Verluste und Gewinne aufgrund der deutschen Energiewende

kurzschlussteaser_250RWE hat mitten in der Krimkrise die Öl- und Gasfördertochter RWE Dea verkauft – ausgerechnet an eine Firmengruppe eines russischen Oligarchen. In einer Zeit, in der sich Politik und Gesellschaft um die Abhängigkeit vom russischen Gas sorgen, verkauft der Essener Energieriese seine Beteiligung – wohl um nach einem schlechten Bilanzjahr die eigene Kasse aufzufüllen. Denn erstmals seit Jahrzehnten verbuchte der Konzern im vergangenen Jahr einen Nettoverlust, und zwar gleich in Höhe von 2,8 Milliarden Euro. Grund seien vor allem hohe Abschreibungen auf Kohle- und Gaskraftwerke. Dass es sich dabei vor allem um ausländische Kraftwerke handelt, lässt sich aus der Presseerklärung nicht herauslesen. Kein Wunder also, dass schnell das Argument die Runde machte, RWE fahre wegen der deutschen Energiewende Verluste ein. Dabei wurde ausgerechnet in Deutschland aufgrund des Tiefstands der CO2-Preise im Jahr 2013 so viel Strom in Braun- und Steinkohlekraftwerken produziert, wie zuletzt im Jahr 1990. Fast 80 Prozent des von RWE europaweit erzeugten Stroms stammen aus fossilen Kraftwerken, vor allem aus besonders klimaschädlicher Braunkohle. Lediglich vier Prozent kommen aus Wind- und Solarenergieanlagen – 22 Jahre nach Inkrafttreten des Stromeinspeisegesetzes und zu einer Zeit, in der der Anteil Erneuerbarer Energien an der deutschen Stromproduktion rund 25 Prozent beträgt. Dass sich das Verhältnis 80:4 bald ändern wird, ist nicht absehbar. Auch der Verkauf der Gasfördertochter DEA ist nicht als Strategiewechsel zu verstehen, sondern offensichtlich nur ein betriebswirtschaftlicher Schritt. Bei der Vorstellung der Bilanz forderte Konzernchef Peter Terium einen politischen Rahmen, der RWE in Zukunft dafür finanziell entlohnt, wenn fossile Kraftwerke als Reserve für wind- und sonnenarme Zeiten ständig in Bereitschaft bleiben. Mit dieser Strategie könnte der Konzern dank der deutschen Energiewende Gewinne einfahren, ohne selbst den Ausbau der Erneuerbaren Energien voranzutreiben.