Deutschlands Klimaziele können nur ohne Kohle erreicht werden

kohleDeutschland droht sein selbstgestecktes Klimaschutzziel, eine Reduktion der CO2-Emissionen von 40 Prozent bis 2020 im Vergleich zu 1990, zu verfehlen. Aus diesem Grund hat Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel kürzlich eine Klimaschutzabgabe für alle Kohlemeiler älter als 20 Jahre vorgestellt. Das Eckpunktepapier des Bundeswirtschaftsministeriums sieht vor, dass jeder Meiler eine feste Menge an CO2 pro Jahr ausstoßen darf. Liegen die tatsächlichen Emissionen darüber, wird die Klimaschutzabgabe fällig. So soll ein Anreiz geschaffen werden, mehr Strom aus effizienteren Meilern ins Netz zu speisen und die alten Kohlemeiler seltener zu nutzen. Gabriel plant, damit insgesamt 22 Millionenen Tonnen CO2 zusätzlich einzusparen und so das 40-Prozent-Ziel zu erreichen. Gabriels Vorschlag wurde breit diskutiert – eine weitere Reaktion ist der Gastbeitrag von Paul Ekins, Professor für Energie und Umweltpolitik am University College in London (UCL), in der Süddeutschen Zeitung.

Wie viele andere Wissenschaftler hält auch der Brite Gabriels Vorschlag für einen ersten Schritt auf dem Weg zu einem langfristigen Kohleausstieg. Bis wann der Kohleausstieg machbar ist oder erfolgen sollte, um das 2-Grad-Ziel noch zu erreichen, lässt der Autor jedoch offen. Anhand einer eigenen Studie zeigt er auf, dass 90 Prozent der Kohle in Europa nicht verbrannt werden dürfen, wenn das von der Weltgemeinschaft festgelegte 2-Grad-Ziel erreicht werden soll. Doch neben diesem Argument verweist er auch auf die Pflicht Deutschlands, nach seinen früheren Versprechen Taten folgen zu lassen, da es nur so seine Vorreiterrolle weiter festigen könne. Solche Maßnahmen hätten Vorbildcharakter für andere Staaten, sodass auch sie weitere Anstrengungen für den Klimaschutz in Kauf nehmen würden. Schon jetzt stünde Deutschland nicht allein da mit seinen Plänen. Weltweit sei eine sinkende Kohlenutzung zu verzeichnen. „Deutschland hat also auch hier die Wahl, ob es beim anstehenden Übergang vorweg schreiten oder ihm hinterher hinken möchte“, betont Ekins. Für betroffene Regionen mit Kohleindustrie würde ein wohlgeplanter Ausstieg viele Chancen eröffnen, die es zu nutzen gelte.

Dieser Artikel wurde im Renews, dem Newsletter der Agentur für Erneuerbare Energien, veröffentlicht.

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