Wer zu spät kommt …

kurzschlussteaser_250Die Jahrtausendwende vor fünfzehn Jahren hielt die ganze Menschheit in Atem. Die einen fieberten dem neuen Millennium voll Vorfreude entgegen, die anderen prophezeiten den Untergang unserer Zivilisation. Heute ist klar: Das Ende der Welt blieb aus und so allerhand nahm erst seinen Anfang. Wir erinnern uns: Im Jahr 2000 wurde Angela Merkel die Bundesvorsitzende der CDU und Vladimir Putin Russlands neuer Präsident; das Internet wurde populär und in Indien der ein milliardste Mensch geboren.

Auch das Erneuerbare-Energien-Gesetz wurde damals, nur kurz nach dem Millenniumwechsel, vom Deutschen Bundestag in Berlin verabschiedet. Es ersetzt das vorausgegangene Stromeinspeisungsgesetz und ist ein Beispiel dafür, dass in Deutschland schon früh die Weichen für die Energiewende gestellt wurden. Seither haben größtenteils Bürger, mittelständische Unternehmen und Kommunen den Ausbau von Erneuerbaren Energien vorangetrieben. Der Anteil von Ökostrom am Bruttostromverbrauch stieg dadurch auf 33 Prozent an. Die Energiewende wurde zu einem der vorherrschenden Themen des neuen Jahrtausends in Politik, Wirtschaft und Medien.

Doch wie das so ist bei großen Veränderungen – nicht alle sind in der Lage oder wollen dabei mitkommen. Es scheint, als seien manche erst später im 21. Jahrhundert angekommen als andere. So geht es zum Beispiel dem schwedischen Stromkonzern Vattenfall. Der Stromriese machte im zweiten Quartal des Jahres 2015 drei Milliarden Euro Verlust und gibt sich überrascht von der eigenen Situation. Magnus Hall, Konzern-Chef, erklärte dazu: „Natürlich ist dies eine sehr negative Entwicklung und spiegelt die Rahmenbedingungen wider, unter denen wir agieren“. Diese Rahmenbedingungen sind aber nicht vom Himmel gefallen wie eine Naturkatastrophe, vielmehr hat Vattenfall die politischen Zeichen langen ignoriert. Erst Ende 2012 hat sich die Geschäftsführung zu einer Neuorientierung hin zu Erneuerbaren Energien bekannt. Trotzdem hat sich im Konzern bisher noch nicht viel bewegt. Auch im vergangenen Jahr kam Vattenfall-Strom zu 97 Prozent aus Quellen, die schon seit jeher zum Geschäftsmodell gehören: Kohle (40 Prozent), Atomkraft (28,9 Prozent), Wasserkraft (20 Prozent) sowie Erdgas- und -öl (8 Prozent). Lediglich drei Prozent der Stromerzeugung des Konzerns stammte 2014 aus Windenergie und Biomasse.

Die Verluste, die der Konzern im zweiten Quartalsbericht 2015 veröffentlicht, lassen sich u.a. durch niedrige Börsenstrompreise erklären. Diese entstehen vor allem aufgrund von Überkapazitäten durch Kohlekraftwerke, die dank günstiger Einkaufspreise für den Energieträger Kohle durchlaufen. Vattenfall betreibt in Deutschland elf Kohlekraftwerke. Das im Februar 2015 in Betrieb gegangene Kohlekraftwerk Moorburg ist das jüngste und ein Symbol dafür, wie lange der Konzern noch auf das gewohnte, nicht mehr rentable Geschäftsmodell setzt und wie schwerfällig er sich auf den Weg der Energiewende begibt. Nachdem der Konzern bei der Energiewende von Anfang an auf der Bremse stand, hat er jetzt durch das lange Ausblenden der Realität das finanzielle Nachsehen. Dies ist sehr bedauerlich, denn für das Gelingen der Energiewende sind alle Akteure gefragt.

Der monatliche Kurzschluss erscheint im Renews, dem monatlichen Newsletter der Agentur für Erneuerbare Energien. er behandelt stets ein Thema der aktuellen energiepolitischen Debatte - mit Augenzwinkern.