Erneuerbaren-Tauschgeschäft von RWE und Eon: Zurück zum Monopol?

strom_(c)niedersachsenfotoTauschgeschäfte sind in Zeiten der Megafusionen an den Kapitalmärkten eher die ungewöhnlichere Variante der Konzentration von Firmenmacht. Mit ihrer Einigung Netze- und Erneuerbaren Geschäft in einen Handel einzubringen, haben die beiden Essener Stromkonzerne Eon und RWE nun aber genau diesen Weg eingeschlagen. Laut einer Mitte März bekannt gegebenen Einigung der beiden Multis übernimmt Eon die erst zwei Jahre junge RWE-Tochter Innogy mit ihren Erneuerbaren-Aktivitäten, Netzen und Stromkunden und will sich künftig auf Handel und Stromübertragung beschränken. Im Gegenzug soll sich RWE die Erneuerbaren-Sparte von Eon einverleiben und sich doch wieder stärker auf Zukunftsfeldern der Stromproduktion engagieren. Das Medienecho auf  das angestrebte Tauschgeschäft reicht von wohlwollenden bis kritischen Einschätzungen.


Unter dem Titel „Das Monopol kehrt zurück“ beschäftigt sich Der Spiegel
mit dem Mega-Deal der beiden Stromkonzerne. Laut den Erwartungen des Wochenmagazins geht das Geschäft zulasten des Wettbewerbs und auf Kosten der Verbraucher. RWE-Chef Schmitz wolle zum größten und möglichst konkurrenzlosen Erzeuger von konventionellem Strom aus Kohle- und Gaskraftwerken aufsteigen. Geld aus der Fusion wolle er einsetzen, um weitere Kraftwerke von Konkurrenten wie EnBW, Steag oder Uniper zu kaufen. Ein Anreiz könnte laut Einschätzung des Spiegel die staatlich subventionierte Bereitstellung von Reservekraftwerken sein und verweist auf eine bereits genehmigte Summe von rund 900 Millionen Euro, die RWE für die Bereitstellung von Reserve für einen Zeitraum von sieben Jahre erhalte.

Die VDI-Nachrichten widmen sich unter der Überschrift: „Aus zwei mach vier mach zwei“ der turbulenten jüngeren Unternehmensgeschichte von Eon und RWE und erinnern an den schon Anfang 2018 über die Bühne gegangenen Verkauf der Eon-Tochter Uniper an den finnischen Versorger Fortum. Die Geschäfte mit der „klassischen, großen alten Energie“ seien so schlecht scheinbar nicht gewesen, urteilen die VDI-Nachrichten angesichts des für den Verkauf des 47-prozentigen Eon-Anteils  erlösten Betrags von 3,8 Mrd. Euro. Düster sind die Prognosen für Innogy. Dem Unternehmen mit seinen rd. 41.000 Beschäftigten drohe die völlige Zerschlagung. Denn die beiden Mütter, Eon und RWE, wollten sich auf dem Markt aus dem Weg gehen, resümieren die VDI-Nachrichten.

Von einer miserablen Stimmung bei Innogy ist im Beitrag des Handelsblatts „Verraten und verkauft“ die Rede, da der Wegfall von 5.000 Stellen im Raum steht. Die Enttäuschung sei riesengroß, heißt es unter Berufung auf Beschäftigte in der Essener Firmenzentrale. In einem Kommentar ordnet Jürgen Flauger vom Handelsblatt das Tauschgeschäft von Eon und RWE als „zweiten Anlauf“ ein. An den Unternehmen im Silicon Valley schätze man immer, dass sie lieber einen Versuch zu viel unternähmen als einen zu wenig. „Das sollten wir auch der Old Economy zugestehen“, meint Flauger. Noch einen Schuss hätten aber weder Eon noch RWE frei.

In Optimismus übten sich derweil die Gewerkschaften Verdi und IG BCE nach der Bekanntgabe des Tauschgeschäfts, das die Wettbewerbshüter noch genehmigen müssen. Sie sprachen von einer Chance für Investitionen in Wachstum und Arbeitsplätze der Zukunft, wie finanzen.net unter Berufung auf eine gemeinsame Verlautbarung der Gewerkschaften erklärte.

Die Wissenschaftlerin Claudia Kemfert kritisierte hingegen im klimaretter.info-Interview den Verkauf der Ökostromsparte von Eon an RWE als Fehler. Die Erneuerbaren seien bei RWE schlecht aufgehoben, weil dieser Konzern ausschließlich das konventionelle Energiegeschäft realisieren könne und wolle. Knapp 3 Prozent des von RWE in Deutschland verkauften Stroms stammt laut Spiegel bislang aus Erneuerbaren Energien, bei Eon waren es zuletzt knapp 7 Prozent. Zum Vergleich: Der Anteil der Bürgerenergie an der installierten Leistung Erneuerbarer Energien in Deutschland beträgt 42 Prozent.

- Dieser Artikel wurde im Renews, dem Newsletter der Agentur für Erneuerbare Energien, veröffentlicht. -