Energieversorgung der Zukunft: Stärker dezentral oder zentral?

neu_im_frNeu im Forschungsradar Energieversorgung der Zukunft: Stärker dezentral oder zentral? Anfang April hat die Bundesregierung einen Gesetzesentwurf für die Neugestaltung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) vorgelegt. Kritiker wie der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) oder das Bündnis Bürgerenergie (BBEn) warnen davor, dass die Neuregelungen zu Lasten kleiner Akteure und Investoren gingen, während der weitere Ausbau der Erneuerbaren Energien künftig verstärkt von den Aktivitäten großer Konzerne abhänge. Dies gefährde die erfolgreiche dezentrale Energiewende aus Bürgerhand. Energieminister Sigmar Gabriel (SPD) verweist allerdings auf die Notwendigkeit einer stärkeren Marktorientierung und Kostenbremse.

Vor diesem Hintergrund sei auf eine Studie des Reiner Lemoine Instituts im Auftrag der Haleakala-Stiftung, des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft und der 100 prozent erneuerbar stiftung verwiesen, die stärker zentral und dezentral orientierte Ausbaupfade für eine Stromversorgung aus Erneuerbaren Energien hinsichtlich ihrer Kosten miteinander vergleicht. Im Vordergrund steht die Frage, ob es sinnvoll ist, die Erzeugungskapazitäten auf die Standorte zu konzentrieren, die die geringsten Stromgestehungskosten aufweisen oder ob es ökonomisch vorteilhaft ist, die Kapazitäten in der Nähe der Verbraucher aufzubauen. Die Autoren kommen dabei zu dem Ergebnis, dass die betrachteten Szenarien nur geringe Unterschiede bei den Gesamtkosten aufwiesen. Aufgrund der Vergleichbarkeit im Hinblick auf die Kosten spielten Kriterien wie die kommunale Wertschöpfung und Partizipation vieler Akteure eine gewichtigere Rolle für die Bewertung. So kommt die Studie zu dem Schluss, dass dezentrale Pfade für den Ausbau der Erneuerbaren Energien energiewirtschaftlich zu bevorzugen seien. Die Hauptgründe sehen sie in den Risiken hinsichtlich des erfolgreichen Ausbaus der Übertragungsnetze und der Entwicklung von Speichertechnologien sowie der stärkeren kommunalen und regionalen Wertschöpfung. Vor dem Hintergrund der Kostendiskussion auch interessant: Die künftigen Systemkosten bei einer annähernd vollständigen Stromversorgung aus Erneuerbaren Energien werden der Studie zufolge kaum höher sein als heute.