetreiber zur Sicherstellung der Systemstabilität für eine Erhöhung der Einspeiseleistung eingesetzt werden. Die nationalen Reservekraftwerke waren von den Betreibern zur Stilllegung vorgesehen, da sie allerdings als systemrelevant gelten, wurden sie nicht stillgelegt. Diese Kraftwerke wirken mit ihrer erhöhten Einspeiseleistung entlastend auf die Höchstspannungsleitungen bei einer hohen Windeinspeisung aus dem nördlichen und östlichen Teil Deutschlands.
  • Der Netzausbau nach Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG) stagniert: Bislang sind von den insgesamt erforderlichen rund 1.800 Leitungskilometern nur rund 35 Prozent (650 Kilometer) realisiert. Im Vergleich zum vorhergehenden Monitoringbericht der Bundesnetzagentur über die Entwicklungen auf den deutschen Elektrizitäts- und Gasmärkten im Jahr 2015 hat sich also beim Netzausbau nach EnLAG nichts getan. Zum Hintergrund: Zum ersten Mal war 2009 im EnLAG der vordringliche Ausbaubedarf des Übertragungsnetzes in einem Bedarfsplan gesetzlich festgeschrieben worden. Damals formulierte das Gesetz das Ziel, die fehlenden Übertragungsleitungen bis zum Jahr 2015 fertigzustellen.

Dieser Artikel wurde im Renews, dem Newsletter der Agentur für Erneuerbare Energien, veröffentlicht.