Über Bayerns Haltung zum Netzausbau

Die Debatten über neue Stromleitungen nach Bayern bzw. alternative Energieversorgungskonzepte für den Freistaat reißen nicht ab. Die Presse spricht vom ‚Stromtrassensteit‘ zwischen Bayerns Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD). Von ‚Affronts‘ und ‚erbitterten Kämpfen‘wird berichtet. Aufgrund heftiger Bürgerproteste stellt Seehofer schon seit 2014 den Bau von zwei geplanten Trassen in Frage, obwohl diese Vorhaben bereits Teil des Koalitionsvertrages waren.

Dem Thema widmet sich im Februar 2015 u.a. ein Gastbeitrag von Michal Sterner im Internetauftritt der Wochenzeitung Zeit. Sterner ist Professor für Energiespeicher und Erneuerbare Energien an der OTH Regensburg. An der Haltung Seehofers kritisiert der Wissenschaftler, dass kein alternatives Konzept für die Energieversorgung des Freistaates nach dem Abschalten der Atomkraft 2022 entwickelt worden ist. Den Netzausbau abzulehnen ohne ausgearbeiteten Alternativplan gefährde die Versorgungssicherheit des Bundeslandes. Neben einer übersichtlichen Einordnung der konkurrierenden Positionen gibt Sterner wichtige Hinweise für eine Versachlichung der Debatte. Ein paar Beispiele: „Ob Braunkohlestrom Teil des deutschen Energiemixes ist, entscheidet nicht die Trasse, sondern der Preis, den das Emittieren einer Tonne CO2 kostet.“

In diesem Zusammenhang rät Sterner: „Wenn die Staatsregierung den Klimaschutz ernst nimmt, wäre ihre erste Stellschraube, dass sie sich in Berlin und Brüssel für einen effektiven Emissionshandel engagieren würde – und nicht für die Verhinderung der Trassen.“ Weiter empfiehlt der Wissenschaftler, den Ausbau der Erneuerbaren Energien im Freistaat unter Einbezug der Bürger voranzutreiben: „Jetzt aber ist wichtig, dass der Dialog mit den Bürgern fortgesetzt wird. Nur mit Mitbestimmung der Bürger lässt sich der Streit lösen. Dem Bürgerwunsch, eine dezentrale Energieversorgung zu schaffen, sollte die CSU nachgeben: Die strengen Abstandsregelungen für Windräder müssen aufgehoben werden“, so Sterner.

Dieser Artikel wurde im Renews, dem Newsletter der Agentur für Erneuerbare Energien, veröffentlicht.