Presseschau: Ausschreibungsmodell vs. Bürgerenergie

BuergerbeteiligungWie geht es weiter mit der Energiewende in Bürgerhand, wenn das Ausschreibungsmodell auch für den Ausbau der Windenergie an Land bindend wird? Die Vertreter der Bürgerenergie hatten in den vergangenen Monaten davor gewarnt, dass Bürger gegenüber Konzernen und Finanzinvestoren auf der Strecke bleiben würden. Einen guten Überblick über den Verlauf der Diskussion liefert ein Artikel der Süddeutschen Zeitung. Er beschreibt auch, wie das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) auf die Bedenken der Energiebürger eingeht: Im Februar 2016 wurde eine Sonderregel vorgeschlagen, die Bürgerwindparks weiterhin eine Chance lassen soll.

Die Berliner tageszeitung, taz, berichtet, dass die Kritik der Energiebürger auch nach der Veröffentlichung des Vorschlages zur Sonderregelung nicht verstummt ist. Die taz zitiert René Mono, Geschäftsführer des Bündnis Bürgerenergie: Zwar verringerten sich die Planungskosten, doch das reiche nicht aus, um die Bürgerenergie zu erhalten. Mono fordert, dass die Bundesregierung Anlagen mit bis zu sechs Windrädern von der Ausschreibung ausnimmt. Die Tageszeitung Die Welt thematisiert ebenfalls Kritik an der Sonderregel – diesmal von Seiten der grünen Opposition und dem Energiekonzern Eon. Für Eon sei die Sonderregelung sinnlos, da es bei Windprojekten an Land sowieso gelebte Praxis sei, Bürgern eine Beteiligung anzubieten.

Welche Relevanz die Energieerzeugung in Bürgerhand für die Akzeptanz der Energiewende hat, zeigt ein Artikel der Deutschen Welle. Er beleuchtet die Entwicklung von Bürgerenergieprojekten in Deutschland, aber auch in Dänemark, Mexiko, Westafrika und Japan. Der Artikel kommt zu dem Schluss, Bürgerbeteiligung sei notwendig für das Gelingen des Energieumbaus und lässt einem Branchenvertreter der Erneuerbaren Energien das Schlusswort: Stefan Gsänger, Generalsekretär von der World Wind Energy Association (WWEA) rät, kleinere Energieversorger nicht aus dem Markt zu drängen. Die Abschaffung einer geregelten Vergütung für erneuerbare Stromerzeugung zugunsten eines Modells mit Ausschreibungen bezeichnet er als Fehlentwicklung. Gsänger empfiehlt der Politik ein Umsteuern – damit Akzeptanz und Erfolg erhalten blieben und zukünftig nicht nur große Energieversorger an der klimafreundlichen Energieversorgung verdienten.

Foto: Energiegenossenschaft Starkenburg

Dieser Artikel wurde im Renews, dem Newsletter der Agentur für Erneuerbare Energien, veröffentlicht.